Männer blocken Frauenquote ab

Frauen sind in Schweizer Chefetagen nach wie vor die Ausnahme. Eine Quote ist umstritten – laut einer Studie auch bei Frauen.

Die addierten Ja- und Nein-Antworten ergeben nicht 100 Prozent. Die Differenz entspricht dem Anteil an «Weiss-Nicht-Antworten».


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Laut einer Umfrage des Topkräftevermittlungs- und Beratungsunternehmens Mercuri Urval ist eine Mehrheit der Bevölkerung gegen eine Frauenquote, wie sie etwa skandinavische Länder kennen. 53 Prozent sagten in der heute vorstellten Umfrage von Mercuri Urval und dem Institut Demoscope vom Februar mit etwa 1000 Befragten, dass sie die Frauenquote nicht wünschen. Bei den männlichen Umfrageteilnehmern sagten nur 28 Prozent Ja und 65 Nein.

Die Idee findet aber auch bei den Frauen keine Mehrheit: Zwar befürworteten 49 Prozent eine gesetzliche Festsetzung des Frauenanteils in hohen Unternehmensgremien, doch sagten auch 42 Prozent Nein.

Der Frauenanteil in den Verwaltungsräten der börsenkotierten Unternehmen sei zwischen 2008 und 2013 nur wenig gestiegen, sagte Berater Christian Schaffenberger: «Obwohl dies ein Riesenthema ist und obwohl es von diversen Organisationen thematisiert wird, ist eigentlich kaum etwas passiert in der Schweiz.»

Politik soll nicht aktiv werden

Die Schweiz liege in der Rangliste der besten Länder für berufstätige Frauen auf Rang 25. Mercuri Urval stützt sich auf eine Studie des britischen Magazins «The Economist», wonach die skandinavischen Länder, aber auch Staaten wie Polen, Frankreich oder die USA vor der Schweiz rangieren.

Für eine klare Mehrheit ist die Frauenquote allerdings gar kein Thema für die Schweizer Politik: So fanden 61 Prozent der befragten Männer, die Förderung von Frauen in der Wirtschaft sei nicht Angelegenheit der Politik. 33 befürworteten dies. Bei den Frauen sehen 45 Prozent keine Notwendigkeit für die Politik, einzugreifen. 44 Prozent würden das Thema auf die politische Agenda setzen.

Ein Grund für diese Ergebnisse ist laut Mercuri Urval, dass man in der Schweiz mit ihrer stark liberal ausgerichteten Wirtschaftsordnung Staatseingriffen generell misstraut. Die Schweiz zähle auch weniger arbeitstätige Frauen als etwa Skandinavien, was zum Teil mit zu wenig Betreuungsplätzen für Kinder zusammenhänge.

Konservative Gesellschaft

Darüber hinaus ist die Schweizer Gesellschaft immer noch relativ konservativ, wie Beraterin Joëlle Ziegler sagte. Das Rollenverständnis sei traditioneller als anderswo, besonders im Mittelstand: Die Umfrage zeigte denn auch, dass die mittleren Einkommenskategorien die grösste Ablehnung zeigten. In den unteren und oberen Lohnklassen sei die Frauenquote beliebter.

Dass Frauen nicht mehr zugestimmt hätten, habe auch seinen Grund: «Viele Frauen setzen sich ein, gleichgestellt wahrgenommen zu werden, und das ohne Frauenquote», sagte Ziegler. Auch Frauen sagten, das sie wegen ihrer Leistung der Qualität ihrer Arbeit befördert werden wollten und nicht wegen einer Quote.

Ziele der Unternehmen

Die Wirtschaft will laut Berater Schaffenberger Selbstregulierung und keinen Quotenzwang. Das bedinge aber, dass sich die Unternehmen gewisse Ziele setzten. An top ausgebildeten Frauen in der Wirtschaft mangle es nicht.

In Verwaltungsräte berufen würden praktisch nur Frauen, die auch in Geschäftsleitungen gewesen seien. Häufig aber stiegen Frauen nur bis ins mittlere Management auf: «Somit mangelt es an Kandidatinnen», sagte Schaffenberger. Es sei also Aufgabe der Unternehmen, Frauen auf allen Hierarchiestufen zu fördern.

Besonders gefordert seien jene 24 bundesnahen Betriebe, die bis 2020 Zielquote von 30 Prozent Verwaltungsrätinnen erreichen sollen: «Man muss jetzt anfangen, Kandidatinnen zu identifizieren», sagte Schaffenberger. (rub/sda)

Erstellt: 21.03.2014, 16:10 Uhr

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