Porträt

Mit Axel Weber kommt eine geballte Ladung Energie zur UBS

Ein Jahr früher als geplant kommt es am Donnerstag an der Spitze der UBS zum Präsidentenwechsel. Der ehemalige Chef der deutschen Bundesbank, Axel Weber, löst Kaspar Villiger ab.

Axel Weber: In Deutschland eckte er mit seiner Art öfters mal an.

Axel Weber: In Deutschland eckte er mit seiner Art öfters mal an. Bild: Keystone

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Neulich in Zürich: Ein gutes halbes Dutzend Journalisten warten auf ihn. Axel Weber tritt ein, schüttelt jedem die Hand, fragt jeden nach seiner Funktion. Höflichkeit? Echtes Interesse? Wir wissen es nicht. Noch nicht.

Nach dem kurzen Intermezzo beginnt Weber zu reden, über seine Ankunft in Zürich, seinen neuen Wohnsitz in 250 Meter Distanz vom UBS-Hauptsitz, den begonnenen Prozess der Helvetisierung, seine Distanzierung als Präsident der deutschen Bundesbank von Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin (Autor des umstrittenen Buches «Deutschland schafft sich ab»), seine Opposition gegen den Kauf griechischer Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank und über die Positionierung der UBS im globalen Finanzumfeld.

Er strotzt vor Selbstvertrauen

Weber redet und redet. Eine Stunde. Zwei Stunden. Und er redet immer noch, obwohl die Kommunikationsverantwortlichen der Bank den Journalisten nur ein Zeitfenster von einer Stunde eingeräumt hatten. Die Zeit vergeht im Nu. Denn es redet nicht nur mit dem Mann. Er hat etwas zu sagen. Das weiss keiner besser als er selber. Er strotzt vor Selbstvertrauen.

Und doch gibt der 55-Jährige nicht den hässlichen Deutschen, der in der Schweiz schon beim Betreten des Saals durchfällt. Kaspar Villigers Helvetisierungsprogramm scheint zu fruchten. Auch wenn Weber sein Licht nicht unter den Scheffel stellt, scheint er schon einmal gelernt zu haben, dass Arroganz in diesem Land schlecht ankommt.

Prinzipientreu oder stur?

Gut möglich, dass ihm der Lernprozess deshalb leichter gefallen ist, weil er mit seiner Art selbst in Deutschland angeeckt ist. Als Bundesbank-Chef war Weber praktisch gesetzt als Nachfolger von Jean-Claude Trichet an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB). Mit seiner öffentlichen Kritik am Erwerb griechischer Staatsanleihen durch die EZB verscherzte er sich den Karriereschritt. Angesichts der Meinungsverschiedenheit ein bewusster Verzicht, sagt Weber selbst und präsentiert sich als Mann von Prinzipien.

Als Weber auch noch den Aufsichtsratsvorsitz der Deutschen Bank ausschlug und stattdessen dem Ruf der UBS folgte, stand Deutschland beinahe kopf. Auch das ist in der Darstellung Webers eine Grundsatzfrage. Als Chef der Bundesbank hat er massgebend an den neuen Regeln für die Banken mitgewirkt. Ein Seitenwechsel in Deutschland hätte ihn vermutlich jahrelang als Vorwurf begleitet. Auch wenn Kritik dem «Sturkopf» («Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung») wenig anzuhaben scheint, wählte er das Wegtauchen ins Nachbarland als komfortablere Variante.

Auch Weber liebt das Geld

Weber bringt einen eindrücklichen Wissens- und Erfahrungsschatz mit. Er hat nicht nur eine Karriere als Notenbanker hinter sich, sondern auch eine als akademischer Lehrer. Er ist ein profunder Kenner aller regulatorischen Vorschriften – für die UBS Gold wert. Kein Wunder hat ihm die Bank allein für seine Unterschrift gleich 2 Millionen Franken plus 200'000 UBS-Aktien überreicht. Die Entschädigung für das erste Amtsjahr im gleichen Umfang kommt noch dazu. Weber hat den Willkommensgruss nicht ausgeschlagen. Er wird genauso wenig wie Vorgänger Villiger die Abfindungen an der UBS-Spitze hinterfragen.

Weber zeigt sich besorgt über die mangelnde Akzeptanz der UBS in der Schweiz. Sein Anliegen ist es, diese zu stärken. Seinem Vorgänger ist dies in drei Jahren nicht gelungen. Weber sagt, er wolle zehn Jahre bleiben.

Das sind schlechte Nachrichten für die Zürcher Fussballvereine. Die UBS als Sponsor können sie damit vergessen. Weber ist bekennender Fan des 1. FC Kaiserslautern. Wenn das nur kein schlechtes Omen für die UBS ist: Der Club glänzt auf dem letzten Platz der Bundesliga.

Erstellt: 02.05.2012, 11:29 Uhr

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