Mit Negativzinsen müssen wir leben

Dass die Negativzinsen bald abgeschafft werden, ist unwahrscheinlich. Im Gegenteil. Die Nationalbank will die Handhabung noch verschärfen.

Die Negativzinsen sind sein einziges Instrument: Thomas Jordan.

Die Negativzinsen sind sein einziges Instrument: Thomas Jordan. Bild: Keystone

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Im Dezember 2014 hat die Nationalbank erstmals Negativzinsen eingeführt: Ein historisches Novum und eine aussergewöhnliche Situation für alle Teilnehmer am Bankensystem. Wer grosse Mengen an (elektronischem) Bargeld bei der SNB parkiert hat, muss seither einen Zins bezahlen. 0,75 Prozent beträgt die Gebühr, die von Banken zunehmend auch auf ihre Grosskunden aus dem In- und Ausland übertragen wird.

Die Negativzinsen haben sich längst auf den Finanzmarkt übertragen. Wer in sichere Eidgenossenschaftsobligationen investiert, verliert Geld, zumindest in nominalen Einheiten. –0,4 Prozent beträgt beispielsweise die Rendite auf fünfjährige Schweizer Staatsanleihen. Zwei Monate nach der Aufhebung des Mindestkurses verdichten sich die Anzeichen, dass diese Situation kein kurzfristiger Ausnahmezustand bleibt.

Der Ausblick der schwedischen Zentralbank

Im Gegenteil. Negative Zinsen sind ein Phänomen, mit dem sich die Schweiz eine Weile lang abfinden muss. Grund dafür sind die äusseren Umstände. «Erst wenn sich abzeichnet, dass die Europäische Zentralbank ihr Anleihekaufprogramm zurückfährt, könnte die SNB weniger stark negative Zinsen in Betracht ziehen», schreibt die UBS heute in einem Kurzbericht aus ihrer Forschungsabteilung. Planmässig dauert dieses Programm bis mindestens September 2016, eine Verlängerung ist nicht ausgeschlossen.

Wichtig zu verstehen ist, dass die Schweiz nicht alleine in dieser Situation steckt. Auch die Notenbank von Dänemark hat beispielsweise Negativzinsen eingeführt. Dies, um die Währungsspekulation in Bezug auf die Krone, die fix an den Euro angebunden ist, einzudämmen. Auch in Schweden sind Negativzinsen heute normal. Die dortige Zentralbank hat erst gestern den Leitzins auf –0,25 Prozent gesenkt. Auch sie erwartet, dass der Zustand bis in die zweite Hälfte des Jahres 2016 andauert.

Schweizer sollen im Ausland investieren

Natürlich sind die Minuszinsen ein Ärgernis für die Sparer, insbesondere für die Pensionskassen. Was diese Investoren aber nicht ausblenden dürfen, ist die Tatsache, dass auch die Inflation in der Schweiz über die kommende Zeit negativ sein wird (die SNB rechnet mit –1,1 Prozent im Jahr 2015). Die realen Erträge werden also höher ausfallen, als es beispielsweise die nominalen Negativrenditen auf sichere Schweizer Staatsanleihen derzeit suggerieren. Auf diesen Punkt legt die SNB besonderen Wert.

Die Nationalbank legt auch Wert auf Gleichbehandlung. So ist ihre heutige Ankündigung zu deuten, dass die Liste der Ausnahmen bei den Negativzinsen überprüft wird. Zu erwarten sind keine zusätzlichen Ausnahmen (etwa für Krankenkassen), sondern eine rigidere Praxis. Thomas Jordan selbst hat heute erklärt, was der Sinn hinter dieser Massnahme ist: Auch inländische Anleger sollen vermehrt im Ausland anlegen und so zur Schwächung des Frankens beitragen.

Seit die SNB den Mindestkurs aufgegeben hat, sind die Zinsen wieder zum primären Steuerungselement der Geldpolitik geworden. In Bezug auf den Frankenkurs sind die Negativzinsen de facto sogar das einzige Instrument, das der Nationalbank zur Verfügung steht. Massive Interventionen zur Schwächung des Frankens kommen aktuell nicht infrage. So gilt für die Negativzinsen letztlich, was auch für den starken Franken gilt: Die Wirtschaft wird lernen müssen, mit der Situation umzugehen.

Erstellt: 19.03.2015, 13:54 Uhr

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