Moody's stuft Ungarn auf Ramsch-Niveau herab

Die US-Ratingagentur hat Ungarns Staatsanleihen um eine Stufe herabgesetzt. Grund sind die hohen Staatsschulden. Die Regierung des Landes reagiert empört und spricht von einem «spekulativen Angriff».

Hohe Staatsverschuldung, darbende Wirtschaft, unsichere Zukunft: Ungarn, hier ein zum Verkauf stehendes Ladenlokal in Budapest.

Hohe Staatsverschuldung, darbende Wirtschaft, unsichere Zukunft: Ungarn, hier ein zum Verkauf stehendes Ladenlokal in Budapest. Bild: Keystone

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Die Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit Ungarns auf Ramschstatus heruntergestuft. Ungarische Staatsanleihen wurden von der Note Baa3 um eine Stufe auf Ba1 herabgesetzt, teilte Moody's am Donnerstag mit. Ungarns Regierung sprach von einem «spekulativen Angriff».

Die hohe Staatsverschuldung und eine grössere Unsicherheit, ob das Land seine Haushaltsziele erreiche, hätten den Schritt notwendig gemacht. Der Ausblick sei weiterhin negativ.

Eine weitere Herabstufung der Bonität werde in Betracht gezogen, da Ungarn kaum Fortschritte bei der Umsetzung seiner Strukturreformen mache. Ungarn könnte seinen Ausblick jedoch stabilisieren, wenn es einen nachhaltigen Konsolidierungsweg einschlagen würde.

Rasche Forint-Entwertung

Die ungarische Regierung bezeichnete die Herabstufung als unbegründet und als «spekulativen Angriff». «Da die Bewertung durch Moody's keine reale Grundlage hat, kann die ungarische Regierung sie nur als Teil eines finanziellen Angriffs interpretieren», hiess es am Freitag in einer Mitteilung des Wirtschaftsministeriums in Budapest.

Die Finanzmärkte vermochten die Beschwichtigungen der ungarischen Regierung nicht zu beruhigen. Die Rendite für zehnjährige ungarische Staatsanleihen stieg bis Freitagmittag um fast einen Prozentpunkt auf 9,9 Prozent. Dies ist der höchste Wert seit Anfang 2009. Zum Wochenanfang hatte die Rendite noch bei 8,4 Prozent gelegen.

Rasant entwertet

Die Herabstufung der ungarischen Staatsanleihen war bereits von den Rating-Agenturen angedroht worden, nachdem die Staatsverschuldung vom zweiten bis zum dritten Quartal dieses Jahres von 75 auf 82 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) gestiegen war.

Die Landeswährung des EU-Landes, der Forint, hatte sich im Devisen-Wechselkurs rasant entwertet. Erst vergangene Woche hatte Ungarn den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die EU angesichts drohender Abstufung durch die Rating-Agenturen um Hilfe gebeten.

Zur Schwäche des Forint erklärte das Ministerium, hinter der aktuell laufenden Abwertung der Landeswährung «kann nur ein spekulativer Angriff gegen Ungarn stecken».

Wirtschaftsministerium sieht Fortschritte

Moody's begründete die Herabstufung der Bonität unter anderem mit der zunehmenden Unsicherheit, ob Ungarn angesichts eingeschränkter Wachstumsaussichten mittelfristig seinen Staatshaushalt konsolidieren und die öffentlicher Verschuldung zurückführen kann.

Das Wirtschaftsministerium entgegnete, die Abstufung durch die Ratingagentur sei grundlos, weil Ungarns Wirtschaft sich in den letzten anderthalb Jahren in den meisten Bereichen «trotz aller externen Schwierigkeiten» in eine günstige Richtung entwickelt habe.

Haushaltsdefizit unter 3 Prozent des BIP

Die Leistungsbilanz weise einen Überschuss auf. In diesem Jahr werde es Ungarn seit dem EU-Beitritt erstmals gelingen, das Haushaltsdefizit unter 3,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu senken.

Ungarns Wirtschaftswachstum habe im dritten Quartal das Wachstum in der EU und in der Eurozone überholt, hob das Ministerium hervor. In den Haushalt für 2012 baue Ungarn Geldreserven ein, die 1,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entsprächen.

Diese Rücklage solle angesichts der Schuldenkrise in der Eurozone dafür sorgen, dass Ungarn weiter die Maastricht-Kriterien erfülle, selbst wenn die Wirtschaft weniger wachse als erwartet, hiess es weiter. Ungarn habe in diesem Jahr die Staatsverschuldung fast um zehn Prozent gesenkt. (wid/sda)

Erstellt: 25.11.2011, 10:05 Uhr

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