SMI fällt um über vier Prozent

Keine Erleichterung nach dem Kompromiss im US-Schuldenstreit: Die Sorgen um die US-Bonität und schlechte Konjunkturdaten liessen die Aktienmärkte am Dienstag ins Minus fallen – auch der SMI stürzte ab.

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Die internationalen Märkte haben sich vom vorläufigen Schulterschluss im US-Schuldenstreit nicht positiv beeindrucken lassen. Die anfängliche Erleichterung, die etwa an den Börsen in Asien spürbar war, wich im Tagesverlauf vermehrt Sorgen über den Verlust der Spitzenbonität der USA, die weitreichende Turbulenzen auf den Finanzmärkten nach sich zöge.

Zudem wächst auch die Unsicherheit über die Gesundheit der weltgrössten Volkswirtschaft. «Der Markt fürchtet, dass die Welt in die Rezession zurückfällt», sagte etwa ein Analyst des niederländischen Finanzkonzern ING. Geschürt werden die aktuellen Ängste von einer Reihe schwacher US-Wachstumsdaten.

Schweizer Franken weiter gestärkt

«Während sich die Wolken der politischen Unsicherheit verziehen, braut sich ein wirtschaftlicher Sturm zusammen», fasste eine Ökonomin von BNP Paribas die gegenwärtige Lage zusammen.

Der Goldpreis stieg am Dienstag infolgedessen auf ein weiteres Rekordhoch. Eine Feinunze kostete am Nachmittag in der Spitze 1635,90 Dollar. Im Laufe des Tages schnellte der Goldpreis damit um mehr als 20 Dollar in die Höhe. Auch der Schweizer Franken legte gegenüber dem Euro und dem Dollar weiter zu.

Zeitweise tauchte der Euro unter 1,10 Franken. Der Tiefpunkt wurde am späten Nachmittag bei 1,0962 Fr. erreicht. Danach zog der Euro wieder leicht an und kostete kurz nach 17.00 Uhr 1,0974 Franken. Am Vortag kostete der Euro im späten Handel noch 1,1170 Franken.

Auch der Dollar hielt sich mit 0,7720 Fr. nur knapp über seinen bisherigen Tiefstständen von 0,7710 Franken. Am Vortag war der Greenback noch 0,7836 Fr. wert gewesen.

Börsen im Minus

An der Börse in Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 1,2 Prozent tiefer bei 9844 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index sank um 0,9 Prozent auf 844 Zähler. An den anderen wichtigen asiatischen Börsenplätzen in Südkorea, Taiwan, Singapur, Hongkong und Shanghai dominierten ebenfalls die Verluste.

Die Schweizer Börse hat heute den grössten Kurssturz seit mehr als zwei Jahren verzeichnet. Zu Börsenschluss notierte der Swiss Market Index (SMI) bei 5546,94 Punkten und somit 4,1 Prozent tiefer als am Vortag. Der Gesamtmarkt, gemessen am Swiss Performance Index (SPI), gab 4,1 Prozent auf 5098,89 Stellen nach. Der Deutsche Aktienindex (DAX) fiel um bis zu 2,3 Prozent auf ein Viereinhalb-Monats-Tief.

Abwärtstrend auch an US-Märkten

Auch an der Wall Street in New York machten sich die jüngsten Entwicklungen in den USA bemerkbar. Der Dow-Jones-Index sank am Dienstag bei Handelsbeginn um 0,5 Prozent auf 12'074 Punkte. Der Index der Technologiebörse Nasdaq lag mit 0,6 Prozent bei 2727 Punkten im Minus. Bei beiden Indices war im weiteren Handelsverlauf ein weiterer Abwärtstrend zu bemerken.

Schweizer halten an Konjunkturprognosen fest

Dennoch halten Ökonomen grosser Schweizer Banken an ihren Konjunkturprognosen grösstenteils fest, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur sda ergab. «Unsere Konjunkturprognose ist so gut wie noch nie. Die passt wunderbar», sagte Credit-Suisse-Chefökonom Martin Neff.

Die CS gehört zu den pessimistischsten Konjunkturauguren mit einem prognostizierten Wachstum des Schweizer Bruttoinlandproduktes (BIP) von 1,9 Prozent für dieses Jahr und 2,2 Prozent für nächstes Jahr. «Ich habe nie an eine starke zweite Jahreshälfte geglaubt», sagte Neff.

Der heutige Franken-Kurs sei bitter. «Eigentlich waren für mich 1,10 Fr. das unterste Ende der Fahnenstange. Damit sind wir 25 Prozent von der Kaufkraftparität bei 1,32 Fr. entfernt. Ich kann mich nicht erinnern, dass es jemals so eine massive Überbewertung gegeben hat», sagte Neff. In diesem tiefen Kurs sei wahnsinnig viel eingepreist wie eine sehr schwache Währungsunion ohne grosse Stabilität und eine halbe Rezession in den USA.

Temporäre Wachstumsdelle

Auch die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hält an ihren Wachstumserwartungen von 2,5 Prozent für dieses Jahr und 2,0 Prozent für nächstes Jahr fest. Zwar werde sich der Aussenhandel aufgrund der Franken-Stärke abschwächen, sagte ZKB-Ökonomin Cornelia Luchsinger. Die Abschwächung der Weltwirtschaft dürfte aber nur eine temporäre Wachstumsdelle sein.

Erst wenn sich die Weltwirtschaft doch noch schlechter entwickeln würde oder die USA gar in Rezession abschlitterten, dann würde die ZKB die Prognosen nach unten revidieren. Aber derzeit sei die Schweizer Binnenkonjunktur nach wie vor stark. Wichtig sei, dass die Nachfrage aus dem Ausland stabil bleibe. Viele exportierende Firmen seien gut aufgestellt und hätten die Kosten dort, wo die Erträge herkämen.

Franken-Stärke als Zeichen der Solidität

Ins selbe Horn stiess auch UBS-Ökonom Daniel Kalt: Die Schweizer Wirtschaft sei in hervorragender Verfassung. Die Franken-Stärke widerspiegle die Solidität und das Vertrauen, die man in die Schweiz habe.

Die Prognose für ein Wachstum von 2,7 Prozent im Gesamtjahr 2011 sei dank des guten Starts noch erreichbar, sagte Kalt. Stärker wackele die Prognose von 2,2 Prozent für das nächste Jahr. Vor einer Revision werde die UBS allerdings erst die BIP-Zahlen für das zweite Quartal abwarten. (sda)

Erstellt: 02.08.2011, 09:07 Uhr

Der SMI verzeichnete heute den grössten Kurssturz seit zwei Jahren: Anzeigetafel an der Schweizer Börse in Zürich. (Bild: Reuters )

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