SNB überrascht mit Sonderausschüttung

49 Milliarden Gewinn resultieren für das Jahr 2019. Wegen hoher Reserven kommt die Nationalbank nun Kantonen und Bund entgegen.

Gute Nachrichten für Bund und Kantone: Die Nationalbank macht 49 Milliarden Gewinn. SNB-Präsident Thomas Jordan. Foto: Denis Balibouse (Reuters)

Gute Nachrichten für Bund und Kantone: Die Nationalbank macht 49 Milliarden Gewinn. SNB-Präsident Thomas Jordan. Foto: Denis Balibouse (Reuters)

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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat im vergangenen Jahr einen hohen Gewinn erzielt. Unter dem Strich resultierte gemäss provisorischen Zahlen ein Plus von 49 Milliarden Franken. Die SNB stellt Bund und Kantonen zusätzliche Ausschüttungen für die Jahre 2019 und 2020 in Aussicht, die über die vereinbarten Beiträge hinausgehen.

Die rekordhohe Ausschüttungsreserve ermögliche es der Notenbank, Bund und Kantonen für die Geschäftsjahre 2019 und 2020 «in begrenztem Ausmass und nach den gewohnten Prinzipien» zusätzlich Geld zukommen zu lassen. Diese Wortwahl dürfte von der SNB wohl so getroffen worden sein, um die Erwartungen der Politik nicht ins Unermessliche steigen zu lassen. Sollte das Ergebnis in diesem Jahr nämlich stark negativ ausfallen, würde auch die Ausschüttungsreserve wieder schnell deutlich sinken.

Die SNB strebt zu diesem Zweck eine Zusatzvereinbarung mit dem Eidgenössischen Finanzdepartement (EFD) an. Diese soll die laufende Vereinbarung, die noch bis und mit Geschäftsjahr 2020 gilt, ergänzen. Für Ausschüttungen für die Geschäftsjahre 2021 bis 2025 werde dann im Verlauf von 2021 eine neue Gewinnausschüttungsvereinbarung abgeschlossen.

Fremdwährungen, Gold, Negativzinsen

Der Löwenanteil des Gewinns entfiel mit 40 Milliarden auf die Fremdwährungspositionen. Auf dem Goldbestand resultierte derweil ein Bewertungsgewinn von 6,9 Milliarden, und der Erfolg auf den Frankenpositionen (mehrheitlich Negativzinsen) belief sich auf rund 2 Milliarden Franken. Die Zuweisung an die Rückstellungen für Währungsreserven wird damit rund 5,9 Milliarden Franken betragen. Nach Berücksichtigung der vorhandenen Ausschüttungsreserve von 45 Milliarden resultiere damit ein Bilanzgewinn von rund 88 Milliarden Franken.

Lockere Geldpolitik der Notenbanken

Hintergrund des Ergebnisses im letzten Jahr war ein für die Finanzmärkte fast perfektes Umfeld. So hatte etwa die US-Notenbank Fed wegen der politischen und konjunkturellen Unsicherheiten Anfang 2019 die Geldpolitik gelockert, und die Europäische Zentralbank war ihr später gefolgt. Die Folge war ein deutlicher Rückgang der Zinsen, der sowohl die Aktien- wie auch die Anleihenmärkte beflügelte.

Die SNB dürfte gemäss einer Schätzung der UBS allein auf ihrem Aktienportfolio einen (Buch)gewinn von rund 35 Milliarden erzielt haben. Die Kursgewinne bei den Anleihen dürften der SNB weitere über 10 Milliarden in die Kassen gespült haben. Dazu kamen Couponzahlungen und Dividenden von gegen 15 Milliarden Franken. Einzig die Aufwertung des Frankens gegenüber Euro und US-Dollar dürfte das Ergebnis um rund 18 Milliarden geschmälert haben. Zusammen mit den 7 Milliarden Gewinn auf dem Goldbestand ergäben sich die genannten 49 Milliarden.

Der Gewinn ermögliche eine Dividendenzahlung von 15 Franken pro Aktie. Bund und Kantone erhalten eine Gewinnausschüttung von 1 Milliarde, teilte die SNB weiter mit. Ihnen steht zudem eine Zusatzausschüttung von 1 Milliarde Franken zu, da die Ausschüttungsreserve (nach Gewinnverwendung) den Betrag von 20 Mrd übersteigt. Der auszuschüttende Betrag von insgesamt 2 Milliarden geht zu einem Drittel an den Bund und zu zwei Dritteln an die Kantone. Nach diesen Auszahlungen wird die Ausschüttungsreserve laut den SNB-Angaben noch rund 86 Milliarden Franken betragen.

Milliarden Franken schwere Devisenreserven

Da das SNB-Ergebnis vor allem von der Entwicklung der Finanzmärkte abhängt, kam es auch nicht überraschend und wurde von Ökonomen auch auf etwa die nun erzielte Grösse geschätzt. Nach neun Monaten war der Gewinn mit 51,5 Milliarden gar noch höher gewesen, nun kam im vierten Quartal also noch ein Verlust von rund 2,5 Milliarden Franken dazu.

Dies zeigt auch, dass das Ergebnis durchaus auch einmal negativ ausfallen kann. Das letzte Jahr etwa, als die Finanzmärkte vor allem in der zweiten Jahreshälfte sich relativ schwach entwickelten, bescherte der SNB einen Verlust von fast 15 Milliarden Franken. 2017 war der Gewinn mit über 54 Milliarden Franken hingegen noch höher gewesen als 2019.

Das Ergebnis ist bekanntlich vor allem eine Folge der SNB-Geldpolitik. Um den Franken zu schwächen bzw. nicht zu stark werden zu lassen, hat die Nationalbank neben der Einführung der Negativzinsen vor allem ihre Devisenreserven in den vergangenen Jahren stark erhöht und damit Anleihen und Aktien in verschiedenen Währungen gekauft. Aktuell belaufen sich die Devisenanlagen in Form vor allem von Aktien und Anleihen der SNB auf umgerechnet rund 770 Milliarden Franken. Den definitiven Jahresabschluss will die Notenbank am 2. März veröffentlichen. (ij/SDA/Reuters)

Erstellt: 09.01.2020, 07:04 Uhr

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