Schweiz mit Abstand reichstes Land der Welt

Betreffend Geldvermögen sind die Schweizer einsame Spitzenreiter, wie eine neue Länderstatistik zeigt. Der Reichtum der Eidgenossen fusst vor allem auf zwei Faktoren und ist äusserst ungleich verteilt.

Die Schweizer sind die Reichsten.


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Die weltweit privat angelegten Vermögen haben im Jahr 2010 einen neuen Höchststand erklommen und den bisherigen Rekord von 2007 übertroffen. Nach dem Weltreichtumsreport, den die Allianz in Frankfurt am Main vorlegte, wuchsen die globalen Brutto-Geldvermögen um 6,2 Prozent auf 95,3 Billionen Euro.

Trotz des starken Wachstums im Jahr 2010 sei die Vermögensentwicklung in den vergangenen zehn Jahren mit einem durchschnittlichen Zuwachs um 3,2 Prozent pro Kopf und Jahr eher enttäuschend, gemessen am weltweiten Wirtschaftswachstum und der Inflationsentwicklung, sagte Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. «Die Sparer mussten den wiederkehrenden Finanzkrisen Tribut zollen.»

USA auf Platz zwei der Rangliste

Die Schweiz ist nach wie vor das reichste Land der Welt. Durchschnittlich hatte jede Einwohnerin und jeder Einwohner rund 250'000 Franken auf der hohen Kante. Dies sind 19 Prozent mehr als im Jahr zuvor - allerdings vor allem wegen des starken Frankens.

Umgerechnet betrug das durchschnittliche Schweizer Vermögen 2010 gut 207'000 Euro. Knapp 112'000 Euro hatten die US-Bürger gespart. Das ist wenig mehr als die Hälfte, dennoch landen die USA auf Platz zwei der Rangliste. In den Vereinigten Staaten liegen die Vermögen noch immer 8,4 Prozent unter dem Niveau vor der Finanzkrise.

Ungleiche Verteilung

Vom Reichtum in der Schweiz profitieren fast alle ein bisschen. Nur ein Zehntel der Bevölkerung hatte 2010 gar kein oder nur ein kleines Vermögen. In Griechenland sind es inzwischen etwa 40 Prozent.

Was der Allianz-Bericht jedoch nicht sagt: Der Reichtum in der Schweiz ist extrem ungleich verteilt. Gemäss einer Studie der Grossbank Credit Suisse besitzt ein Prozent der Bevölkerung mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens. Noch ungleicher ist der Reichtum nur in Singapur verteilt.

Trotzdem ist der Durchschnitts-Schweizer wesentlich reicher als der Durchschnitts-Weltbürger. Diese Schere schliesst sich aber zusehends: In Euro wuchs das Pro-Kopf-Vermögen in der Schweiz letztes Jahr um 1,4 Prozent. In Westeuropa lag das durchschnittliche Wachstum bei 3,1 Prozent.

Haushalte in 50 Ländern untersucht

In der Rangliste der reichsten Länder folgen Japan, Dänemark und die Niederlanden, wie die zweite Ausgabe des «Global Wealth Reports» der Allianz zeigt. Die Studie analysiert die Vermögens- und Schuldenlage der privaten Haushalte in 50 Ländern. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Ausnahmestellung der Schweiz auch mit der starken Kapitaldeckung im Rentensystem zusammenhängt.

Deutschland liegt überraschend etwas abgeschlagen auf dem 17. Rang. Der Rückstand Deutschlands erklärt sich nach den Worten von Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise vor allem dadurch, dass das staatliche Rentensystem private Altersvorsorge durch Kapitalanlage weniger nötig erscheinen lässt als in anderen Ländern.

Aufstrebende Staaten

Aufstrebenden Volkswirtschaften in Asien, Lateinamerika und Osteuropa verzeichnen dagegen zweistellige Zuwachsraten. In den ärmsten Ländern sind die Pro-Kopf-Geldvermögen gemäss der Allianz- Studie seit der Finanzkrise um mehr als 50 Prozent gestiegen.

Insgesamt sind die Sparer rund um den Globus so reich wie nie zuvor. Das weltweite Vermögen kletterte in den untersuchten 50 Ländern um 6,2 Prozent auf 95'264 Milliarden Euro. Dies ist mehr als im bisherigen Rekordjahr 2007. Nur in den Industrieländern sind die Vermögen noch nicht wieder auf das Niveau von vor der Krise geklettert.

Gesunkene Verschuldung

Als positiv werten es die Autoren der Studie, dass die «Verschuldungsdynamik weltweit gestoppt» sei. Dank der gesunkenen Verschuldung der privaten Haushalte stieg das Netto-Geldvermögen pro Kopf im vergangenen Jahr um 7,8 Prozent.

Die Finanzmarktkrise hat viele Anleger offenbar stärker an Aktien und anderen Wertpapieren zweifeln lassen, wie die Allianz-Studie ergibt. In der Gunst der Anleger stiegen dagegen sichere, wenn auch renditeschwache Bankeinlagen. Ihr Anteil am globalen Anlagevermögen kletterte von 28 Prozent im Jahr 2000 auf 32 Prozent in 2010. Wertpapiere verloren von 40 Prozent auf 35 Prozent. Versicherungen und Pensionen legten leicht von 29 Prozent auf 31 Prozent zu. (mrs/sda)

Erstellt: 14.09.2011, 13:13 Uhr

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