Schweiz spannt bei Berufsbildung mit den USA zusammen

Die Schweiz und die USA wollen ein Abkommen zur Zusammenarbeit in der Berufsbildung unterzeichnen. Das duale Bildungssystem findet in den USA offenbar Anklang.

Schweizer Firmen mit Tochtergesellschaften in den USA könnten eine Brückenfunktion einnehmen: Bundesrat Johann Schneider-Ammann. (9. Oktober 2014)

Schweizer Firmen mit Tochtergesellschaften in den USA könnten eine Brückenfunktion einnehmen: Bundesrat Johann Schneider-Ammann. (9. Oktober 2014) Bild: Samuel Golay/Keystone

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Die Schweiz und die USA wollen in den nächsten Monaten ein Abkommen zur Zusammenarbeit in der Berufsbildung unterzeichnen. Das gab Bundesrat Johann Schneider-Ammannin Washington bekannt. Der Wirtschafts- und Bildungsminister traf sich am Rande der Jahrestagung der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington dieses Wochenende mit dem amerikanischen Arbeitsminister Tom Perez.

Schneider-Ammann und Perez waren sich einig, dass eine hohe Beteiligung am Arbeitsmarkt, insbesondere von Jugendlichen, von grosser Bedeutung für den Wohlstand und den sozialen Zusammenhalt eines Landes ist. Das duale Berufsbildungssystem der Schweiz sei besonders geeignet, um Jugendliche in den Arbeitsmarkt zu führen und Berufsmöglichkeiten aufzuzeigen. Die USA haben am Internationalen Berufsbildungskongress in Winterthur im September grosses Interesse am Schweizerischen System gezeigt.

Die beiden Länder streben nun ein Abkommen über die bilaterale Zusammenarbeit im Bereich Berufsbildung an. Das sogenannte Memorandum of Understanding soll in den nächsten Monaten zustande kommen.

Brückenfunktion für Schweizer Firmen

Schneider-Ammann betonte die Bedeutung, die dabei der Privatwirtschaft zukommen soll. Einzelne Schweizer Firmen mit Tochtergesellschaften in den USA haben bereits Berufsbildungsformen erfolgreich in den USA aufgebaut. Diese könnten laut dem Wirtschaftsminister eine Brückenfunktion einnehmen.

Am bilateralen Treffen zwischen dem Bundesrat mit Nigel Twose, dem Weltbank-Direktor für Arbeit, wurden die Anstrengungen zur Schaffung von Arbeitsplätzen besprochen. Schneider-Ammann sagte, es genüge nicht, wenn Politiker und Vertreter der Verwaltung das Thema aufnähmen. Die Privatwirtschaft müsse miteinbezogen werden. Er wies darauf hin, dass mit dem Weltwirtschaftsforum WEF in Davos eine geeignete Plattform für solche Gespräche bestehe.

Beim Treffen mit dem französischer Finanzminister Michel Sapin setzte sich Schneider-Ammann dafür ein, dass möglichst rasch eine Lösung im Streit um die Besteuerung am Flughafen Basel-Mulhouse gefunden wird. Der französische Minister versprach, die Gespräche zu beschleunigen.

Widmer-Schlumpf plädiert für Investitionen in Infrastruktur

Infrastruktur-Projekte müssen attraktiver für Investoren aus dem privaten Sektor gemacht werden. Dies forderte Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf an der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank in Washington. «Investitionen in die Infrastruktur können ein wichtiges Instrument zur Förderung des Wirtschaftswachstums sein», sagte die Finanzministerin vor dem IWF-Ausschuss.

Die Schweiz halte es für wichtig, nicht nur öffentliche Ausgaben für Infrastruktur zu tätigen, sondern auch die Privatwirtschaft dafür zu gewinnen. «Der Privatsektor spielt eine wichtige Rolle bei der Bereitstellung langfristiger Finanzierung», sagte Widmer-Schlumpf.

Strukturschwächen beheben

Daher sei es wichtig, strukturelle Schwächen zu beheben, die private Investoren abschreckten - Risiken der unverantvortungsvollen Regierungsführung, unzureichende Transparenz der Projektpläne und mangelnde Normen für Anlageinstrumente für langfristige Investitionen.

Die Chefin des IWF, Christine Lagarde, hatte Staaten mit schwächelnder Wirtschaft dazu aufgerufen, mehr in die Infrastruktur zu investieren. Solche Investitionen würden helfen, die Konjunktur in Schwung zu bringen und auch zu halten.

Widmer-Schlumpf mahnte jedoch zur Vorsicht bei Investitionen in die Infrastruktur in Ländern mit bereits hoher Verschuldung. Investitionseffizienz sei der Schlüssel, um zu gewährleisten, dass neue Infrastruktur zu grösserem Wirtschaftswachstum beitrage.

Betrüblicher Ausblick

Den diese Woche veröffentlichen IWF-Ausblick auf die Weltwirtschaft bezeichnete Widmer-Schlumpf als «eine weitere betrübliche Einschätzung der Erholungsbemühungen von der Finanzkrise». Sie warnte zudem vor zunehmenden geopolitischen Risiken. Es gebe bereits Anzeichen dafür, dass die geopolitische Lage das Vertrauen von Unternehmen und Konsumenten in die Euro-Zone schwäche.

Auch steigen laut der Finanzministerin die Risiken für die Stabilität des Finanzmarktes bei längerer Lockerung der Geldpolitik. «Geld- und Fiskalpolitik sind kein Ersatz für die Umsetzung weitreichender Strukturreformen», sagte Widmer-Schlumpf. Die Reduzierung der öffentlichen Schuldenquoten auf ein sicheres Niveau sei entscheidend, um eine angemessene Pufferpolitik aufzubauen. Eine der Lehren aus der Krise sei, dass schwache Puffer negative Auswirkungen in verschiedenen Sektoren der Wirtschaft verschärfen könnten.

Eine wichtige Priorität bleibe die angemessene Kapitalausstattung der Banken, um die Belastbarkeit des Finanzsystems zu stärken. Das «Too Big To Fail«-Problem sei noch lange nicht gelöst, sagte Widmer-Schlumpf.

Stimmrechtsreform

Die Finanzministerin pochte auch auf die Umsetzung der Stimmrechtsreform des IWF. Eine Reform des Fonds zu Gunsten von Staaten mit aufstrebender Wirtschaft wurde 2010 beschlossen, von den USA aber noch nicht ratifiziert.

Im Zuge der Reform kommt es auch zu Veränderungen in der Stimmrechtsgruppe der Schweiz. Eine Vereinbarung der Schweiz mit Polen sieht vor, dass sich die beiden Länder den Sitz in einer Rotation teilen.

Nach Ablauf der Amtszeit des gegenwärtigen Exekutivdirektors Daniel Heller soll der Posten 2016 erstmals von Polen, dem wirtschaftlich wichtigsten Mitglied der Stimmrechtsgruppe, übernommen werden. An dieser Vereinbarung plant die Schweiz auch festzuhalten, wenn die Reform bis dann noch nicht implementiert ist. (thu/sda)

Erstellt: 12.10.2014, 00:12 Uhr

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