Schweizer Wirtschaft erholt sich weiter

Das Seco geht für 2016 von einem BIP-Wachstum von 1,5 Prozent aus. Allerdings wirkt der Frankenschock noch nach.

Die Experten gehen davon aus, dass sich die Inlandnachfrage sowie der Aussenhandel positiv entwickeln: Ein Angestellter des Uhrenherstellers Tag Heuer in La Chaux-de-Fonds. (Archivbild)

Die Experten gehen davon aus, dass sich die Inlandnachfrage sowie der Aussenhandel positiv entwickeln: Ein Angestellter des Uhrenherstellers Tag Heuer in La Chaux-de-Fonds. (Archivbild) Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone

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Die Schweizer Wirtschaft nimmt Tempo auf. Während das Bruttoinlandprodukt (BIP) im laufenden Jahr 1,5 Prozent wachsen dürfte, sollten es im neuen Jahr 1,8 Prozent sein und 2018 1,9 Prozent. Entsprechend sinkt die Arbeitslosenquote bis dahin von 3,3 auf 3,1 Prozent.

Diese freundlichen Aussichten ermittelte die Expertengruppe des Bundes in ihrer Winterprognose, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft mitteilte. Mit den 1,5 Prozent Wachstum im laufenden Jahr behielt der Bund seine bisherige Prognose bei, obwohl das Wachstum im dritten Quartal überraschenderweise praktisch zum Stillstand kam.

Das passierte nach vier deutlich positiven Quartalen. Der Bremser kam, weil insbesondere das Wachstum bei fast allen binnenorientierten Sektoren schwach ausfiel. Das stellt den Wachstumskurs indessen nicht in Frage.

Erholungskurs im Euroraum

Die internationale Konjunktur zeigte über das Jahr hinweg ein moderates Wachstum. In den USA legte das BIP im dritten Quartal nach einem enttäuschenden ersten Halbjahr um 0,8 Prozent zu. Im Euroraum ging der Erholungskurs mit einem Plus von 0,3 Prozent weiter, gestützt vom privaten und staatlichen Konsum. Das dürfte angesichts der Geldschwemme der Europäischen Zentralbank anhalten.

Auch in Japan stützt die expansive Geld- und Steuerpolitik in den kommenden beiden Jahren den Aufschwung. In China dämpfte das Wachstum von 6,7 Prozent in den ersten neun Monaten Ängste vor einer harten Landung. Russland dürfte die Talfahrt beenden, während Brasilien in der Rezession stecken bleibt.

Privatkonsum erholt sich

In der Schweiz deuten die Indikatoren im vierten Quartal auf eine Beschleunigung hin. Zwar liegt der Indikator für die Konsumentenstimmung unter dem langjährigen Mittel, doch die Erwartungen der Konsumenten haben sich aufgehellt. Die Inlandnachfrage dürfte sich als Stütze erweisen.

Der Privatkonsum blieb 2016 unter den Erwartungen, sollte sich aber festigen dank der moderaten Reallohnentwicklung und der sinkenden Arbeitslosigkeit. Auch das Bevölkerungswachstum stützt den Konsum.

Die Bauinvestitionen sollten dank dem Zinsumfeld und Projekten im Tiefbau Fahrt aufnehmen. Schliesslich sehen die Seco-Experten auch bei den Ausrüstungsinvestitionen ein moderates Wachstum.

Vom Aussenhandel erwarten die Ökonomen 2016 einen historisch deutlich überdurchschnittlichen Beitrag zum BIP-Wachstum. Dazu tragen besonders Chemie- und Pharmaexporte bei. In den kommenden Jahren gehen sie indessen von einer Normalisierung aus.

Gleichzeitig dürften die anderen Exportbranchen wie der Tourismus und die Maschinen- und Metallindustrie wieder mehr ausführen. Die Exportaussichten seien damit zwar uneinheitlich, aber freundlicher, schlussfolgern die Experten.

3,1 Prozent Arbeitslose 2018

Im Arbeitsmarkt sind die Folgen der jahrelangen Konjunkturabschwächung noch nicht ausgestanden. Die Beschäftigung wuchs schwach und die Arbeitslosigkeit blieb relativ hoch. 2016 soll die Beschäftigung um 0,1 Prozent wachsen und die Arbeitslosenquote bei 3,3 Prozent liegen. Die Trendwende sehen die Experten aber eingeläutet.

Das Beschäftigungswachstum soll 2017 auf 0,4 Prozent steigen und 2018 auf 0,6 Prozent. Entsprechend sinkt der Anteil an Arbeitslosen auf 3,2 Prozent im Jahresmittel 2017 und auf 3,1 Prozent 2018.

Bei der Teuerung dürfte sich bis 2018 die bereits einsetzende Normalisierung vollenden. 2016 rechnet der Bund noch mit einer Verbilligung von 0,4 Prozent. 2017 sollte das Leben dann gleich teuer bleiben. 2018 sollte eine moderate Teuerung von 0,2 Prozent einsetzen.

Risiken in der EU und den USA

Die grössten Konjunkturrisiken sehen die Bundesexperten in der gestiegenen politischen Unsicherheit. Nicht nur der Brexit-Entscheid vom Sommer sondern auch die Ablehnung des Referendums in Italien können als mögliche destabilisierende Faktoren für die EU gelesen werden, schreiben sie. Zudem stehen 2017 in Deutschland und Frankreich Wahlen an.

Die internationalen Finanzmärkte entwickelten sich bisher zwar ruhig. Sollte es aber etwa wegen der kriselnden italienischen Banken oder dem EU-Austritt der Briten zu Verwerfungen kommen, wäre eine Abschwächung der europäischen Konjunktur und eine erneute Frankenaufwertung mit entsprechenden Folgen für die Schweizer Realwirtschaft zu befürchten.

Nicht zuletzt herrscht nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten grosse Unsicherheit über die künftige Ausrichtung der US-Wirtschafts- und Handelspolitik. Protektoristische Tendenzen könnten die schwache Entwicklung des Welthandels weiter drücken und damit auch die Exportaussichten der Schweiz beeinträchtigen. (ij/sda)

Erstellt: 15.12.2016, 08:11 Uhr

KOF senkt Prognose

Nach Ansicht der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) dürfte das Bruttoinlandprodukt (BIP) im nächsten Jahr noch um 1,6 Prozent zulegen. Bislang war die KOF von einem Plus von 1,8 Prozent ausgegangen. Auch für dieses Jahr rechnet die KOF mit einem etwas schwächeren Wirtschaftswachstum von noch 1,4 Prozent, wie sie am Donnerstag in einem Communiqué bekannt gab. Vor drei Monaten hatten die Konjunkturauguren noch ein Wachstum von 1,6 Prozent vorhergesagt. Für 2018 hält die KOF an ihrer BIP-Prognose von 1,9 Prozent fest.

Angesichts des schwierigen Umfelds für die Schweizer Industrie erwartet das Forschungsinstitut eine eher flache Entwicklung der Warenexporte in den kommenden Quartalen. Konkret rechnet die KOF noch mit einem Exportwachstum von 1,7 Prozent, nachdem sie zuvor ein Plus von 2,1 Prozent prognostiziert hatte. (sda)

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