Analyse

Sechs Lektionen aus der Finanzkrise

Die Börsen boomen und die Anzeichen, dass sich die Wirtschaft erholt, mehren sich. Zeit, die Lehren aus der schwersten Rezession der Nachkriegszeit zu ziehen.

Grösser ist nicht besser: Eine der Lehren aus der Finanzkrise.

Grösser ist nicht besser: Eine der Lehren aus der Finanzkrise. Bild: Kap/Cagle.com

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Die Aktienkurse steigen als gäbe es kein Morgen. Aus den USA werden täglich bessere Wirtschaftsdaten gemeldet, selbst in Europa scheint das Schlimmste überwunden zu sein. Allen Unkenrufen zum Trotz haben vor allem die Zentralbanker alles richtig gemacht: Ben Bernanke, Mario Draghi und Co. haben die Geldschleusen geöffnet und damit eine Grosse Depression verhindert. Sie haben dabei zu bisher nicht gekannten Instrumenten wie dem Quantitativen Easing gegriffen und die Grenzen ihrer Kompetenzen gestreift, wenn nicht überschritten.

Aber «nothing succeeds like success», wie die Amerikaner sagen. Der Erfolg gibt ihnen recht. Die viel beschworenen Hyperinflation der Notenbank-Kritiker ist nicht eingetreten, und wer ihnen geglaubt und sein Geld in Gold investiert hat, ist deutlich ärmer geworden. Der Goldpreis ist dieses Jahr rund 30n Prozent gefallen.

Nichts ist unmöglich

Nach einem missglückten Start im Frühsommer scheint auch der Ausstieg aus der Politik des lockeren Geldes nun zu funktionieren. Die ersten Andeutungen eines Taperings haben damals noch zu grossen Turbulenzen auf den Finanzmärkten und zu heftigen Bauchschmerzen bei Finanzministern der Schwellenländer geführt. Der zweite Anlauf ist geglückt. Die Investoren haben den nun das Tapering anstandslos geschluckt und vertrauen darauf, dass auch Bernankes Nachfolgerin Janet Yellen die Zinsen noch bis mindestens 2015 tief halten wird.

Dass eine vernünftige Geldpolitik einen Absturz der Wirtschaft tatsächlich mildern kann, ist nicht die einzige Lektion. Nach mehr als fünf Jahren Finanzkrise zeigt sich, dass einige Dinge, die man bisher als selbstverständlich betrachtet hat, dies nicht sind – und umgekehrt andere Dinge, die man für unmöglich hielt, möglich sind. Gillian Tett hat einige davon in der «Financial Times» aufgelistet:

Erstens: Grösser ist nicht besser und vor allem nicht sicherer. Gerade Grossbanken wie Citigroup oder UBS sind ins Schleudern geraten. Skalenökonomie scheint in der Finanzindustrie oft eine Illusion zu sein.

Zweitens: Das Finanzsystem findet nicht automatisch zu seinem Gleichgewicht zurück. Ohne Eingriffe von Notenbanken und Staat kann es gar selbst zerstörerisch werden.

Drittens: Wir haben gelernt, dass der Steuerzahler zu Kasse gebeten wird, wenn Banker sich verzockt haben.

Viertens: Hebel wirken und sind gefährlich. Banken mit einem dünnen Eigenkapitalpolster geraten bei Gegenwind sofort in Turbulenzen.

Fünftens: Blasen gibt es nicht nur im Schaumbad, und es ist keine gute Idee zu glauben, man sollte warten, bis sie platzen und danach aufräumen. Künftig werden die Notenbanken versuchen, Blasen aktiv zu bekämpfen, bevor sie entstehen.

Sechstens: Staatliche Eingriffe in die Finanzmärkte sind nicht mehr tabu. Selbst rechte Politiker fordern heute mehr und schärfere Kontrollen für die Banken. Siehe SVP, die in der Schweiz in dieser Frage gemeinsame Sache mit der SP macht.

Erstellt: 28.12.2013, 13:25 Uhr

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