So platzt eine Immobilienblase

Eine Immobilienkrise kann auf verschiedene Weise ausbrechen. UBS-Ökonom Thomas Veraguth unterscheidet «kalte» und «warme» Szenarien. Die erste Variante erleben im Moment die Niederlande.

In den Niederlanden haben die Banken den Crash des Häusermarktes verschärft: Ein gesunkenes Hausboot auf dem Zwanenburgwal-Kanal in Amsterdam. (6. Februar 2012)

In den Niederlanden haben die Banken den Crash des Häusermarktes verschärft: Ein gesunkenes Hausboot auf dem Zwanenburgwal-Kanal in Amsterdam. (6. Februar 2012) Bild: Reuters

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In den Niederlanden haben die Banken in den Jahren vor dem Abrutschen in die Finanzkrise nach 2007 zu unbesorgt Hypotheken vergeben: «Es wurde gesündigt», erklärt Ökonom Thomas Veraguth bei der Diskussion der neusten UBS-Immobilienstudie heute Mittwoch in Zürich.

Weil dadurch die Risiken angestiegen sind, schützen die Banken ihre Bilanzen damit, indem sie die Kreditvergabe restriktiver gestalten. In diesem «kalten» Szenario sind es die Banken, welche die Krise am Häuser- und Wohnungsmarkt verschärfen. Die Zinsen und die Inflation spielen dabei gar keine direkte Rolle.

Überhitzen und abstürzen

Das «warme» Szenario dagegen ist jenes, von dem in der Schweiz immer wieder gesprochen wird: Eine fieberhafte Preisentwicklung und eine Erwartung immer höherer Renditen lässt den Markt schliesslich überhitzen und abstürzen. Die tiefen Zinsen und eine möglicherweise unbedachte Hypothekenvergabe der Banken verschärfen das Problem.

Die Schweiz hat ein solches Szenario in den 90er Jahren durchlitten. Die Beschleunigungsphase dauert laut Experte Daniel Kalt etwa drei Jahre und ist geprägt von einer grossen Euphorie und einem unbändigen Optimismus der Akteure. «In der absoluten Euphorie sind wir heute aber nicht», sagte der UBS-Wirtschaftsfachmann.

Festhypotheken schützen nicht

Die Blase würde beispielsweise dann Platzen, wenn die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Zinsen anhebt. Im Moment wird sie dies nach Einschätzung der Experten nicht tun, weil das Interesse der Währungshüter, den Franken-Euro-Kurs stabil zu halten, grösser ist. Laut Experte Kalt wäre es aber besser gewesen, die SNB hätte schon früher mit einer Anhebung der Zinsen begonnen.

Festhypotheken, wie sie heute verbreiteter sind als in den 90er Jahren, helfen nicht gegen die Krise. Wegen der definierten Laufzeiten verzögere sich eine teurere Refinanzierung mit höheren Zinsen lediglich, sagte Kalt: «Das wäre dann der Schlag aufs Portemonnaie.» (rub/sda)

Erstellt: 23.01.2013, 16:28 Uhr

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UBS Immobilienstudie

UBS Immobilienstudie Immobilienmarkt Schweiz 2013: Die Grossbank UBS hat neue Zahlen zum Schweizer Immobilienmarkt präsentiert.

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