Soja- und Maispreise sind massiv gestiegen

Finanzspekulanten, Dürre, Erntetrückgänge und eine wachsende Nachfrage: Wegen einer Kombination dieser Faktoren schnellen die Lebensmittelpreise zurzeit besorgniserregend in die Höhe.

Sojabohnen sind so teuer wie seit vier Jahren nicht mehr: Traktoren auf einem Sojabohnen-Feld in Brasilien, dem weltweit zweitgrössten Produzenten.

Sojabohnen sind so teuer wie seit vier Jahren nicht mehr: Traktoren auf einem Sojabohnen-Feld in Brasilien, dem weltweit zweitgrössten Produzenten. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Steigende Preise für Agrarrohstoffe lassen neue Ängste vor einer Nahrungsmittelkrise aufkommen: Vor allem Soja und Mais haben sich zuletzt deutlich verteuert. Experten machen die steigende Nachfrage in China und eine fallende globale Produktion wegen Dürre und Ernterückgängen in Lateinamerika verantwortlich. Doch auch Finanzspekulanten dürften ihre Finger im Spiel haben. Händler erwarten, dass der Preisauftrieb anhält.

Sojabohnen kosteten in der vergangenen Woche soviel wie seit vier Jahren nicht mehr. Am Freitag durchbrach der Preis sogar die Marke von 15 US-Dollar pro Scheffel (gut 27 Kilogramm).

Verheerende Folgen

Einem Bericht der «Financial Times» von heute zufolge rechnen Rohstoffhändler mit weiteren Anstiegen. Die Experten erwarten sogar, dass die Höchststände aus dem Sommer 2008 erreicht werden. Damals war der Preis bis auf 16,63 Dollar gestiegen.

Eine Preisexplosion bei Soja könnte jedoch verheerende Folgen für die weltweite Nahrungsmittelversorgung haben: Die Nutzpflanze findet breite Verwendung als Tierfutter in der Agrarwirtschaft und wird unter anderem als Salat- und Kochöl sowie Brat- und Backfett benutzt.

Hunger droht

«Hohe Nahrungsmittelpreise sind besonders für arme Länder problematisch, die einen Grossteil ihrer Nahrungsmittel importieren, wie die grosse Mehrheit der afrikanischen Staaten», erklärt Ralf Südhoff, Deutschland-Chef des UN World Food Programme (WFP).

Wenn sich die Kosten für Importe erhöhten, werde es für diese Länder schwieriger, ihre Bevölkerung zu ernähren. «Viele Haushalte in Entwicklungsländern geben ohnehin 60 bis 80 Prozent ihres Einkommens für Nahrungsmittel aus – steigende Preise haben deshalb dramatische Konsequenzen.»

Massiver Geldfluss in Agrarrohstoffe

Thilo Bode, Chef der Konsumentenschutzorganisation Foodwatch, macht Spekulanten an den Finanzmärkten mitverantwortlich für die Entwicklung: «In den vergangenen Jahren ist massiv Geld in Agrarrohstoffe geflossen», sagte Bode im «Handelsblatt» von heute.

Seit dem Jahr 2000, als die Politik die Rohstoffterminbörsen für Investoren geöffnet hat, habe sich das Kapital am Terminmarkt von 15 Milliarden auf 600 Milliarden Dollar erhöht. «Das hat zu Preisblasen und phasenweise höheren Lebensmittelpreisen geführt.»

Auch der Maispreis hat zuletzt rasant zugelegt: Am Freitag stiegen die Notierungen an der weltgrössten Terminbörse CBOT in Chicago um fast fünf Prozent, nachdem das US-Landwirtschaftsministerium mit 1,56 Millionen Tonnen den grössten Verkauf von US-Mais an einem einzigen Tag seit 1991 bestätigt hatte. (rbi/sda)

Erstellt: 30.04.2012, 23:41 Uhr

Artikel zum Thema

Lebensmittelpreise auf dem Weltmarkt im November gesunken

Lebensmittel Mailand Lebensmittel auf dem Weltmarkt sind im November etwas billiger geworden als im Vormonat. Mehr...

Eine Milliarde hungert

Analyse Es gebe keine globale Nahrungsmittelkrise, besagt eine Studie. Für die gegenwärtige Hungerkatastrophe identifiziert sie vier Gründe – und eine mögliche Lösung. Mehr...

Flugzeuge sollen 14 Tonnen Nahrungsmittel nach Afrika bringen

Spätestens ab morgen Mittwoch soll die Luftbrücke in der Krisenregion am Horn von Afrika stehen. In der Zwischenzeit strömen tausende Menschen in die Hilfslager in Kenia und Äthiopien. Mehr...

Paid Post

Wie kommt der Zucker aus der Rübe?

Zuckerrüben sind von Natur aus süss. Doch wie entsteht Schweizer Zucker aus und mit Schweizer Wurzeln?

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Die grosse Vorbereitung: Eine Woche vor Beginn des eidgenössischen Schwing- und Älplerfests in Zug wird ein Schwingplatz mit Sägemehl ausgelegt. (16. August 2019)
(Bild: Alexandra Wey) Mehr...