Steuerabkommen zwingen die Banken zu weiterem Stellenabbau

Die verwalteten Vermögen und die Erträge im Westeuropageschäft würden rapid sinken, sagt eine Studie.

Bislang gut besetzt: Die Büros der Credit Suisse im Uetlihof Zürich.

Bislang gut besetzt: Die Büros der Credit Suisse im Uetlihof Zürich. Bild: Doris Fanconi

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Die guten Nachrichten zuerst. Das Privatvermögen hat im letzten Jahr weltweit um 1,9 Prozent auf 122,8 Billionen Dollar zugenommen. Und es wird weiter wachsen: bis 2016 um jährlich 4 bis 5 Prozent, schätzt das Beratungsunternehmen Boston Consulting Group (BCG).

Die schlechte Nachricht: Ob die Schweizer Banken von den neuen Reichen und Superreichen – vor allem im asiatisch-pazifischen Raum, in Lateinamerika, in Nahost und Afrika sowie in Osteuropa – profitieren werden, ist alles andere als gesichert. Dies geht aus einem Zusatzbericht zum «Global Wealth Report» hervor, den BCG regelmässig veröffentlicht. In diesem Jahr wurde er um eine Studie zum Schweizer Finanzplatz mit dem sinnigen Titel «Wake-up or Break-up» ergänzt – das könnte man auch mit «erwacht, oder ihr werdet vernichtet» übersetzen.

Milliarden gehen verloren

Noch ist die Schweiz der weltweit grösste Finanzplatz für Vermögen von Kunden, die nicht in der Schweiz wohnen (Offshorevermögen). Mit 44 Prozent den weitaus grössten Anteil an den auf 2000 Milliarden Franken geschätzten Offshorevermögen machen Gelder aus Westeuropa aus. Und derzeit fliesst hier viel Geld ab, wie die jüngsten Bankabschlüsse gezeigt haben. Laut Boston Consulting dürften die Abflüsse bis 2014 248 Milliarden Franken oder 28 Prozent ausmachen. Entsprechend schrumpfen die Erträge. BCG errechnet ein Minus von 4,8 Milliarden, was fast einer Halbierung der mit westeuropäischen Kunden generierten Erträge entspricht.

Obwohl Matthias Naumann, Chef BCG Schweiz, bei der Präsentation des Berichts alle Fragen der Medienvertreter nach der Höhe des in der Schweiz geparkten Schwarzgeldes konsequent abblockte, lässt sein Bericht keinen Zweifel offen: Der Hauptgrund für den Rückgang ausländischer Gelder sind die diversen Steuerabkommen.

Mehr als 15'000 Stellen streichen

Gleichzeitig verschlechtert sich die Profitabilität des Vermögensverwaltungsgeschäfts insgesamt. Seit 2007 sinken die Erträge kontinuierlich, während die Kosten, etwa im IT-Bereich, bei der Einhaltung der steuerlichen oder den rechtlichen Vorschriften stark zunehmen. Das Aufwand-Ertrags-Verhältnis hat sich in diesem Zeitraum von 63 auf 79 Prozent im letzten Jahr verschlechtert und dürfte laut BCG auf 80 Prozent steigen. Entsprechend erodieren die Gewinnmargen. Bei den von BCG untersuchten Banken ist sie von stolzen 40 Prozent 2007 auf 21 Prozent im letzten Jahr geschrumpft und dürfte laut Schätzung auf 18 Prozent fallen.

Die Konsequenzen sind laut BCG klar: Wenn die Schweizer Banken nur schon die Ertragsverluste im Europageschäft kompensieren wollen, müssen sie bis 2014 die Kosten um 3,9 Milliarden Franken reduzieren. Das entspreche dem Abbau von 15'500 Vollzeitstellen, verdeutlicht Naumann.

Sparen allein bringt nichts

Die Hoffnung, dass das erwartete Loch statt mit Einsparungen mit neuen Ertragsquellen in den aufstrebenden Schwellenländern gestopft werden könnte, wäre laut BCG-Studie trügerisch. Die durchschnittliche Gewinnmarge (vor Steuern) ist seit 2010 für alle Banken, also nicht nur für die schweizerischen, auf den meisten Märkten unter Druck geraten.

Mit durchschnittlich 15 Prozent besonders tief sind sie ausgerechnet auf dem asiatisch-pazifischen Wachstumsmarkt. Die durchschnittliche Aufwand-Ertrags-Relation liegt mit knapp 80 Prozent sogar höher als im Offshoremarkt Schweiz oder auf dem südamerikanischen Markt. «Niemand verdient Geld in Asien», meint Naumann. Das Beratungsunternehmen empfiehlt den Schweizer Banken, das bis anhin gepflegte Vermögensverwaltungsmodell gründlich umzubauen. Das Rezept dazu heisst: «Die individualisierte Leistung muss industrialisiert werden.»

Das sieht offenbar auch die Konkurrenz so: Eine ebenfalls gestern erschienene Kosteneffizienzstudie von Ernst & Young, die auf Befragungen von Schweizer Banken und Versicherungen beruht, legt der Branche «Vereinfachung, Standardisierung und Industrialisierung» nahe. Interessantes Detail aus der Studie: Sparen allein bringt es nicht. Nur gerade 30 Prozent der Sparbemühungen zeigen auch nach drei Jahren noch eine Wirkung, der Rest ist zwischen Einführung und Umsetzung verpufft. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.06.2012, 07:08 Uhr

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