Subprime ist zurück – Autokredite werden neu verpackt

In den USA feiern riskante Finanzinstrumente wie Schuldverschreibungen ein Comeback.

Autokredite im Umfang von 62 Milliarden Dollar sind in den USA stark ausfallgefährdet: Neuwagen beim Händler in Los Angeles. Foto: Bloomberg

Autokredite im Umfang von 62 Milliarden Dollar sind in den USA stark ausfallgefährdet: Neuwagen beim Händler in Los Angeles. Foto: Bloomberg

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In den USA werden wieder Ramsch- und Schrottpapiere angeboten. Diesmal geht es nicht um minderwertige Hypothekarkredite wie zu Zeiten der Finanzkrise. Stattdessen boomen Autokredite auf dem Markt für Asset Backed Securities. Das sind Finanzinstrumente, die mit Autokrediten unterlegt sind.

Renditehungrige Investoren stehen Schlange. Sie scheren sich kaum um Risiken, sondern verweisen auf gute US-Konjunkturdaten, niedrige Arbeitslosigkeit und geringere Verschuldung der Konsumenten. Solche auch Subprime genannten Papiere werden trotz steigender Risiken gekauft, bestätigt Jennifer Thomas, Analystin bei der Investmentfirma Loomis Sayles in Boston. Sie schätzt das Volumen auf 29 Milliarden Dollar und erwartet für dieses Jahr einen Rekordwert.

Gleichwohl wächst die Sorge, dass sich zahlreiche Haushalte finanziell übernehmen. Daten der Federal Reserve Bank of New York (Fed) zeigen, dass die Zahl der nicht bedienten Autokredite steigt, besonders in der sogenannten «Serious delinquent»-Kategorie, die Zahlungsverspätungen und Ausfälle von 90 Tagen oder mehr anzeigt. Der gesamte Automobilkreditmarkt in den USA hat ein Volumen von 1,3 Billionen Dollar, davon sind rund 62 Milliarden Dollar oder 4,8 Prozent stark ausfallgefährdet. Das ähnelt dem Niveau während der Finanzkrise. In einer Studie verweist die Fed auf eine Konzentration der Risiken.

Der «Leveraged loan»-Sektor sei für makroökonomische Schocks anfälliger geworden. 

Noch grössere Sorgen bereiten der US-Notenbank und dem Internationalen Währungsfonds der ­«Leveraged loan»-Sektor, der die Kreditvergabe an hoch verschuldete Unternehmen umfasst. Dabei werden Kredite in Collateralized Loan Obligations (CLOs) gebündelt, verpackt und an spezielle Fonds weitergereicht. Die Kredite sind variabel verzinst. Dieser Markt hat sich nach Angaben von S&P Global Market Intelligence seit der letzten Finanzkrise auf 1,2 Billionen Dollar verdoppelt. Laut der Ratingagentur Moody’s nimmt die Ausfallwahrscheinlichkeit der CLOs zu, die Sicherheiten für Investoren sind eher gering.

Das Basler Financial Stability Board warnte erst vor zehn Tagen, dass der «Leveraged loan»-Sektor für makroökonomische Schocks anfälliger geworden ist. Die Credit Suisse, einer der Hauptakteure in diesem Markt, hält die Sorge für übertrieben. Das Financial Stability Board schätzt den Sektor auf 1,4 bis 3,2 Billionen Dollar. Die Dimensionen sind unklar, weil nicht alle Marktteilnehmer bekannt sind.

Bekommen «BBB»-Firmen Probleme, wirds gefährlich

Auch Derivate wie Collateralized Debt Obligations (CDOs) sind wieder gefragt. CDOs sind besicherte Schuldverschreibungen, also Finanzinstrumente, die zur Gruppe der strukturierten Kreditprodukte zählen. Hedgefonds generieren damit höhere Erträge. CDOs im Hypothekenmarkt waren in der ­Finanzkrise 2008 ein Destabilisierungsfaktor. Anhänger solcher Instrumente bezeichnen die Produkte aber als sicher, weil sie mit Unternehmenskrediten und nicht mit Hypotheken unterlegt sind. Die US-Bank J. P. Morgan Chase schätzt das aktuelle Volumen auf 200 Milliarden Dollar, ein Plus von 40 Prozent allein in diesem Jahr.

Immer häufiger mischen Privatbeteiligungsgesellschaften bei der Kreditvergabe mit. Im Fokus stehen Anleihen, die ein «BBB»-Rating tragen und enorm gefragt sind. Das Volumen ist von 750 Milliarden Dollar im Jahr 2007 auf mittlerweile 2,7 Billionen Dollar geradezu explodiert. Eine Schuldenmaschine, die laut der Zeitung «Financal Times» ausser Kontrolle geraten ist.

Haben Firmen mit der Bewertung «BBB» Probleme, droht eine Herabstufung auf Ramschniveau. Grossinvestoren müssten diese Papiere verkaufen, und die Anleihenpreise würden fallen. Über ­Indexfonds könnte sich eine Verkaufswelle zu einer Krise aus­weiten, wenn Anleger ihre Fonds veräussern und dadurch auch zugrunde liegende Papiere auf den Markt geworfen werden. Wenn alle Investoren gleichzeitig zur Tür hinauswollen, gibt es Verluste und Panik, warnt ein Schweizer Topbanker. Hans-Jürgen Maurus



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Erstellt: 30.12.2019, 15:35 Uhr

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