Trotz «America first» – Schweizer Export boomt in den USA

Die Schweizer Firmen machen gute Geschäfte in Übersee. Der Aussenhandel hat sogar einen Rekordwert erreicht.

Exportschlager: Der Motor für den guten Handelsabschluss sind Schweizer Pharmaprodukte. (Archiv)

Exportschlager: Der Motor für den guten Handelsabschluss sind Schweizer Pharmaprodukte. (Archiv) Bild: Peter Schneider/Keystone

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Der Kampfparole «America first» des amerikanischen Präsidenten Donald Trump zum Trotz – die Schweizer Firmen schnitten auch ein halbes Jahr nach seiner Wahl wirtschaftlich in den USA sehr gut ab. Seit dem Amtsantritt von Trump sind die Exporte von Schweizer Firmen in die USA um 4,5 Prozent gestiegen, wie aus der Statistik der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) hervorgeht. Bis Ende Mai wurden Waren im Wert von 13,4 Milliarden Franken über den Atlantik geliefert. Das ist ein neuer Rekord. Zur Jahrtausendwende waren die Schweizer Exporte in die USA noch nicht einmal halb so gross gewesen.

Den letzten Rückschlag gab es 2009 nach der Finanzkrise, als die Schweizer Ausfuhren einknickten. Seither sind sie um beinahe 80 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: Die Gesamtexporte der Schweiz haben im selben Zeitraum um lediglich knapp 17 Prozent zugelegt.

Pharmabranche als Motor

Die US-Wirtschaft sei seit längerem auf Wachstumskurs, sagt Aussenhandelsexperte Jan Atteslander vom Wirtschaftsdachverband Economiesuisse im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Davon würden Schweizer Firmen profitieren, sei es bei den Exporten in die USA oder bei ihrer Produktion in den Vereinigten Staaten.

Motor sind die Schweizer Pharmakonzerne. Die Ausfuhren der chemisch-pharmazeutischen Industrie in die USA kletterten seit dem Amtsantritt Trumps um 7 Prozent auf 7,7 Milliarden Franken, womit sie beinahe 60 Prozent der Schweizer Exporte in die USA ausmachen.

Die Sache mit Obamacare

Bislang ist Trump damit gescheitert, Obamacare abzuschaffen, was eines seiner wichtigsten Versprechen im Wahlkampf gewesen war. Eine Reform der Gesundheitsreform seines Vorgängers Barack Obama könnte sich für Medikamentenhersteller negativ auswirken.

«Die Pharmabranche steht mit der neuen Administration im Dialog und geht nach wie vor davon aus, dass die USA innovations- und forschungsfreundlich bleiben werden und Patientinnen und Patienten weiterhin von einem raschen Zugang zu neuen Therapien profitieren werden», erklärt Interpharma, der Verband der Pharmaunternehmen.

Seit seinem Amtsantritt hat Trump mindestens drei Anläufe zum Rückbau von Obamacare unternommen. Diese sind aber alle im Parlament gescheitert. Für die Schweizer Pharmaindustrie sind die USA ein wichtiger Markt, weil sie rund 20 Prozent der weltweiten Pharmaexporte ausmachen.

Geschäftsklima gut

Auch die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) konnte seit Anfang Jahr ihre Lieferungen um gut 6 Prozent auf 1,4 Milliarden Franken verbessern. Ebenso gut lief es den Herstellern von Präzisionsinstrumenten und -apparaten. Die Unternehmen aus der MEM-Industrie würden bisher das Geschäftsklima in den USA grundsätzlich als gut einschätzen, sagt Ivo Zimmermann, Sprecher des Branchenverbandes Swissmem: 37 Prozent der Swissmem-Mitgliedsfirmen erwarten gemäss der jüngsten Umfrage des Verbandes vom April 2017 für die nächsten zwölf Monate mehr neue Aufträge aus den USA, 54 Prozent eine gleichbleibende Entwicklung. «Die Einschätzung des Geschäftsklimas hat sich in unseren Mitgliedsfirmen seit der Wahl von Trump nicht verändert», erklärt Zimmermann.

Von den bedeutenden Schweizer Industriezweigen mussten einzig die Uhrenhersteller Federn lassen. Das habe aber nichts mit der Wahl von Trump zu tun, sagt der Präsident des Uhrenverbandes FH, Jean-Daniel Pasche. Diese habe bisher keine negativen Auswirkungen auf die Schweizer Uhrenindustrie gehabt. «Wir haben auch keine neuen protektionistischen Massnahmen festgestellt.»

Protektionismus ist schlecht

Dennoch ist Trumps Feldzug gegen ausländische Handelsbilanzüberschüsse und bisherige Freihandelsabkommen für die Schweizer Wirtschaft gefährlich, die mit ihrem sehr starkem Export auf offene Märkte angewiesen ist. Schlecht wären die von Trump angedrohten Strafzölle für Güter, die nicht in den USA produziert wurden.

«Falls die USA einen Importzoll von 20 Prozent einführen sollten, dann würden unsere Produkte gegenüber den amerikanischen Konkurrenten um 20 Prozent teurer. Das ist sicherlich ein grosser Nachteil», sagt Swissmem-Sprecher Zimmermann. «Gegenüber unseren wichtigsten Konkurrenten aus Europa und Fernost bliebe die Wettbewerbssituation hingegen unverändert.»

Furcht vor Handelskrieg

Viel bedrohlicher für die Schweiz wäre ein weltweiter Handelskrieg, der durch solche Abschottungsmassnahmen der USA entstehen könnte, sagt Zimmermann. Beim Handel gebe es noch grosse Differenzen zu Trump, sagte der deutsche Aussenminister Gabriel noch kurz vor dem G-20-Gipfel in Hamburg: «Die Frage ist, ob die Amerikaner nach wie vor der Überzeugung sind, dass der Welthandel immer nur auf eine Frage hin zu prüfen ist, nämlich, ob Amerika dabei der Gewinner ist oder nicht. Oder schaffen wir es, die Amerikaner davon zu überzeugen, dass, wenn alle zu gleichen fairen Regeln spielen, es dann für alle gemeinsam besser wird.»

Nach dem Gipfeltreffen gibt es vorerst Entwarnung: Laut der deutschen Bundeskanzlerin Merkel haben sich die grossen Industrie- und Schwellenländer darauf verständigt, Protektionismus und unfaire Handelsbeschränkungen zu bekämpfen. Bisher hat sich Trump auf die Aussenhandelsüberschüsse von China und Deutschland eingeschossen. Aber auch die Schweiz mit ihrem verhältnismässig grossen Exportüberschuss könnte ins Visier des US-Präsidenten geraten.

Wie die Stimmungslage in der US-Regierung in Bezug auf die Schweiz ist, wird Bundesrat Johann Schneider-Ammann in gut einer Woche selber erfahren. In Washington sind Treffen mit Handelsminister Wilbur Ross, Arbeitsminister Alexander Acosta sowie Bildungsministerin Betsy DeVos und Ivanka Trump geplant, die offizielle Beraterin des Präsidenten ist. (fal/sda)

Erstellt: 10.07.2017, 11:54 Uhr

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