USA verlieren Triple-A-Rating

Die Ratingagentur Standard & Poor's stuft die Kreditwürdigkeit der USA herab. Das Vertrauen, dass die weltgrösste Volkswirtschaft ihre Schulden zurückzahlen kann, ist angeschlagen.

Die Wirtschaftsmacht ist angeschlagen: Der Dom des Capitols in Washington. (2. August 2011)

Die Wirtschaftsmacht ist angeschlagen: Der Dom des Capitols in Washington. (2. August 2011) Bild: Reuters

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Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat in der Nacht auf heute die langfristige Kreditwürdigkeit der weltgrössten Volkswirtschaft von AAA um eine Stufe auf AA+ herabgestuft. Erstmals in der Geschichte gilt damit für die Bewertung der Bonität des Landes nicht mehr die Bestnote.

S&P begründet den Entscheid mit den «politischen Risiken», dass die USA nicht die nötigen Massnahmen ergreifen würden, um das Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen. Die Kürzungen gingen nicht weit genug. Es sei zudem zweifelhaft, ob sich Demokraten und Republikaner auf zusätzliche Einsparungen einigen könnten.

Auch den Ausblick bewertete die Agentur mit negativ. Damit drohe den USA in den nächsten zwölf bis 18 Monaten eine weitere Herabstufung, falls die von der US-Regierung ausgegeben Sparziele nicht eingehalten würden, hiess es.

Kritik aus dem Weissen Haus

S&P hatte Mitte Juli angekündigt, die US-Bonitätsnote zu überprüfen und eine Herabstufung vom Ausgang des Schuldenstreits abhängig gemacht. Die Agentur mahnte damals einen Defizit von vier Billionen Dollar an. Der nach wochenlangem Ringen im Kongress am Dienstag besiegelte Kompromiss sieht dagegen nur Einsparungen von etwas mehr als zwei Billionen Dollar vor.

Die US-Regierung reagierte kritisch auf den Entscheid. Ihr liege ein Rechenfehler von zwei Billionen Dollar zugrunde, sagte ein Sprecher der Finanzministeriums. Eine Beurteilung, die mit einem solchen Fehler behaftet sei, spreche für sich. In Regierungskreisen hiess es, die Agentur habe die Zahl zwar aus ihrer Analyse gestrichen, der Fehler lasse aber an ihrer Glaubwürdigkeit zweifeln.

Mit der gesenkten Bonitätsnote dürften Kredite für die Regierung, aber auch für Unternehmen und Konsumenten in den USA teurer werden. Experten rechnen damit, dass sich die staatlichen Kreditkosten mit der Zeit um 100 Milliarden Dollar verteuern könnten.

Ungünstiger Zeitpunkt

Für die Finanzmärkte könnte die Herabstufung kaum zu einem ungünstigeren Zeitpunkt kommen. Die Furcht vor einer erneuten Rezession in den USA und einer Ausweitung der europäischen Schuldenkrise hatten in dieser Woche weltweit zu Panikverkäufen an den Börsen geführt. Die beiden anderen grossen Ratingagenturen Moody's und Fitch hatten nach der Einigung zwischen Demokraten und Republikanern am Dienstag vorerst an der Spitzennote AAA festgehalten.

Die Herabstufung durch S&P dürfte dennoch die internationalen Gläubiger der USA beunruhigen, allen voran China, das mit US-Anleihen von mehr als einer Billion Dollar grösster Gläubiger der Vereinigten Staaten ist. Erst gestern hatte die Regierung in Peking die USA zum wiederholten mal aufgefordert, das Schuldenproblem anzugehen und die Dollar-Investitionen Chinas und anderer Länder zu schützen.

Mit der Herabstufung werden US-Staatsanleihen, die einst als die weltweit unbestritten sicherste Geldanlage galten, nun niedriger bewertet als Anleihen von Ländern wie Deutschland, Grossbritannien, Frankreich, Kanada oder der Schweiz. (rub/sda)

Erstellt: 06.08.2011, 06:19 Uhr

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