Warum Bern und Winterthur unbeliebt sind

Die Auswertung von Internetkommentaren zeigt, wo Hotelgäste zufrieden sind – und wo nicht. Die Erklärungen dazu.

Wenig beliebt bei Hotelgästen: Bern (Archivbild).

Wenig beliebt bei Hotelgästen: Bern (Archivbild). Bild: Keystone

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Die «SonntagsZeitung» und der Datenblog veröffentlichten gestern eine interaktive Karte, basierend auf einer Studie der Hochschule für Wirtschaft und Tourismus in Siders VS. Aus Rückmeldungen in Form von Kommentaren auf über 60 Hotelportalen berechneten die Experten für 90 Schweizer Regionen einen «Trustscore»-Wert auf einer Skala bis 100.

Ein genauer Blick auf die Karte zeigt einige Flops in der Ferienlandschaft auf. Sitten weist gerade einmal einen Wert von 71,4 Punkten auf. Bei einem Wert unter 75 äussern sich Hotelkunden «oft kritisch». Obwohl der Kanton Wallis insgesamt eine sehr hohe Bewertung hat, bildet Sitten das Schlusslicht für die gesamte Schweiz.

«Die tieferen Werte in Sitten können damit erklärt werden, dass Städte grundsätzlich geringere Bewertungen hinnehmen müssen», erklärt Valais/Wallis Promotion auf Anfrage. Die Infrastrukturen in Städten werden meist von Durchgangstouristen oder Geschäftsreisenden genutzt, die teils nicht selber reservieren und kritischer seien als die jährlich in den gleichen Ferienort wiederkehrenden Gäste. «Ebenfalls eine Tatsache ist, dass Vier- bis Fünfsternhotels meist besser bewertet werden aufgrund einer professionellen Hotelführung», so die Organisation weiter. Die in Sitten etablierten Hotels und Unterkünfte seien eher in der Zwei- bis Dreisternkategorie angesiedelt.

«Wir haben noch Verbesserungspotenzial»

Im Kanton Zürich sticht vor allem die Stadt Winterthur hervor. Mit einem Wert von 73,5 äussern sich die Hotelkunden ebenfalls «oft kritisch». Der Winterthurer Tourismusdirektor Pierre Droz sieht ähnliche Gründe dafür. Auch hier seien Geschäftsreisende in der Mehrheit: «90 Prozent der Hotelgäste sind auf Geschäftsreise», sagt Droz. Diese seien generell kritischer, auch da sie die Hotels oft nicht selbst auswählen können. «Städte mit wenig Freizeittourismus schneiden allgemein schlechter ab», sagt Droz. Ein weiterer Grund ist laut dem Direktor die knappe Anzahl Hotels in der Stadt. «Die Hotels, die einem Verband angeschlossen sind, weisen oft höhere Qualitätsstandards auf.» Es wäre laut Droz besser, wenn sich alle Hotels einem Verband anschliessen würden und somit den Standards «unterwerfen » müssten.

Die Winterthurer Tourismusbranche ist sich des Resultates bewusst und will Massnahmen ergreifen. «Wir haben noch Verbesserungspotenzial», sagt Pierre Droz. Die Organisation will den Freizeittourismus ankurbeln und dabei den Fokus auf Kultur setzen. Auch die Anbieter müssten sich an der eigenen Nase nehmen: «Die Hotels müssen sich die Frage stellen, ob sie den Gästen noch mehr bieten können.»

Bern wenig beliebt bei Feriengästen

Die Region Bern, die bei vielen ausländischen Touristen zum Pflichtprogramm gehört, hat ebenfalls einen tiefen Wert aufzuweisen. Auch dies sei auf den hohen Anteil an Geschäftskunden zurückzuführen, gibt die Hotellerie Bern plus Mittelland bekannt. «Bern ist noch keine Feriendestination», sagt Präsidentin Beatrice Imboden. Die Region arbeite aber daran, mehr Freizeittouristen anzuziehen.

Bei Hotelleriesuisse kommt man zu einem ähnlichen Schluss: «Die Ferienhotellerie schliesst besser ab als die Stadthotellerie, klassierte Betriebe schneiden besser als die nicht klassierten ab, die Deutschschweiz schneidet besser als die Romandie und die höhere Kategorie besser als die tiefere ab», sagt Thomas Allemann, Mitglied der Geschäftsleitung von Hotelleriesuisse, auf Anfrage. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.08.2015, 21:01 Uhr

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