Warum der Goldpreis trotz nervöser Märkte sinkt

Seit dem Allzeithoch vom letzten September verlor das Gold rund 20 Prozent an Wert. Und dies trotz grassierender Eurokrise. Ein Widerspruch? Und: Wie geht es weiter mit dem Kurs für das Edelmetall?

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Es war der 6. September 2011, als der Kurs für eine Unze Gold den historischen Höchststand von 1920.30 Dollar notierte – übrigens der gleichen Tag, als die Schweizerische Nationalbank die Kursuntergrenze von 1.20 Franken pro Euro festsetzte. Ob das Zufall war oder nicht, soll hier nicht Thema sein. Mit dem Goldpreis war es das dann aber auch. Heute Mittwoch dümpelt die Feinunze um 1535 Dollar. Seit Tagen schon verzeichnet das Edelmetall konstant leichte Abgaben.

In Beobachterkreisen mag man sich wundern. Warum verliert der vermeintlich sichere Hafen Gold an Attraktivität? Ist es nicht so, dass gerade in unsicheren Zeiten wie diesen Anleger ihre Pfründe in Sicherheit, also feste Werte wie Edelmetall bringen wollen?

Verluste mit Goldverkäufen ausgleichen

Ökonomin und Rohstoffanalystin Susanne Toren von der ZKB bestätigt: «Tatsächlich sank der Goldkurs in den letzten Wochen und Monaten entgegen den Erwartungen, wonach das Edelmetall in schwierigen Zeiten an den Märkten als sicherer Hafen gilt.» Die inzwischen vielerorts zu hörende Erklärung, wonach Notenbanken verschiedener Staaten mit Goldverkäufen ihre Liquidität sichern wollen, verneint die Bankerin: «Vonseiten der Notenbanken gibt es auf dem Gold derzeit keinen bemerkenswerten Verkaufsdruck.» Sie verweist dabei auf offizielle Zahlen von internationalen Organisationen wie zum Beispiel des Internationalen Währungsfonds.

Woran liegt es dann, dass Gold derzeit nicht in der Gunst der Anleger liegt? «Wir gehen davon aus, dass vor allem kurzfristig orientierte Investoren ihre Verluste auf anderen Beständen – und die dadurch sich zuspitzende Liquiditätssituation – mit Goldverkäufen ausgleichen müssen», erklärt Toren.

Auch nach Lehman-Kollaps unerwartete Kursverluste

Überdies sei es nicht das erste Mal in jüngster Zeit, dass der Goldpreis sich entgegen den Erwartungen entwickle. «Ähnliche – nicht den Erwartungen entsprechende Kursbewegungen – haben wir auch kurz nach Ausbruch der Finanzkrise gesehen.» Tatsächlich: Zwar legte der Goldpreis kurz nach dem Kollaps von Lehman Brothers am 15. September 2008 innerhalb von wenigen Tagen von unter 800 Dollar auf über 900 Dollar zu. Dann sackte der Preis für die Feinunze des Edelmetalls ab dem 8. Oktober aber innert zwei Wochen auf 700 Dollar ab.

Mittel- bis langfristig sieht Toren wieder höhere Notierungen. «Für die nächsten Monate erwarten wir eher wieder steigende Kurse. Gerade Notenbanken in den Emerging Markets verfolgen als langfristige Strategie, ihren Goldbestand auszubauen», meint die Expertin von der ZKB. Wie Toren weiter ausführt, halte China derzeit gerade mal 1,7 Prozent des Fremdwährungsbestandes in Gold. «Langfristig wollen die Chinesen aber das OECD-Niveau von rund 10 Prozent erreichen. Allein hier schon sieht man, wo es Potenzial für eine weitere Aufwärtsbewegung gibt.»

Erstellt: 16.05.2012, 15:04 Uhr

Edelmetall als sicherer Hafen: Gold- und Silberbarren vor einem Safe. (Bild: Reuters )

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