Was Blocher den Euro-Staaten rät

Das 750-Milliarden-Rettungspaket sei keine Lösung, sagt der Alt-Bundesrat. Zugleich outet sich Christoph Blocher als Fan der Briten und erklärt, wen er zurzeit gerne an den Schalthebeln in Berlin sähe.

«Der Euro wird nicht zu halten sein»: Alt-Bundesrat Christoph Blocher sieht für die Einheitswährung schwarz.

«Der Euro wird nicht zu halten sein»: Alt-Bundesrat Christoph Blocher sieht für die Einheitswährung schwarz. Bild: Reuters

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«Wenn ich auf Deutschland blicke, sähe ich, obwohl ich gar nicht auf seiner Linie liege, bei Ex-Kanzler Gerhard Schröder das Potenzial, das Heft in die Hand zu nehmen. Schröder hatte immerhin den Mut, im Sozialwesen etwas aufzuräumen gegen heftigen Widerstand. Früher wäre es wohl Helmut Schmidt gewesen», sagt Christoph Blocher in einem Interview mit der «Weltwoche» auf die Frage, wem er den am ehesten eine Lösung der Euro-Krise zutraue.

Das 750 Milliarden Euro schwere Rettungspaket für die taumelnden Euro-Staaten hält Blocher nicht für die Lösung des Problems. Vielmehr würde er den Banken, die Staatsanleihen der nun gefährdeten Länder gekauft haben, die Bürde auftragen. «Diese Banken hätten die Verluste tragen müssen», so der frühere Grossunternehmer. Angela Merkel und Nicolas Sarkozy rät der frühere Magistrat, möglichst schnell ein Ausstiegsszenario für die Euro-Zone zu entwerfen. Euro-Sünder müssten die Währungsunion verlassen.

Mitleid mit den Deutschen

Blocher stimmt in den von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann eingestimmten Reim ein, die Griechen würden die nun gesprochenen Hilfskredite nicht zurückzahlen. Bei der Benennung von Schuldigen in der derzeit grassierenden Krise zeigt sich Blocher schonungslos. Er rügt die «miserable» Ausgabendisziplin der Griechen. «Es gab Betrügereien, Bücherfälschungen; Bilanzen wurden geschminkt – vermutlich nicht nur von Griechenland.»

Mitleid äussert Blocher mit den Deutschen, die ständig als Zahlmeister herhalten müssten. «Irgendwann muss das aufhören. Ich legte schon Anfang der Neunzigerjahre, als die Schweiz über den EWR-Beitritt zu entscheiden hatte, dar: Die Österreicher zahlen den Schweizern auch nichts mehr, obschon sie die Schlachten bei Morgarten und Sempach verloren haben!»

Bewunderung für Churchill und Thatcher

Bewunderung hat Blocher für die Briten übrig. Wenn es hart werde, brächten die Briten «hervorragende Führungspersönlichkeiten» hervor. Besonders angetan ist er von Winston Churchill und Maggie Thatcher. Und in der Bewältigung der momentanen Krise – Grossbritannien ist zwar nicht Euro-Mitglied, kämpft aber auch mit schweren Schuldenbergen – würde Blocher gar noch Labour-Mann und Ex-Premier Tony Blair dem neuen Duo Cameron-Clegg vorziehen.

Trotz aller Rettungsbemühungen für den Euro sieht der Alt-Bundesrat aber schwarz für die Einheitswährung. Er bezeichnet den Euro als «Fehlkonstruktion» und glaubt an ein Scheitern des «Grössenwahnprojekts». «Der Euro wird nicht zu halten sein», prophezeit Blocher.

Lage «brandgefährlich»

Blocher glaubt, die Lage sei «brandgefährlich». Die «Weigerung der Politik», die Euro-Krise an der Wurzel anzugehen, erzeuge «gewaltige Spannungen». Das erfülle ihn mit Sorge. «Wenn ich sehe, wie deutsche Zeitungen gegen die Griechen schreiben, bin ich alarmiert». Das Friedensprojekt EU werde plötzlich zum «Brandbeschleuniger nationaler Spannungen».

Darum rät der Vizepräsident der SVP der Schweiz vorzusorgen, «auch für eine starke Armee». Hier schiesst der Alt-Bundesrat wohl deutlich übers Ziel hinaus. (cpm)

Erstellt: 20.05.2010, 08:48 Uhr

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