Analyse

Was genau die Chinesen in Europa planen

Mit der Hilfe für den Euro machen die Chinesen einen weiteren Schritt in Richtung eines ihrer grossen Ziele. Es ist ein wohlüberlegter Schachzug im geopolitischen Ringen um Macht.

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US-Dollarnoten sind grün und werden deshalb auch «Greenbacks» genannt. Chinesisches Notengeld, der Renminbi, ist rötlich, und Scherzbolde bezeichnen es daher als «Redbacks». Was sich aber derzeit an der Währungsfront abspielt, ist alles andere als ein Scherz. Es sind wohlüberlegte Schachzüge im geopolitischen Ringen um Macht. Die Frage der Leitwährung ist dabei ein wichtiges Element.

China ist inzwischen die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt und wächst nach wie vor rasant. Die chinesische Währung spielt jedoch im internationalen Handel noch eine unbedeutende Rolle. Das ist auch logisch, denn sie ist nicht konvertierbar. Dollar, Euros, Yen oder Schweizer Franken kann man jederzeit problemlos umtauschen, beim Renminbi ist dies nicht oder nur sehr mühsam möglich. Weder Finanz- noch Rohstoffbörsen akzeptieren daher die chinesische Währung.

Test in Hongkong

Das soll sich ändern. Die chinesische Regierung ist im Begriff, den Renminbi Schritt für Schritt zu einer globalen Währung auszubauen. Dabei spielt der Finanzplatz Hongkong eine zentrale Rolle. Dort entsteht eine Art Offshore-Markt, wo Unternehmen bereits heute Renminbi-Obligationen auflegen können. McDonald’s und Caterpillar beispielsweise haben davon Gebrauch gemacht. In Hongkong werden auch zunehmend Instrumente geschaffen, die ein leichteres Umtauschen der chinesischen Währung ermöglichen. «In Hongkong testen die Chinesen, wie sich ihre Währung einmal auf den Märkten verhalten wird», sagt der Chefökonom von Goldman Sachs, Jim O’Neill.

In südostasiatischen Ländern wie Vietnam ist der Renminbi bereits heute eine Art Parallelwährung. Die im asiatischen Raum sehr bedeutende HSBC-Bank geht davon aus, dass China bereits in drei bis fünf Jahren seinen Handel mit Entwicklungsländern in der eigenen Währung abwickeln wird. Mit einzelnen südamerikanischen Ländern, etwa mit Argentinien, bestehen bereits entsprechende Abkommen. «Möglicherweise stehen wir am Anfang einer Finanzrevolution von wahrhaft epischen Ausmassen», sagt Qu Hongbin, China-Spezialist bei der HSBC in der «Financial Times». «Die Weltwirtschaft bewegt sich langsam aber sicher weg vom Greenback und hin zum Redback.»

Drei Fixsterne

Wenn China jetzt dem Euro unter die Arme greifen will, dann ist das ein Teil einer langfristigen Strategie. Es will seine Abhängigkeit vom Dollar mildern. Deshalb hat Peking auch den Internationalen Währungsfond (IWF) aufgefordert, den Renminbi nebst dem Dollar, dem Euro, dem Yen und dem Pfund in seinen Währungskorb aufzunehmen. Das würde erstens bedeuten, dass die chinesische Währung auch Bestandteil der sogenannten «Sonderziehungsrechte» würde, einer Kunstwährung des IWF. Zweitens würde es das Renommee des Renminbi weiter erhöhen.

So gesehen ist die Hilfe für den Euro nicht eigennützig. China hat ein grosses Interesse daran, dass die europäische Einheitswährung erhalten bleibt, nicht nur, um seine Abhängigkeit vom Dollar zu verringern, sondern auch, weil Europa ein sehr bedeutender Exportmarkt ist. In den Augen von Peking ist ein Weltwährungssystem mit drei Fixsternen – Dollar, Euro und Renminbi – nicht nur eine denkbare, sondern auch sehr attraktive Option. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.12.2010, 17:33 Uhr

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