Wer hat, erhält

Seit der Finanzkrise sind nur die Reichen reicher geworden.

Die Schweiz gehört zu den Lieblingswohnorten des internationalen Geldadels: Blick auf Wollerau im Kanton Schwyz. Foto: Martin Ruetschi (Keystone)

Die Schweiz gehört zu den Lieblingswohnorten des internationalen Geldadels: Blick auf Wollerau im Kanton Schwyz. Foto: Martin Ruetschi (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Gute zuerst: Die Welt wird wieder reicher. Das global angehäufte Vermögen (263'000 Milliarden Dollar) liegt um 20 Prozent höher als vor der Finanzkrise. Dies besagt der jüngste «Global Wealth Report» der Credit Suisse.

Und die Bergfahrt geht weiter. Bis 2019 soll das Weltvermögen um weitere 40 Prozent wachsen.

Nun die schlechte Nachricht: Vom Reicherwerden profitieren vor allem die Reichen. Seit der Finanzkrise 2007 nehme die Ungleichheit zwischen Arm und Reich wieder zu, heisst es im Bericht. Während des 20. Jahrhunderts habe sie sich eher verkleinert, zumindest in entwickelten Ländern.

Derzeit gibt es immer mehr Millionäre, die immer mehr Millionen besitzen. Doch ein Grossteil der Menschen bleibt ausgeschlossen vom Aufstieg. Das Vermögen gewöhnlicher Bürger liegt weltweit deutlich tiefer als 2007. Die Finanzkrise hat die Reichen reicher gemacht, den Rest ärmer. Laut CS-Bericht liegt das an den boomenden Aktienmärkten. Diese helfen vor allem den Reichen.

Auch die Schweiz trägt indirekt zu dieser Entwicklung bei. Sie gehört zu den Lieblingswohnorten des in­ternationalen Geldadels. Die Pauschal­besteuerung erlaubt es Superreichen, ihr Vermögen zu schonen und es dadurch schneller zu vermehren.

Spitzenland in Sachen Ungleichheit

Nirgendwo leben proportional zur Bevölkerung so viele Superreiche wie in der Schweiz. 2434 Menschen verfügen hier über mehr als 50 Millionen Dollar. Das macht die Schweizer laut CS-Bericht zu den weltweit reichsten Menschen (581 000 Dollar pro Person). Doch die Zahl trügt: Wenn man die Extreme wegrechnet, fällt das Land im Vermögensvergleich auf Rang acht zurück, hinter Australien, Belgien oder Italien. Die CS zählt die Schweiz folglich zu den Spitzenländern in Sachen Ungleichheit.

Neu ist das alles nicht: Der Starökonom Thomas Piketty sieht in der wachsenden Ungleichheit eine Bedrohung für die Weltwirtschaft. Eine globale Reichtumssteuer müsse für Ausgleich sorgen. Doch eine solche durchzusetzen, wird sehr schwierig.

Die Schweiz könnte einen Anfang machen: Indem sie Ja sagt zur Aufhebung der Pauschalsteuer, über die im November abgestimmt wird.

Erstellt: 14.10.2014, 19:46 Uhr

Artikel zum Thema

Rohstoffpreise im freien Fall

Öl, Eisen, Soja: Die Ressourcen der Welt sind so billig wie noch nie seit der Finanzkrise. Und ein Ende des Trends ist nicht in Sicht. Was das für die Weltwirtschaft heisst. Mehr...

Arbeitslosigkeit sinkt in den USA auf 6-Jahres-Tief

Erstmals seit der Finanzkrise liegt die Arbeitslosenrate wieder unter 6 Prozent. Im September wurden deutlich mehr Jobs geschaffen als erwartet. Dollar und Börsen reagierten umgehend. Mehr...

Das Monster lebt

Never Mind the Markets Höchste Zeit, ein Missverständnis aus der Welt zu schaffen: Hohe Staatsschulden sind nicht die Ursache, sondern eine Folge der aktuellen Finanzkrise. Zum Blog

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Weisse Pracht: Schneebedeckte Chalet-Dächer in Bellwald. (18. November 2019)
(Bild: Jean-Christophe Bott) Mehr...