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Wer in den USA einkaufen will, muss sich sputen

Der Dollar ist so billig wie noch nie. Aber gemäss ökonomischer Logik wird sich das bald ändern. Dafür gibt es vier Anzeichen.

Im Allzeittief, aber nicht mehr lange: Dollar.

Im Allzeittief, aber nicht mehr lange: Dollar. Bild: AFP

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Gegen Ende des Jahres herrscht an den Finanzmärkten in der Regel tote Hose. Die Trader amüsieren sich in St. Moritz, Zermatt oder Aspen und lassen für ein paar Tage Geschäft Geschäft sein. Das gilt auch für die Devisenmärkte: Die Umsätze in Dollar, Euro oder Yen sind derzeit im Keller. Nur die Umsätze in Schweizer Franken boomen. «Das zeigt eindrücklich, wie der Franken wieder die Rolle des sicheren Hafens spielt», erläutert Gareth Berry von der UBS in der «Financial Times».

Einmal mehr ist der Franken Klassenbester. Keine andere Währung ist in diesem Monat stärker geworden. Der Dollar befindet sich gar auf dem tiefsten Stand seit Menschengedenken. Das passt zwar gut in die Lobeshymnen, die derzeit auf die Schweiz gesungen werden. Ökonomisch hingegen passt es überhaupt nicht: Nach einem miserablen Sommer und einem katastrophalen Herbst haben sich nämlich die Aussichten für die amerikanische Wirtschaft markant verbessert.

Kröte geschluckt

Die Wende kam mit der Niederlage der Demokraten Anfang November. Der Erfolg der Republikaner hat paradoxerweise zumindest vorübergehend die Blockade in der US-Politik gelöst. Präsident Barack Obama ist über seinen Schatten gesprungen und hat die Kröte in Form einer Verlängerung der Steuererleichterung auch für Superreiche geschluckt. Die Republikaner haben im Gegenzug einer Verlängerung der Arbeitslosenunterstützung zugestimmt. De facto ist damit ein zweites Konjunkturankurbelungsprogramm in Kraft getreten, und es zeigt bereits Wirkung:

  • Seit sechs Wochen gehen die Anträge für Arbeitslosenunterstützung zurück. Experten rechnen damit, dass im Dezember auch die Zahl der Arbeitslosen fallen wird.
  • Der Immobilienmarkt erholt sich langsam. Im November wurden erstmals wieder eine Zunahme der neu gebauten Häuser vermeldet.
  • Das Weihnachtsgeschäft war trotz Schneestürmen viel besser als erwartet.
  • Im dritten Quartal sind die privaten Investitionen gegenüber dem Vorjahr um 24 Prozent angestiegen, die Exporte um 13 Prozent.

Steigen Sie in den Flieger!

Alle dies hat zu einer spürbaren Veränderung des wirtschaftlichen Klimas in den USA geführt. Auch Jan Hatzius, Chefökonom von Goldman Sachs und lange Zeit der führende Pessimist an der Wall Street, gibt sich nun vorsichtig optimistisch. Er spricht nun von einer «deutlich stärkeren Nachfrage». Die Konjunkturforscher haben derweil die Wachstumszahlen für 2011 nach oben korrigiert. Neal Soss, Chefökonom der Credit Suisse, erwartet neuerdings für 2011 ein Wachstum des US-BIPs von 3,75 Prozent. Falls die Konsumenten ihre Hemmungen ablegen und den aufgestauten Nachholbedarf befriedigen, rechnen ganz kühne Optimisten gar mit einem Wachstum von 6 bis 7 Prozent.

All dies spricht dafür, dass der Dollar bald wieder zulegen sollte. Sollten Sie also eine Schnäppchentour in Übersee planen, dann steigen Sie in den Flieger – sobald er wieder landen kann.

Erstellt: 29.12.2010, 14:23 Uhr

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