Wetten auf das Versagen der SNB

Investmentprofis kündigen Wetten gegen die Nationalbank an, bald könnte deren Standfestigkeit aufs Äusserste getestet werden. Dann ist auch der politische Rückhalt für die Kursuntergrenze in Gefahr.

Im Duell Philipp Hildebrand gegen die Geldmarktspekulanten steht noch nicht fest, wer gewinnen wird: Der SNB-Chef bei einer Rede zur Kursuntergrenze.

Im Duell Philipp Hildebrand gegen die Geldmarktspekulanten steht noch nicht fest, wer gewinnen wird: Der SNB-Chef bei einer Rede zur Kursuntergrenze. Bild: Keystone

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Immer mehr Hedgefonds glauben, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Kursuntergrenze von 1.20 des Franken zum Euro nicht aufrechterhalten kann und schon in den nächsten sechs Monaten kapitulieren wird, so der Tenor unter einigen US-Währungshändlern. Das geht aus einem Artikel des «Wall Street Journal» hervor.

Denn, so die Begründung, die Eurozone schwächle weiter und die Kursuntergrenze, die die SNB für den Franken zum Euro festgelegt hat, mache den Schweizer Franken als sicheren Anlegerhafen kaum unattraktiver. Daher kommt auch der anhaltende Aufwertungsdruck, der letztlich auf den Devisenbeständen der SNB lastet, die vereinfacht gesagt, mit Franken vor allem Euro kauft, um den Frankenansturm auszugleichen.

Spekulanten auf der Lauer

Die Spekulanten verharren derzeit offenbar in einer Warteposition: «Wir denken darüber nach, weiterhin Franken zu kaufen, warten aber erst einmal ein paar Wochen ab. Wenn wir das leiseste Anzeichen merken, dass die SNB wackelt oder die politische Entschlossenheit nachlässt, dann wird die Rückkehr in den Franken zum Thema», sagt Anlagechef Axel Merk vom kalifornischen Geldmarktfonds Merk Investments zum «Wall Street Journal».

Steven Englander, der Chefökonom der Citigroup in den USA geht gegenüber dem Nachrichtendienst «Bloomberg» noch weiter: Er rät seinen Kunden, durchaus Wetten auf einen steigenden Franken abzuschliessen. Aus demselben Grund, wie die meisten seiner Kollegen im Fremdwährungshandel: Weil die Eurokrise anhalten werde. Sein Fazit: Der Aspekt des sicheren Hafens im Franken überwiegt gegenüber der vermeintlich abschreckenden Kursuntergrenze der SNB. Und: «Wenn es so einfach wäre, eine Kursuntergrenze festzulegen, dann würden auch andere Zentralbanken dies tun.»

Gefahr für politischen Rückhalt

Der Druck auf die SNB bleibt aufrecht: Weil dem Euro von den Kapitalmärkten nach wie vor ein Abwärtspotenzial attestiert wird, wird die Flucht in den sicheren Franken wohl anhalten. Die SNB ist in der Folge gezwungen, Franken für Euro auszugeben, um die 1.20 zu verteidigen. In die Bilanz der SNB kann das ein Loch reissen, so ZKB-Chefökonom Anastassios Frangulidis. Insbesondere dann, wenn sie scheitert, weil sie dann hohe Euro-Summen in den Büchern stehen hat, die allesamt weniger wert sind.

Ein daraus entstehender Verlust kann der SNB egal sein. Sie kann so viel Geld drucken wie sie will, pleite gehen wird sie nie. Aber der politische Druck könnte untragbar gross werden, um die Untergrenze mit diesen Mitteln aufrechtzuerhalten. Und zwar dann, wenn die Preise im Inland stark steigen, weil die SNB Geld druckt und damit immer mehr Euro kaufen muss, um die Untergrenze zu verteidigen. «Im Gelddrucken steckt ein Inflationspotenzial», betont Frangulidis. «Und ein Verlustpotenzial für die SNB-Bilanz»: Für das Geschäft der SNB spielt das im Grunde keine Rolle, für die Kantone hingegen können die Auswirkungen gross sein. Konnten diese in der Regel immer auf Ausschüttungen der Nationalbank hoffen, könnten zu grosse Bilanzverluste der SNB dazu führen, dass die Kantone in der Folge nichts mehr bekommen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.09.2011, 16:12 Uhr

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