Hintergrund

Wettervergraulte Schweizer verreisen – aber nicht nur in den Süden

In den letzten Wochen warteten die Schweizer vergeblich auf den Einzug des Frühlings. So buchten viele ihre Reisen an typische Destinationen mit Sonnengarantie. Aber auch nördliche Nischenziele sind gefragt.

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Was Mitte März noch wie ein kurzer Kälteeinbruch aussah, dümpelt nun schon seit fast einem Monat vor sich hin: nasskaltes Wetter mit Schnee teilweise bis in die Niederungen. Kein Wunder, befassten sich viele Schweizer mit der Ferienplanung für wärmere, sonnigere Gefilde. So hatte Kuoni, der grösste Schweizer Reiseveranstalter, «einen guten Start in die Sommersaison», wie Sprecher Simon Marquard auf Anfrage sagt. Man sei über Vorjahr, und die Kurzstreckenziele rund ums Mittelmeer würden stark nachgefragt. «Das nasskalte Wetter hatte klar einen Einfluss auf die Buchungen. Es war sozusagen der Kick-off, dass die Kunden sich früher mit den Sommerferien befassten.»

Griechenland hat laut Marquard nach der letztjährigen Krise das Vertrauen vieler Gäste zurückgewonnen, ebenso Spanien. Die Südtürkei sei vor allem bei Familien beliebt, welche die familienfreundlichen Angebote und Kinderfestpreise schätzen. Bei Kuoni zeigt man sich erfreut, dass Ägypten in der Gunst der Kunden wieder einiges höher steht und diese Vertrauen in die Destination haben. «Die Nachfrage ist hier sehr volatil, obwohl die Badeferiendestinationen nie von den Unruhen betroffen waren», so Marquard. Auf der Langstrecke fragten die Kuoni-Kunden vermehrt die Karibik, Mauritius und die USA nach.

Viele informierten sich über Sommerferien

Beim zweitgrössten Schweizer Reiseveranstalter, Hotelplan Suisse, sind die Buchungen für diesen Sommer noch «verhalten», wie Sprecherin Prisca Huguenin-dit-Lenoir gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet sagt. Doch das winterliche Wetter der letzten Wochen habe zu vielen Besuchern auf der Hotelplan-Website geführt, wo sie sich über die Sommerferien informierten. Huguenin ist zuversichtlich, dass etwa auf Anfang Mai viele kurzfristige Sommerferienbuchungen eingehen werden.

Bis jetzt hat sich laut der Hotelplan-Suisse-Sprecherin noch keine Destination als das Topreiseziel dieses Sommers herauskristallisiert. «Das ändert wöchentlich.» Es gebe jedoch eine Tendenz, dass die griechischen Inseln und die Südtürkei populär sein werden – überraschenderweise auch Grossbritannien und Island. Huguenin vermutet bei ersterer Destination den Werbeeffekt durch Olympia 2012, bei letzterem die günstiger gewordene Währung. Auf der Langstrecke seien die USA zwar nach wie vor beliebt, jedoch steige die Nachfrage nicht mehr so stark wie in den letzten Jahren. «Vermutlich ist das Bedürfnis nach USA-Reisen etwas gesättigt, nachdem der Obama-Effekt und der günstige Dollar einst für eine massiv stärkere Nachfrage gesorgt hatten», so Huguenin.

Schlechtes Schweizer Wetter sorgte für mehr Frühlingsbuchungen

TUI Suisse ist laut Sprecher Roland Schmid gut in den Sommer gestartet, die Buchungseingänge befänden sich auf Vorjahresniveau, die Reisepreise seien stabil. Laut Schmid lohnt es sich nicht mehr, bei ausländischen Reiseveranstaltern zu buchen. Wie er weiter erklärt, hatte das schlechte Wetter der letzten Wochen vorerst mehr einen Einfluss auf kurzfristige Buchungen für Ostern und die Frühlingsferien.» Zu den Gewinnern dieser Saison gehörten Spanien mit Mallorca und den Kanaren sowie Ägypten, die Südtürkei, die Malediven und die Dominikanische Republik. Griechenland erhole sich spürbar. «Städtereisen sind ebenfalls beliebt im Frühling, so etwa nach Berlin, New York, Wien, Barcelona oder Rom», sagt der TUI-Suisse-Sprecher.

In letzter Zeit aufgekommen sind – nebst den individuell bereisten Ferndestinationen – auch Wüstenziele wie jene in Dubai, Katar und Oman. Diese würden trotz der rund sechsstündigen Flüge auch für Kurztrips gut besucht, so Schmid. «Auch Kreuzfahrten erleben wieder eine starke Nachfrage. Dies, nachdem letztes Jahr in der Branche Unklarheit herrschte, wie stark der Effekt des Costa-Concordia-Unfalls sein würde.»

Erstellt: 10.04.2013, 18:02 Uhr

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