Wie die Katastrophen der Swiss Re nützen

Die Aktie des Rückversicherers Swiss Re ist heute Morgen um fast 7 Prozent in die Höhe geschnellt. Grund für den Jubel der Börse ist aber nicht in erster Linie der über Erwarten hohe vermeldete Gewinn.

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Gemessen am Reingewinn von 960 Millionen Dollar ist das heute vorgelegte Resultat des Schweizer Rückversicherungskonzerns für das zweite Quartal eine grosse Überraschung. Die Analysten haben nur mit rund der Hälfte dieses Betrages gerechnet. Glänzend sieht das Resultat auch im Vergleich zum ersten Quartal des Jahres aus, als der Konzern noch einen Verlust von 665 Millionen Dollar vermelden musste. Selbst im Vergleich zum gleichen Vorjahresquartal stellt es eine Verbesserung um 18 Prozent dar, damals belief sich der Reingewinn auf 812 Millionen Franken.

Schaut man sich das Resultat genauer an, resultiert die deutliche Verbesserung des Gewinns im Vergleich zu den Analystenerwartungen und zum Vorquartal weniger aus einer Steigerung der Erträge als aus deutlich geringeren Kosten, vor allem durch geringere Schadenszahlungen. Bei den Erträgen hat die Swiss Re je nach Umfrage die Erwartungen der Analysten in etwa erfüllt oder nur leicht übertroffen. Auch im Vergleich zum Vorquartal beläuft sich hier die Steigerung nur auf 5 Prozent.

Die grosse japanische Last

Die Kosten für Naturkatastrophen und andere durch die Versicherung gedeckten Schäden sind dagegen im zweiten Quartal sehr viel geringer ausgefallen. Im ersten Quartal beliefen sie sich auf 3,5 Milliarden Dollar und waren der Grund für den damals zu vermeldenden Verlust. Jetzt sind es nur noch 1,34 Milliarden – ein Rückgang um 62 Prozent. Im ersten Quartal war es vor allem das Erdbeben in Japan vom März, das zu Versicherungsleistungen im Umfang von 1,2 Milliarden Dollar geführt hat. Auch das Erdbeben von Neuseeland vom Februar hat die Swiss Re 885 Millionen gekostet. Im letzten Quartal ereignete sich nichts Vergleichbares. Die Maximalbelastungen durch die Tornados im April und im Mai in den USA belaufen sich nur auf 105 Millionen Dollar.

Die deutliche Kostenreduktion angesichts der tieferen Schadensansprüche ist auch wesentlich für die Verbesserung einer für Versicherungen besonders wichtigen Kennzahl verantwortlich: der sogenannten Combined Ratio, zu Deutsch Schaden-Kosten-Satz. Sie misst den Anteil der Schadenskosten plus die Kosten für die Versicherungsabschlüsse gemessen an den eingenommenen Prämien. Quoten von über hundert Prozent bedeuten, dass die Kosten die eingenommenen Prämien übersteigen. Je tiefer die Quote liegt, desto besser. Im Kernbereich der Swiss Re – Property & Casualty – belief sich diese Combined Ratio im Vorquartal noch auf dramatisch hohe 164 Prozent, im gleichen Vorjahresquartal auf 102 Prozent. Im letzten Quartal ist sie jetzt auf bloss noch 78 Prozent gefallen.

Gesteigertes Prämienvolumen

Der grosse Einfluss von grossen Schadensfällen auf das Ergebnis der Swiss Re bedeutet auch, dass das Reingewinn-Ergebnis eines Quartals nur eine beschränkte Aussagekraft zur operativen Leistung des Unternehmens hat. Das zeigen die Ergebnisse des letzten und des aktuellen Quartals besonders deutlich. Wichtiger sind daher weitere Details. So ist es der Swiss Re im Bereich Property & Casualty gelungen, das Prämienvolumen um 8 Prozent zu steigern. Das ist das Resultat einerseits von gesteigerten Prämien wie auch einer Zunahme der Vertragsabschlüsse.

Wie die Swiss Re schreibt, sind mit den höheren Preisen nicht entsprechend höhere eingegangene Risiken für die Versicherung verbunden. Die Entwicklung zeigt, dass selbst das erste Quartal trotz dem damals erzielten Verlust die Grundlage für gesteigerte künftige Erträge legen kann. Die Katastrophen führen zu einer erhöhten Nachfrage nach Versicherungsleistungen und zur Bereitschaft, dafür auch höhere Preise zu bezahlen. Auch im Juli hat sich dieser Effekt laut dem Rückversicherer erneut ausgeprägt gezeigt.

Gestärkte Bilanz

Vorteilhaft ist ausserdem, dass es der Rückversicherungsgesellschaft gelungen ist, ihre Bilanz zu stärken, denn trotz einem Abgang von Dividendenzahlungen im Umfang von 1,04 Milliarden ist das Eigenkapital nur um 0,9 Milliarden Dollar auf 24,4 Milliarden Dollar gesunken. Sehr erfolgreich hat auch das Asset Management des Rückversicherers operiert. Trotz widrigen Marktumständen ist es den Anlegern dort gelungen, eine Rendite auf den eingesetzten Investitionen von 4 Prozent zu erzielen.

Die Swiss Re hat ausserdem veröffentlicht, wie stark sie in Staatsanleihen von gefährdeten Eurostaaten investiert ist. Sie schreibt, sie habe «resolute Schritte» eingeleitet, um Anleihen ohne AAA-Rating zu reduzieren. Aktuell sei sie nur noch mit 78 Millionen Dollar in solchen Anleihen engagiert. Griechische Staatsanleihen halte das Unternehmen keine. Unbekannt bleibt dagegen das über die Staatsanleihen hinausgehende Engagement der Versicherung in den betroffenen Peripherieländern.

Erstellt: 04.08.2011, 11:33 Uhr

Kann mit der Reaktion auf die Resultate zufrieden sein: Stefan Lippe, Präsident der Geschäftsleitung der Swiss Re. (Bild: Keystone )

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