Wie es um den Einkaufstourismus wirklich steht

Für wie viele Milliarden kaufen Herr und Frau Schweizer im Ausland ein? Bisher wurde über die Gesamtsumme viel spekuliert. Jetzt liegen genaue Zahlen vor.

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In den vergangenen zwei Jahren wurde der Einkaufstourismus – bedingt durch die Entwicklung des Eurokurses – in der Schweiz ein grosses Thema. Eine Frage blieb unbeantwortet: Sind es zwei, fünf oder sechs Milliarden, die über die Grenze getragen und dort ausgegeben werden? Eines war bisherigen Studien gemein: Sie basierten auf Schätzungen.

Jetzt wollte es die Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz (IG DHS), hinter der die grossen Player wie Migros und Coop stehen, genau wissen. Sie beauftragte das Marktforschungsinstitut GFK damit, das Problem detailliert und mittels mehrerer Befragungsrunden zu analysieren. In vier sogenannten Wellen wurden 4480 Interviews geführt. Bei Frauen und Männern im Alter zwischen 15 und 74 Jahren. Und dies in der Deutsch- und Westschweiz sowie im Tessin.

Diese Studie liegt nun vor. Und das sind die wichtigsten Resultate für das Jahr 2012:

  • Bei gezielten Einkäufen im grenznahen Ausland kauften Schweizer Personen für 4,5 Milliarden Franken ein.
  • Bei Einkäufen während Ferien, Besuchen, Geschäftsreisen oder Ausflügen gaben Schweizer 3,8 Milliarden Franken aus.
  • 600 Millionen Franken wurden für Onlinekäufe ausgegeben, bei denen die Ware aus dem Ausland versandt wurde.
  • Das ergibt ein Total der Auslandseinkäufe von 8,9 Milliarden Franken.
  • Am meisten – nämlich 3 Milliarden Franken – wurde für Lebensmittel, Getränke, Körperpflegeartikel oder Haushaltswaren ausgegeben.
  • An zweiter Stelle folgen Ausgaben in der Höhe von 2,6 Milliarden Franken für Schuhe und Bekleidung.
  • Bei den Lebensmitteln wiederum wurde am meisten für Fleisch und Fisch ausgegeben, nämlich 535 Millionen Franken.
  • Nicht berücksichtigt sind Autokäufe im Ausland, Dienstleistungen sowie Restaurantbesuche.
  • Von den Nachbarländern der Schweiz profitierte am meisten Deutschland. Dorthin flossen 4,6 Milliarden Franken.
  • 44 Prozent der Schweizer Haushalte kaufen zumindest einmal im Monat im Ausland ein.

Warum kaufen Schweizer und Schweizerinnen im Ausland ein? Die Antworten:

  • Günstiger einkaufen, günstigere Preise: 81 Prozent
  • Wechselkurs, günstiger Eurokurs: 53 Prozent
  • Markenprodukte günstiger kaufen: 44 Prozent
  • Erhalte Mehrwertsteuer zurück: 41 Prozent

Es gibt deutliche Unterschiede nach Landesteil. Am häufigsten kaufen Tessiner im Ausland ein.

  • Gezielte Einkäufe im Ausland tätigen im Tessin 41 Prozent der Befragten.
  • In der Westschweiz sind es 31 Prozent.
  • In der Deutschschweiz 25 Prozent.

Auffällig ist, dass für die Tessiner die Ladenöffnungszeiten in Italien einer der Hauptgründe für einen Einkauf sind. Studienautor Thomas Hochreutener sagt: «Das wiederum hat natürlich damit zu tun, dass in Italien viele Shops auch sonntags geöffnet haben.»

Die Top-Einkaufsorte im grenznahen Ausland sind:

Deutschland

1. Konstanz
2. Weil am Rhein
3. Waldshut

Frankreich

1. Pontarlier
2. Ferney-Voltaire
3. Divonne-les-Bains

Italien

1. Como
2. Ponte Tresa
3. Varese

Mehr zu den neusten Zahlen zum Einkaufstourismus lesen Sie im ausführlichen Interview mit Studienautor Thomas Hochreutener ab 12 Uhr auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet. (sam)

Erstellt: 05.04.2013, 10:33 Uhr

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