Wo die Immobilienpreise nächstes Jahr sinken

Die Trendwende auf dem Immobilienmarkt kommt 2016, prophezeit eine neue Studie. In welchen Regionen sich der Effekt am stärksten zeigt.

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Zum ersten Mal seit der Jahrtausendwende steht da ein Minus: 2016 sollen die Preise für Eigentums- und Mietwohnungen fallen, nachdem sie vorher jahrelang gestiegen sind. So prophezeit es das neuste «Immo-Monitoring» der Immobilienberatung Wüest & Partner. Das kommt einer Trendwende auf dem Immobilienmarkt gleich: Von 2005 bis 2015 sind die Mieten im Schnitt um 2,8 Prozent pro Jahr angestiegen, die Preise für Eigentumswohnungen um 3,7 Prozent. Nächstes Jahr hingegen werden Eigentumswohnungen laut der Studie 0,6 Prozent billiger, die Mietpreise sollen 0,3 Prozent zurückgehen. Einfamilienhäuser werden nochmals leicht teurer, allerdings nur noch 0,4 Prozent. Zwischen 2005 und 2015 wurden sie pro Jahr im Schnitt 3,4 Prozent teurer.

Ein Blick auf die einzelnen Regionen zeigt, wo die Trendwende besonders deutlich wird. In der Nordwestschweiz sind die Preise für Eigentumswohnungen im letzten Jahr (per Ende 1. Halbjahr 2015) noch um 5,3 Prozent gestiegen. 2016 werden sie laut der Prognose hingegen sinken, und zwar um 1,5 Prozent. In dieselbe Richtung zeigen die Preise für Mietwohnungen: In den letzten zwölf Monaten sind sie um 2,8 Prozent gestiegen, nächstes Jahr dürften sie um 0,6 Prozent sinken. Für diese Entwicklung ist laut Robert Weinert von Wüest & Partner vor allem der Aargau verantwortlich, der zur Region Nordwestschweiz gezählt wird: «Dort wurde in den letzten Jahren sehr viel gebaut, jetzt herrscht teilweise ein Überangebot. Das drückt die Preise.»

Viele neue Wohnungen, nicht viel Luft nach oben

Zu den Umbruchregionen gehört auch die Südschweiz, mit minus 0,4 Prozent bei Miet- und minus 1,6 Prozent bei Eigentumswohnungen (nach einem Plus von 0,8 bzw. 0,4 Prozent in den letzten zwölf Monaten). Hier spielt laut Weinert vielerorts der Zweitwohnungseffekt eine Rolle: «Insbesondere im Wallis sind viele neue Wohnungen auf den Markt gekommen, die nun erst Käufer finden müssen. Im Engadin sind die Preise momentan sehr hoch, deswegen ist nicht mehr viel Luft nach oben da. Und in Graubünden schrumpft die Nachfrage, unter anderem weil das Bevölkerungswachstum zurückgeht.»

Ähnliches gilt für die Westschweiz. Auch dort war die Bautätigkeit in den letzten Jahren hoch, gleichzeitig gab es einen starken Verdrängungseffekt von den Städten in Richtung Agglomeration. Diese Verdrängung wird laut Wüest & Partner nun etwas abnehmen, was zusammen mit dem grossen Angebot die Preise drückt: Eigentums- und Mietwohnungen werden im nächsten Jahr laut der Prognose 0,8 Prozent weniger kosten (nach einem Plus von 1,9 Prozent bzw. 1,6 Prozent in den letzten zwölf Monaten).

In Zürich schliesslich – einer der grössten Boomregionen überhaupt – werden die Preise laut Wüest & Partner zwar noch nicht sinken, aber auch nicht mehr dramatisch steigen. In der Stadt Zürich sind die Preise für Eigentumswohnungen in den letzten zwölf Monaten um 5,9 Prozent gestiegen, nächstes Jahr sollen es noch 0,8 Prozent sein, etwas mehr als in der Gesamtregion Zürich mit 0,6 Prozent (Vorjahr: 3,8 Prozent). Bei den Mietwohnungen steigen die Preise in der Stadt Zürich nur noch um 0,4 Prozent (Vorjahr: 0,8 Prozent). Für die ganze Region ist die Entwicklung allerdings umgekehrt: Im letzten Jahr sanken die Preise für Mietwohnungen um 0,9 Prozent, nächstes Jahr steigen sie um 0,3 Prozent.

Strengere Regeln für Hypotheken zeigen Wirkung

Dass die Trendwende gerade jetzt eintritt, ist laut Immobilienexperten kein Zufall. Die strengeren Regeln bei der Vergabe von Hypotheken hätten die Immobilienpreise ausgebremst, sagt Lorenz Heim, Leiter Hypotheken beim VZ Vermögenszentrum. Vor allem die kürzere Amortisationsdauer (15 statt 20 Jahre) und die neuen Regeln für den Bezug von Pensionskassengeldern haben laut Heim eingeschenkt: «Viele Schwellenhaushalte – also Haushalte, die vorher bloss knapp kreditwürdig waren – erfüllen die Kriterien für eine Hypothek heute nicht mehr.» Heim schätzt, dass die Zahl derjenigen, die sich Wohneigentum noch leisten können, dadurch um 10 bis 20 Prozent gesunken ist – und einige Bauprojekte abgebrochen werden mussten. Finanzierungen würden nicht mehr blindlings getätigt.

Erstellt: 29.10.2015, 16:58 Uhr

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