Zehn Milliarden brachten das Fass zum Überlaufen

Neue Zahlen zeigen, wie viele Euros die Nationalbank in den Tagen vor der Mindestkursaufhebung kaufen musste. Es sind erstaunlich wenige.

Im Dezember und im Januar hat die SNB interveniert: Stand der Girokonten von Geschäftsbanken.


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Was weiss Thomas Jordan, was wir nicht wissen? Diese Frage trieb die Öffentlichkeit um, nachdem der SNB-Präsident die Mindestgrenze zum Euro aufgehoben hatte. Waren es vielleicht die heftigen Zuflüsse in den Franken? Hat die Nationalbank die Reissleine gezogen, weil sie in den Tagen vor der Aufhebung massiv am Devisenmarkt hatte intervenieren und zur Kursstützung Euros in rauen Mengen hatte kaufen müssen?

Die Zahlen zu den Girokonten der Geschäftsbanken, die Aufschlüsse darüber geben und welche die Nationalbank heute veröffentlicht hat, relativieren diese Vermutung. Das wöchentliche Plus auf diesen Konten betrug in den sieben Tagen vor dem vergangenen Freitag nur 13 Milliarden Franken. «Das ist am unteren Ende der Erwartungen», sagt UBS-Ökonom Bernd Aumann, «wir hätten mit einem deutlich höheren Betrag gerechnet.»

Selbes Mass wie im Dezember

Dass die Nationalbank bereits vor dem vergangenen Donnerstag am Devisenmarkt aktiv war, war zu vermuten gewesen. In den Tagen vor der Mindestkursaufhebung war der Eurokurs jeweils nur wenige Hundertstelrappen über der Marke von 1.20 Franken gelegen. Was sich heute zeigt, ist, dass diese Interventionen kaum über das bereits im Dezember beobachtete Mass hinausgingen. Damals waren im Zuge der Russland-Krise rund 6 bis 10 Milliarden Franken aufgeworfen worden, um den Euromindestkurs zu verteidigen.

Möglich ist, dass die jüngsten Interventionen sogar niedriger waren als die Dezemberkäufe. Anfang Januar steigen die Girokonten bei der SNB jeweils ohnehin um rund 2 Milliarden Franken an. Dies, weil die Leute das vor Weihnachten abgehobene Bargeld nach den Festtagen wieder auf die Bank bringen, wie Bernd Aumann sagt. Zudem gilt als sicher, dass die Nationalbank auch am Tag der Aufhebung – nachdem der Euro zeitweise unter 85 Rappen gefallen war – am Markt intervenierte. Die jüngsten Beträge würden sich entsprechend in die Grössenordnung von rund 10 Milliarden Franken reduzieren.

Das Motiv bleibt offen

Zu den Zeiten, als die Eurozone im Jahr 2012 vom Auseinanderbrechen bedroht war, hatte die Nationalbank wochenlang Stützungskäufe im Umfang von 10 bis 20 Milliarden Franken getätigt. Die jüngsten Interventionen haben den Stand der Devisenreserven zwar auf gegen 500 Milliarden Franken getrieben, liegen insgesamt allerdings unter diesem Niveau. Umso mehr stellt sich nun die Frage, was die SNB-Führungsequipe zum Handeln bewogen hat. Sind es die anstehenden Anleihenkäufe der EZB? Was weiss Thomas Jordan darüber, was wir nicht wissen? (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 19.01.2015, 10:48 Uhr

Die Reissleine gezogen: SNB. (Bild: Keystone )

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