Zinsen für spanische Anleihen erreichen Rekordhoch

Die Rendite für zehnjährige spanische Staatsanleihen kletterte zwischenzeitlich auf 6,783 Prozent. Dies ist der höchste Stand seit Einführung des Euro.

Angespannte Stimmung: Die Börse in Madrid.

Angespannte Stimmung: Die Börse in Madrid. Bild: Keystone

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Nach den angekündigten Bankenhilfen in dreistelliger Milliardenhöhe nehmen Anleger Spanien immer stärker unter Beschuss. Die Zinsen erreichten zeitweise am Nachmittag einen Spitzenwert von 6,81 Prozent, wie Analysten von FactSet mitteilten. Das ist der höchste Stand seit Einführung des Euro. Später sanken die Zinsen demnach wieder auf 6,67 Prozent. Bereits am 30. Mai hatten spanische Anleihen diesen Wert erreicht. Händlern zufolge nimmt die Angst der Anleger vor einer Eskalation der Euro-Krise vor den Wahlen in Griechenland zu. In Athen dürfte sich am Sonntag entscheiden, ob die Gegner des Sparprogramms die Oberhand gewinnen und damit der Austritt des Landes aus der Euro- Zone droht.

Zudem zweifelten viele Investoren daran, ob Spanien allein mit den geplanten Finanzhilfen für den Bankensektor seine Schuldenkrise in den Griff bekommt. Am Wochenende kündigten Madrid und seine Euro- Partner an, dass Spanien unter den Rettungsschirm schlüpfen wird.

Weiterer Schlag von Fitch

Zudem gab die Ratingagentur Fitch bekannt, dass sie die Bonitätsbewertung von 18 spanischen Banken um bis zu zwei Noten absenkt. Das Unternehmen begründete den Schritt mit der Herabstufung der Kreditwürdigkeit des spanischen Staates von vergangener Woche.

Betroffen von dem Rundumschlag ist auch die angeschlagene viertgrösste Bank des Landes, Bankia. Das Institut benötigt für eine Sanierung eine Kapitalzufuhr von 23,5 Milliarden Euro. Fitch senkte die Kreditwürdigkeit von Bankia um eine Note von «BBB » auf «BBB-». Der Ausblick für das Rating sei negativ.

Krise trifft Italien

Auch italienische Staatspapiere hat die Krise mit voller Wucht erfasst. Die zehnjährigen Renditen kletterten auf 6,156 Prozent.

Spätestens nachdem Österreichs Finanzministerin Maria Fekter ein Hilfsprogramm für Italien am Montagabend nicht ausschliessen wollte, zittert Europa um ein Schwergewicht, das nach einhelliger Expertenmeinung zu gross für den Rettungsschirm wäre.

Dass der italienische Premier Mario Monti Fekter umgehend auf die Finger klopfte, beeindruckt Investoren wenig. «Ich halte es für vollkommen unangemessen, dass eine Ministerin eines EU- Mitgliedstaates die Lage eines anderen EU-Mitgliedstaates kommentiert», sagte Monti am Dienstag in Rom. (kpn/sda)

Erstellt: 12.06.2012, 19:50 Uhr

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