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Arbeitsmarktzahlen drücken Börsen ins Minus

Im August wurden in den USA keine neuen Arbeitsplätze geschaffen. Die Arbeitslosenquote stagniert auf 9,1 Prozent. Der Euro fiel zwischenzeitlich unter 1.10 Franken. Der Dow Jones verlor 2,2 Prozent.

Die Wirtschaftsmisere ist sein grösstes Problem: Barack Obama.
Die Wirtschaftsmisere ist sein grösstes Problem: Barack Obama.
Keystone

Die USA fallen als Lokomotive der Weltwirtschaft bis auf weiteres aus. Die Arbeitslosenquote stagniert auf hohem Niveau. Gleichzeitig senkt die Regierung die Wachstumsprognosen deutlich. Im August wurden unter dem Strich keine neuen Arbeitsplätze geschaffen, wie das Arbeitsministerium mitteilte. Die Arbeitslosenquote verharrte auf 9,1 Prozent.

Ökonomen hatten erwartet, dass 70'000 neue Stellen geschaffen würden. Eine schlechtere Arbeitsmarktbilanz hatte es zuletzt im September 2010 gegeben, als die Zahl der Arbeitsplätze zurückging. Allerdings trug auch ein Sondereffekt zum schwachen Ergebnis bei: Wegen eines Streiks beim Telekomkonzern Verizon fielen 45'000 Beschäftige aus der Bilanz heraus.

Zahlen korrigieren

Neben der Bekanntgabe der enttäuschenden Entwicklung musste das Arbeitsministerium auch die provisorischen Zahlen für Juni und Juli korrigieren: Im Juli wurden nur 85'000 neue Stellen geschaffen statt 117'000 wie zunächst verkündet. Im Juni waren es mit 20'000 weniger als halb so viel wie bisher geschätzt.

«Wenn die Konjunkturaussichten ungewiss sind, stellen Firmen niemanden ein», kommentierte Ellen Zentner, Ökonomin bei Nomura Securities International, die August-Zahlen gegenüber der Fachagentur Bloomberg.

Nur 1,7 Prozent Wachstum 2011

Gestern gab das amerikanische Präsidialamt ausserdem eine Korrektur der Wachstumsprognosen nach unten bekannt. Das Bruttoinlandprodukt wird demnach im laufenden Jahr nur um 1,7 Prozent statt um 2,6 Prozent wachsen, wie die Regierung bislang erwartet hatte. Die Prognose für 2012 wurde von 2,7 auf 3,6 Prozent gesenkt.

Das Wachstum wird wiederum durch die hohe Arbeitslosigkeit gebremst. Die Arbeitslosenquote wird der Prognose zufolge in diesem Jahr bei 9,1 Prozent liegen und 2012 nur minimal auf 9,0 Prozent zurückgehen. Für 2013 werden 8,5 Prozent vorhergesagt. Erst 2016, so der Ausblick, dürfte die Quote unter 6 Prozent sinken.

Die hohe Arbeitslosigkeit dämpft die Kauflaune der Amerikaner, deren Konsumausgaben mehr als zwei Drittel der Wirtschaftsleistung ausmachen. Der Konsum leidet auch unter der schwachen Lohnentwicklung. Die Stundenlöhne fielen im August um durchschnittlich 0,2 Prozent.

Obamas Wahlchancen sinken

Die trüben wirtschaftlichen Aussichten gefährden die Wiederwahl von Obama im kommenden Jahr. Der Präsident will am 8. September seine Pläne für mehr Wachstum und Beschäftigung vorlegen. «Die Projektionen machen deutlich, dass die Wirtschaft rasch angekurbelt werden muss», sagte der Chefhaushälter im Präsidialamt, Jack Lew.

Experten bezweifeln, dass ein kräftiger Abbau des Staatsdefizits angesichts widriger Rahmenbedingungen gelingen wird. «Der Präsident geht davon aus, dass das Defizit von 1,3 Billionen Dollar auf 473 Milliarden Dollar 2014 sinkt. Sollen wir das wirklichen glauben?», fragte Chris Edwards vom Cato Institute in Washington. «Das scheint doch einer sehr optimistische Annahme zu sein.»

Wallstreet im Minus

Nach enttäuschenden US-Arbeitsmarktdaten ist die Wallstreet mit deutlichen Verlusten in den Handel gestartet. Der ausgebliebene Stellenaufbau im August enttäuschte die Börsianer.

In dem von Börsenturbulenzen und einer drohenden Staatspleite geprägten August stagnierte die Zahl der Beschäftigten überraschend. Zugleich verunsicherte die anhaltende Schuldenkrise in Europa die Anleger.

Griechenland wird im laufenden Jahr sein Schuldenziel verfehlen. Zugleich ist unklar, ob die italienische Regierung weiter an dem milliardenschweren Sparprogramm festhält.

Bankenbranche im Fokus

Wegen der enttäuschenden Arbeitsmarktdaten mussten auch die US- Börsen deutliche Verluste hinnehmen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte sank um 2,2 Prozent auf 11'240 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500 verlor 2,5 Prozent auf 1173 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 2,6 Prozent auf 2480 Punkte. Vor allem die Bankenbranche stand im Fokus. Die Papiere gaben deutlich nach. Bank-of-America-Anteilsscheine verloren fast 8 Prozent, JPMorgan wie auch Goldman Sachs mehr als 3 Prozent.

Zu den weiteren Verlierern gehörten die Papiere der Internetvideothek Netflix . Sie büssten 10 Prozent ein. Der TV-Anbieter Starz Entertainment kündigte an, seine Filme und Fernsehsendungen Anfang kommenden Jahres nicht mehr über Netflix laufen zu lassen.

Der Raffineriekonzern Valero kauft den Konkurrenten Murphy Oil Corp's für rund 600 Millionen Dollar. Valero-Papiere verloren mehr als 3 Prozent, Murphy-Scheine mehr als 2 Prozent.

SMI im Keller

Der Schweizer Aktienmarkt ist mit sehr deutlichen Verlusten aus der Sitzung gegangen, auf die Woche gesehen konnte indes immerhin ein knappes Plus gerettet werden. Schon im Vorfeld des mit Hochspannung erwarteten und enttäuschend ausgefallenen US-Arbeitsmarktberichtes herrschte Nervosität, was zu einem bereits sehr schwachen Abschneiden der Aktien bis am Mittag führte.

Der SMI büsste 3,11 Prozent auf 5359,67 Punkte ein. Im Wochenvergleich ergab sich dennoch ein leichtes Plus von 0,7 Prozent. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI) verlor 3,71 Prozent auf 802,65 Punkte und der breite Gesamtmarkt (SPI) 2,99 Prozent auf 4'889,19 Punkte.

Am Devisenmarkt setzte der Franken seinen neu aufgenommenen Höhenflug fort. Der Euro fiel im Tagesverlauf von rund 1,1350 Fr. auf ein vorübergehendes Tagestief knapp unter 1,10 Fr. und erholte sich bis Börsenschluss wieder auf rund 1,1150 Franken. Die Bewegung des Dollars verlief ähnlich, kostete dieser am Morgen noch 0,7950 Fr. war es am Abend rund ein Rappen weniger. Das Tagestief lag knapp über 77 Rappen.

Abgaben auf breiter Front

Von den Bluechips am hiesigen Aktienmarkt gaben Adecco (-6,5 Prozent), Clariant (-6,3) und Weatherford (-6,2) am meisten nach. Sehr deutlich, mit Verlusten von je rund 5,5 Prozent, waren auch die Abgaben in Richemont, CS, UBS und ZFS. Für die international tätigen Versicherungen bahnt sich kurz nach «Irene» mit «Katia» bereits das nächste Sturmtief mit möglichen Schäden in den USA an. So fielen auch Swiss Re um 5,4 Prozent deutlich zurück.

Über 5 Prozent büssten zudem Swiss Life, Julius Bär und Transocean ein, um gut 4 Prozent verbilligten sich etwa Swatch, Holcim oder ABB. Nobel Biocare gaben um 3,5 Prozent nach und landeten damit im breiten Mittelfeld. Im breiten Markt verloren Straumann 5,6 Prozent.

Die geringsten Einbussen verzeichneten die als defensiv geltenden Nestlé (-0,8 Prozent), Givaudan (-1,0) und Geberit (-1,4). Auch Lonza (-1,3 Prozent) reihten sich im Spitzenquartett ein. Bobst brachen nach den schwachen Zahlen vom Vortag erneut um gut 10 Prozent ein, ebenso Schmolz Bickenbach.

DAX tief im Minus

Neue Sorgen um Griechenland und ein schwacher US-Arbeitsmarktbericht haben dem deutschen Aktienmarkt am Freitag schwer zugesetzt. Der DAX ging zeitweise um mehr als vier Prozent in die Knie. Der Leitindex beendete den Handel mit einem Minus von 3,4 Prozent bei 5.538 Zählern. Der MDAX verlor 3,6 Prozent auf 8.838 Punkte, der TecDAX 3,3 Prozent auf 729 Zähler.

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