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Auf der Suche nach dem neuen Franken

Mit der Intervention der Schweizerischen Nationalbank erschwert sich für die Investoren die Suche nach einer Alternative zum Franken. Künftig könnte sich der Blick der Anleger Richtung Norden verschieben.

Wenig sichere Alternativen: Ein Händler an der Börse in New York.
Wenig sichere Alternativen: Ein Händler an der Börse in New York.
Keystone
Philipp Hildebrand, Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), äussert sich zum Entscheid, den Euro  nicht unter 1.20 Franken fallen zu lassen.
Philipp Hildebrand, Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), äussert sich zum Entscheid, den Euro nicht unter 1.20 Franken fallen zu lassen.
Keystone
Brasiliens Finanzminister Guido Mantega spricht von einer verzweifelten Handlung der SNB. Auch die brasilianische Währung ist derzeit stark überbewertet.
Brasiliens Finanzminister Guido Mantega spricht von einer verzweifelten Handlung der SNB. Auch die brasilianische Währung ist derzeit stark überbewertet.
Reuters
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«Wir werden in Zukunft noch viel mehr Interventionen, wir werden Eingriffe im grossen Stil erleben», kommentierte der schottische Portfolio-Manager Stuart Thompson gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg den Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB), den Euro nicht unter 1.20 Franken sinken zu lassen. «Traditionelle sichere Häfen werden versuchen, den Wert ihrer Währungen zu untergraben.»

Bislang galt der Schweizer Franken als sichere Anlegestelle in den turbulenten Eurozeiten. Sollte die SNB ihre Linie durchziehen, stellt sich die Frage, worauf risikoscheue Investoren künftig ihren Fokus richten werden, ausser dem Gold. Der Blick könnte Richtung Norden gehen.

Skandinavien als Alternative

So empfahl die Bank HSBC die skandinavische Währung offiziell als Alternative zum Schweizer Franken. Nach der gestrigen rasanten Abschwächung des Frankens verzeichnete die norwegische Währung denn auch einen neuen Höchststand gegenüber dem Euro seit Februar 2003. Die Krone hat ihren Wert gegenüber den neun grössten Währungen alleine in den letzten 12 Monaten um 4,5 Prozent gesteigert. Auch der schwedischen Krone geht es zurzeit ähnlich.

«Es gibt einen Mangel an sicheren Häfen und die Menschen wenden ihren Blick nach Norwegen mit seinen felsenfesten Finanzen und dem gesunden Wachstum richten», erklärt Kari Due-Andresen von der norwegischen Handelsbanken dem «Wall Street Journal». Finanzminister Sigbjoern Johnsen und Zentralbankchef Oeystein Olsen haben bereits ihre Bereitschaft signalisiert, gegen Währungsgewinne anzukämpfen, um ihre Exportbranche zu schützen.

Japans Blick auf die Schweiz

Auch in Japan wird das Vorgehen der SNB mit Argusaugen beobachtet. Denn auch der Yen gilt für Anleger seit Jahren als sicherer Hafen. Die japanische Währung hatte letzte Woche einen Rekordwert gegenüber dem Dollar erzielt. «Die Schweiz ist die Schweiz», kommentierte Jun Azami trocken die Schweizer Intervention gegenüber der «Nikkei Shimbun». «Auch Japan bleibt mit dem hohen Yen in einer schwierigen Situation. Wir werden aus diesem Grund spekulative Bewegungen genau beobachten.» Nach dem SNB-Entscheid hat die japanische Zentralbank jedoch auf sofortige Massnahmen verzichtet.

Die Zentralbank in Tokio ist vorsichtig geworden. Indem die Bank of Japan Anfang August für 4,6 Billionen Yen Dollar aufkaufte, erhoffte sie der heimischen Exportbranche unter die Arme greifen zu können. Es handelte sich um den grössten Eingriff seit 2004. Der Effekt verpuffte jedoch schnell.

Gemäss Experten ist eine japanische Intervention nach Schweizer Art wenig wahrscheinlich. «Der grosse Unterschied zwischen der Schweiz und Japan ist die Grösse der Wirtschaft», sagt Masaaki Kanno, Chefökonom bei JPMorgan in Tokio, gegenüber Bloomberg. Sollte die drittgrösste Volkswirtschaft eine Untergrenze ihrer Währung gegenüber dem Dollar festsetzen, könnte dies auch politische Implikationen mit den USA zur Folge haben. Finanzminister Azumi hat zumindest angekündigt, die Yen-Stärke am G-7-Gipfel diese Woche in Marseille zur Sprache zu bringen.

«Die Schweiz ist verzweifelt»

Das boomende Brasilien sorgt sich ebenfalls um seine starke Währung. «Es ist eine extreme Situation, in der die Schweiz verzweifelt ist», kommentierte Finanzminister Guido Mantega die Massnahme der SNB. Die Schweizer Intervention möge zwar einen kurzfristigen Effekt haben, langfristig würden aber auch diese Auswirkungen keinen Erfolg haben.

Die meisten Zentralbanken haben ihre klassischen Mittel ausgeschöpft. Die Leitzinsen sind auf dem Tiefststand und Währungsinterventionen verpuffen. Die Schweiz versucht mit der Untergrenze einen neuen Ansatz in der Krise. «Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Innovationskraft der Zentralbanken auf den Prüfstand gestellt», sagt Neil MacKinnon, Ökonom bei VTB Capital in London, gegenüber «Bloomberg».

Für risikoscheue Anleger erschwert sich damit die Situation. Jane Foley von der Radobank spricht im Gespräch mit dem «Wall Street Journal» von «einer blutigen Schlacht» der SNB. «Es ist eine Schlacht der SNB gegen die Suche der Investoren nach einem sicheren Hafen.»

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