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Ausverkauf in Nahost

Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA lastete heute auf den Börsen im Mittleren Osten. In Israel wurde der Handel zwischenzeitlich unterbrochen. Auch Dubai und andere Handelsplätze verzeichneten Abschläge.

Grosse Verunsicherung an den Märkten: Ein Investor an der Börse in Dubai. (7. August 2011)
Grosse Verunsicherung an den Märkten: Ein Investor an der Börse in Dubai. (7. August 2011)
Keystone

Nach dem Downgrade der US-Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Standard & Poor's kamen heute in Israel erstmals seit dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers wieder die Kurssicherungssysteme zum Einsatz, um grössere Verluste an den Börsen zu verhindern. Der Beginn der ersten Sitzung der Woche an der Börse in Tel Aviv verlief turbulent. Nach zwei kurzen Unterbrechungen von jeweils drei bis fünf Minuten wurde der Handel für 45 Minuten ausgesetzt, damit Marktteilnehmer die Zeit haben würden, «um logisch und nicht unter Druck zu reagieren», sagte Börsensprecherin Idit Jaaron.

Im vorbörslichen Handel war der Leitindex TA-25 um mehr als fünf Prozent zurückgegangen, was die kurzen Unterbrechungen zu Beginn des Handelstages auslöste. Als der TA-25-Index und der breiter gefasste TA-100 sich nicht genügend stabilisierten, wurde die Unterbrechung von 45 Minuten angeordnet.

Danach verlief der Handel normal. Der Tel-Aviv-25-Index fiel um mehr als 6 Prozent. Die Regeln sehen vor, dass es erst wieder zu einem Unterbruch kommt, wenn die Indizes 12 Prozent steigen oder fallen. Die Börse von Tel Aviv war eine der ersten, die auf die Bonitätsabstufung in den USA am Freitagabend (Ortszeit) reagierte.

Kursabschläge an arabischen Börsen

Die weltweite Verunsicherung der Anleger hat auch an den Aktienmärkten auf der Arabischen Halbinsel zu deutlichen Verlusten geführt. Der Markt in Dubai schloss mit einem Minus von 3,7 Prozent auf einem 20-Wochen-Tief. Katar ging mit Verlusten von 2,5 Prozent aus dem Handel. In Oman fiel der Leitindex sogar auf ein Zwei-Jahres- Tief. Nachdem die saudi-arabische Börse am Samstag ein Fünf-Monatstief markiert hatte, erholte sie sich jedoch wieder. Der wichtigste Index in Ägypten markierte hingegen ein Zwei-Jahres-Tief. Wegen des hohen Interesses ausländischer Investoren setzten Analysten jedoch auf eine baldige Erholung.

Für die Märkte auf der Arabischen Halbinsel waren die heutigen Kursausschläge meist die grössten Erschütterungen seit Ausbruch der politischen Unruhen im Frühjahr. Die Verluste sind für viele Anleger ein Zeichen, dass die Börsen weltweit den Verlust der «AAA»-Bewertung der USA bei Standard & Poor's nicht einfach verdauen können.

Die Einbrüche seien erwartet worden, sagte Vermögensverwalter Shakeel Sarwar von Sico in Bahrain. «Alle regionalen Märkte ausser Kuwait werden heute Einbussen verzeichnen.» Kuwait ist der einzige Golfstaat, der seine Währung nicht an den US-Dollar koppelt.

Israel reagiert auf Massenproteste

Einen Tag nach Massenprotesten mit mindestens 250'000 Menschen hat die israelische Regierung eine Reduzierung der Lebenshaltungskosten in Aussicht gestellt. Die Regierung werde schnell Schritte einleiten, um die steigenden Kosten zu senken, sagte Finanzminister Juwal Steinitz heute im israelischen Radio. Die Massendemonstrationen bezeichnete er als beeindruckend. Die israelischen Lebenshaltungskosten seien «ungerechtfertigt und unangemessen», sagte Steinitz.

Und Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sagte: «Wir können das Ausmass der sozialen Proteste nicht ignorieren. Wir wissen, dass wir Änderungen vornehmen müssen». Er kündigte die Bildung einer Sonderkommission an, die sich unter der Leitung des Ökonomen Manuel Trachtenberg mit den Forderungen der Protestbewegung auseinandersetzen solle. «Wir wollen einen richtigen Dialog aufbauen und jeden zu Wort kommen lassen, der Lösungen vorzutragen hat – auch wenn wir nicht alle Forderungen erfüllen können», sagte Netanyahu, dessen Äusserungen vom staatlichen Rundfunk übertragen wurden.

«Israel ist zu teuer»

Bei den grössten Demonstrationen seit Beginn der Kundgebungen vor drei Wochen waren gestern in den grössten Städten des Landes gut eine Viertelmillion Menschen auf die Strassen gezogen. Nach Schätzungen der Polizei versammelten sich allein in Tel Aviv rund 230'000 Menschen, die damit den grössten Sozialprotest in der Geschichte des Landes herbeiführten.

Die Demonstranten forderten in Sprechchören «Soziale Gerechtigkeit für das Volk». Auf Plakaten waren Parolen zu lesen wie «Erst das Volk, dann der Profit», «Miete ist kein Luxus», «Israel ist zu teuer» und «Helden der Arbeiterklasse».

dapd/ afp/ sda/rub

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