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China wächst so langsam wie zuletzt vor drei Jahren

Die Wachstumsrate der chinesischen Wirtschaft ist im zweiten Quartal von 8,1 auf 7,6 Prozent gefallen. Doch eine Trendwende kündigt sich offenbar an.

Trotz rapidem Ausbau der Infrastruktur expandiert die chinesische Wirtschaft langsamer: Magnetschwebebahn in Shanghai. (Archivbild)
Trotz rapidem Ausbau der Infrastruktur expandiert die chinesische Wirtschaft langsamer: Magnetschwebebahn in Shanghai. (Archivbild)

Die Wachstumslokomotive China verliert an Dampf. So langsam wie im zweiten Quartal ist die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt seit dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise nicht mehr gewachsen.

Das Wachstum von 7,6 Prozent im zweiten Quartal ist der niedrigste Stand seit drei Jahren. Der Rückgang der Nachfra^ge im schuldengeplagten Europa, die Stagnation des Immobilienmarktes und ein langsamer Zuwachs des heimischen Konsums bremsen die zweitgrösste Wirtschaftsnation der Welt.

Aktienmärkte beruhigt

Das Wachstum ist damit sechs Quartale in Folge zurückgegangen, wie das Statistikamt in Peking berichtet. Damit kann China noch weniger zur Ankurbelung der Weltkonjunktur beitragen.

Die Aktienmärkte haben die Konjunkturdaten aus China positiv aufgenommen. Offenbar waren sie erleichtert, dass das Wachstum nicht stärker als erwartet sank. An der Tokioter Börse schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,1 Prozent im Plus bei 8724 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index verlor dagegen 0,2 Prozent auf 746 Punkte. Der Leitindex in Shanghai trat auf der Stelle. Die Märkte in Hongkong, Seoul, Singapur und Sydney verzeichneten Gewinne. Die Börse in Taiwan gab nach.

Nur scheinbar hoch

Die Wachstumsrate erscheint im Vergleich zu den krisengeschüttelten Industrienationen hoch, doch braucht China als Entwicklungsland ein vergleichsweise hohes Wachstum, um ausreichend Arbeitsplätze zu sichern und seine Probleme zu bewältigen, wie auch Regierungschef Wen Jiabao diese Woche noch einmal betonte.

Der Zuwachs der Industrieproduktion ging im Juni weiter auf 9,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zurück. Die Gewinne der Industrie fielen dadurch in den ersten fünf Monaten um 2,4 Prozent. Der Zuwachs der Anlageinvestitionen, die ein wichtiger Treiber des Wachstums sind, verringerten sich im ersten Quartal um 5,2 Prozentpunkte auf 20,4 Prozent, wie das Statistikamt berichtete.

Immobiliensektor stagniert

Der Immobiliensektor, der laut Internationalem Währungsfonds (IWF) zwölf Prozent zu Chinas Wirtschaftsleistung beiträgt, stagniert. Die Regierung versucht seit zwei Jahren, mit Kontrollen eine weitere Überhitzung zu verhindern.

Das Investitionswachstum im Immobiliensektor ging im ersten Halbjahr auf 16,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück, wie das Statistikamt berichtete. Zwischen Januar und Mai hatte der Zuwachs noch 18,5 Prozent betragen.

Mit dem Rückgang der Nachfrage besonders in der schuldengeplagten Europäischen Union war Chinas Exportwachstum im ersten Halbjahr auf 9,2 Prozent gefallen. Um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, hatte die Zentralbank seit Juni zweimal in einem Monat die Leitzinsen und seit November schon dreimal die Anforderungen für das Mindestkapital der Banken gesenkt. So legten neue Kredite der Banken im Juni zu.

Wegen der deutlich gefallenen Inflation sehen Experten wieder mehr Spielraum für eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Analysten erwarten mit weiteren Stimulusmassnahmen auch wieder ein stärkeres Wachstum in der zweiten Jahreshälfte.

Deutlich abgekühlt

Das chinesische Wirtschaftswachstum hat sich im zweiten Quartal deutlich auf 7,6 Prozent abgekühlt. Es ist der niedrigste Stand seit drei Jahren, wie das nationale Statistikamt in Peking mitteilt.

Im ersten Quartal war das Wachstum schon auf 8,1 Prozent gefallen. Damit ist das chinesische Wachstum sechs Quartale in Folge zurückgegangen. Die Wachstumsrate erscheint im Vergleich zu den krisengeplagten Industrienationen zwar immer noch hoch.

Schwächung der Wachstumslokomotive

Doch braucht China als Entwicklungsland ein vergleichsweise hohes Wachstum, um ausreichend Arbeitsplätze zu sichern und seine Probleme zu bewältigen. Mit der spürbaren Abschwächung kann China als Wachstumslokomotive auch weniger zur Weltkonjunktur beitragen.

Der Zuwachs der Industrieproduktion ging im Juni auf 9,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zurück. Mit dem Rückgang der Nachfrage besonders in der schuldengeplagten Europäischen Union war Chinas Exportwachstum im ersten Halbjahr auf 9,2 Prozent gefallen.

Höhe der Investitionen überrascht

Die Schwäche im zweiten Quartal sei zu erwarten gewesen, sagte ein Volkswirt der Bank BNP Paris in Peking gegenüber der «Financial Times». Ein Überraschung sei aber die Höhe der Investitionen. Es sehe nach einer deutlichen Steigerung aus. Die Politik der chinesischen Regierung zeitige Erfolg.

Die chinesische Zentralbank hatte zuletzt die Zinssätze gesenkt – zum zweiten Mal innerhalb eines Monats. Die Banken liehen denn im Juni auch deutlich mehr Geld als im Mai aus.

SDA/mw

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