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Börsen im Plus nach schwachen Zahlen aus China

So langsam wie im letzten Jahr wuchs die chinesische Wirtschaft letztmals 1990. Dennoch reagierten die asiatischen Börsen erleichtert.

Der Einzelhandel wuchs weniger stark als erhofft: Ein Händler überprüft eine 10-Yuan-Note in Peking. (19. Januar 2016)
Der Einzelhandel wuchs weniger stark als erhofft: Ein Händler überprüft eine 10-Yuan-Note in Peking. (19. Januar 2016)
Rolex dela Pena, Keystone

Die Hoffnung auf weitere Konjunkturstützen in China haben die asiatischen Aktienmärkte am Dienstag gestützt. Das Wachstum in der weltweit zweitgrössten Volkswirtschaft fiel 2015 mit 6,9 Prozent so schwach aus wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr, wie die Statistiker mitteilten.

Insbesondere zum Schlussquartal verlor die chinesische Wirtschaft an Schwung. Experten rechnen daher damit, dass die Regierung in Peking den Geldhahn weiter aufdreht. Weitere Zinssenkungen seien beschlossene Sache, sagte Angus Nicholson, Marktexperte bei IG in Melbourne. Jetzt sei nur noch die Frage, wann sie erfolgten.

Börsen reagieren mit Kurssprung

Nach den asiatischen Aktienmärkten stiegen auch die Kurse in Europa. Der Leitindex der Schweizer Börse stand kurz vor 11 Uhr bei 8230 Punkten, ein Plus von 1,6 Prozent. Der deutsche Dax stieg um 1,7, der Euro Stoxx 50 um 1,8 Prozent.

An den chinesischen Börsen hatten die Kurse zuvor deutlich angezogen. Der Aktienmarkt in Shanghai verbuchte ein Plus von 3,2 Prozent. Der Index für die wichtigsten Unternehmen an den Börsen in Shanghai und Shenzhen stieg 3,0 Prozent. Auch der MSCI-Index für asiatische Aktien ausserhalb Japans notierte mehr als ein Prozent fester. In Tokio ging der Leitindex Nikkei 0,55 Prozent höher bei 17'048 Punkten aus dem Handel.

Ökonom: Ängste wohl übertrieben

Analysten zufolge könnten die chinesischen BIP-Daten trotz der Konjunkturabschwächung für etwas Beruhigung am Markt sorgen. Die grössten Ängste um die chinesische Wirtschaft, die in den jüngsten Börsenturbulenzen zum Vorschein gekommen seien, seien wohl übertrieben, sagte Ökonom Louis Kuijs vom Analysehaus Oxford Economics. «Wir sehen keine Anzeichen für einen abrupten Abschwung.»

Allerdings enttäuschten andere Daten von der chinesischen Wirtschaft leicht. So fiel der Zuwachs bei der Industrieproduktion im Dezember zum Vorjahr mit 5,9 Prozent etwas geringer aus als erwartet. Ebenso war es beim Umsatzplus des Einzelhandels. Da der Konsum und die Exporte in diesem Jahr weiter schwach ausfallen könnten, hänge viel von staatlichen Investitionen in die Infrastruktur ab, betonten Experten.

Jinping will Wachstum «stabilisieren»

Trotz des geringeren Wachstums und der Turbulenzen an Chinas Aktienmärkten hält Chinas Staats- und Parteichef die langfristigen Grundlagen der chinesischen Wirtschaft für tragfähig. In der «neuen Normalität» mässige sich das Wachstum, so dass die Wirtschaft strukturell angepasst und die Triebkräfte verlagert werden müssten, sagte Xi Jinping vor der Bekanntgabe der neuen Zahlen.

Die Wirtschaft müsse sich stärker auf heimischen Konsum, den Dienstleistungssektor und Innovation stützen, sagte Xi Jinping. Kurzfristig müsse das Wachstum «stabilisiert» werden.

Zweifel an Zahlen

Angesichts der wachsenden Schuldenlast, einer Immobilienblase und Überkapazitäten erwarten Experten in diesem Jahr aber einen weiteren Rückgang des Wachstums. Viele ziehen auch die offiziellen Zahlen in Zweifel und gehen von lediglich 4 bis 6 Prozent Wachstum aus.

Die schlechten Aussichten für China, das in den vergangenen Jahren zu rund einem Drittel zum globalen Wachstum beigetragen hat, haben in den vergangenen Wochen zu heftigen Turbulenzen an den internationalen Aktienmärkten geführt.

SDA/chk/rub

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