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Coop-Chef rupft ein Hühnchen mit den Einkaufstouristen

Hansueli Loosli, abtretender Chef des Detailriesen Coop, kritisiert die Schnäppchenjagd von Schweizern im Ausland. Er appelliert ans soziale Gewissen: Wer im Ausland kaufe, gefährde Arbeitsplätze in der Schweiz.

«Wir bezahlen Mindestlöhne von 3700 Franken»: Hansueli Loosli, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Coop, hier an der Bilanzmedienkonferenz in Muttenz BL. (15. Februar 2011)
«Wir bezahlen Mindestlöhne von 3700 Franken»: Hansueli Loosli, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Coop, hier an der Bilanzmedienkonferenz in Muttenz BL. (15. Februar 2011)
Keystone

Der starke Franken kostet den Schweizer Detailhandel Milliarden. Nach Ansicht von Coop-Chef Hansueli Loosli fliessen alleine bei Lebensmitteln deutlich über 2 Milliarden Franken ins grenznahe Ausland. «Ein Fünftel davon entfällt auf Coop», sagte Loosli in einem Interview mit dem «Sonntag».

Der Chef des grössten Schweizer Detailhändlers übt starke Kritik an den Schweizer Einkaufstouristen: «Man muss sich einfach bewusst sein: Wer ennet der Grenze einkauft, profitiert persönlich und gefährdet damit Arbeitsplätze in der Schweiz.»

Man vergesse schnell, was in der Schweiz alles anders sei. Auf der anderen Seite der Grenze erhalte die Kassiererin halb so viel Lohn.«Wir bezahlen Mindestlöhne von 3700 Franken, bieten gute Sozialleistungen, bezahlen zwei Drittel der Pensionskassenbeiträge, zahlen Schwerverkehrsabgaben, die Millionen kosten, wir haben ein Nachtfahrverbot für Lastwagen, und, und, und. Das gibt es auf der anderen Seite alles nicht. Wer über die Grenze geht, nutzt dies aus. Punkt.»

Coop versuche, auf Direktimporte auszuweichen. «Aber fast immer bekommen wir nicht genug Mengen.» Im Kampf für tiefe Preise mache man auch jede Woche Druck auf die europäischen Lieferanten, weil sie ihre Devisenvorteile zurückhalten würden, so Loosli.

Rückläufiger Heimmarkt – Wachstum im Ausland

Umsatzmässig sei Coop in einem rückläufigen Markt leicht unter dem Vorjahr, sagte Loosli, der Ende August die Führung des Coop-Konzerns an Joos Sutter abgibt. Für das gesamte Geschäftsjahr glaube er immer noch, ein Wachstum zwischen 0 und 1 Prozent erreichen zu können.

Auf Wachstumskurs ist die im letzten Herbst vollständig erworbene Grosshandelsgruppe Transgourmet. Per Ende Mai habe man über alle Länder hinweg in Landeswährung ein Wachstum von 7 Prozent erzielt. Das sei erfreulich, sagte Loosli. In den nächsten fünf Jahren würden im Ausland rund 1000 neue Stellen entstehen, vor allem im Cash&Carry- Bereich.

Bis 2016 wolle man in Russland 15 bis 17 Cash&Carry-Märkte betreiben, vor allem im Grossraum Moskau. In Polen und Rumänien sollen es bis in fünf Jahren 20 bis 25 Märkte sein, sagte Loosli.

SDA/rub

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