Das sind die Profiteure des Handelsstreits

China und die USA belegen ihre Güter gegenseitig mit Zöllen. Das schadet vielen Produzenten. Aber es gibt auch unerwartete Gewinner.

Werden vielleicht bald wertvoller: deutsche Schweine.

Werden vielleicht bald wertvoller: deutsche Schweine. Bild: Keystone

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Morgen sollen sie in Kraft treten: die US-Strafzölle auf chinesische Importe. Güter im Wert von 34 Milliarden Dollar sind betroffen, vor allem aus dem Technologiesektor. China schlägt noch gleichentags zurück: mit Importzöllen in gleicher Höhe auf US-Produkte wie Schweinefleisch, Whiskey, Soja, Hirse oder Autos.

Schon bevor die Zölle in Kraft treten, beeinflussen sie den Welthandel. Gemäss Berichten sind die Warenladungen an den grossen Handelshäfen weltweit im ersten Quartal 2018 zurückgegangen. Auch die Preise für Sojabohnen haben bereits reagiert. Chinesische Schweineproduzenten füttern ihre Tiere hauptsächlich mit Soja aus den USA. Schon nachdem China Zölle auf US-Sojabohnen angedroht hatte, sanken die Preise dafür, in Erwartung einer geringeren Nachfrage. Aktuell liegen sie fast 14 Prozent tiefer als noch vor einem Jahr.

Allerdings: Vom Verlust des einen profitiert meistens ein anderer. Die Wirtschaftszeitung «Financial Times» zählt auf, wer die Gewinner des Handelsstreits sein könnten.

Raps

Bis jetzt haben vor allem die brasilianischen Sojaproduzenten vom Handelsstreit profitiert. Im April stiegen die Sojabohnenexporte aus Brasilien auf 11,63 Millionen Tonnen an – das ist 1 Million Tonnen mehr als im Vorjahresmonat und ein neuer Rekord, wie die brasilianische Exportvereinigung Anec bekannt gab.

Laut der FT könnten aber auch andere Produzenten profitieren: jene von Raps. Denn dieser könne zerkleinert und zu Viehfutter verarbeitet werden. Schon vor dem Handelsstreit mit den USA stiegen die chinesischen Rapskäufe an. Letztes Jahr kaufte das Land 4,8 Millionen Tonnen Raps, ein Drittel mehr als im Vorjahr. Der Grossteil davon stammte vom weltgrössten Exporteur Kanada. Hedgefonds hätten ihre Wetten auf Raps erhöht, während sie jene für Sojabohnen senkten, sagt der Analyst Mike Jubinville zur FT.

Ein Graben tut sich auf: Während sich die Preise für Rapslieferungen im November im letzten Quartal kaum veränderten, gehen die Preise für Sojabohnen nach unten.

Mais

Auch die Zukunft des Nafta-Abkommens – des Freihandelsabkommens zwischen Kanada, den USA und Mexiko – ist ungewiss. Nafta sei gut für Mexiko, aber schlecht für die USA, kritisiert US-Präsident Donald Trump. Die Verhandlungen über eine Modernisierung des Abkommens laufen.

Erschwert werden die Verhandlungen durch die US-Zölle auf Stahl und Aluminium aus der EU, Kanada und Mexiko. Mexiko hat darauf mit eigenen Zöllen auf landwirtschaftliche Produkte aus den USA reagiert. Mais gehört noch nicht dazu – im Gegensatz zu China, das ab morgen auch Zölle auf US-Mais erheben wird.

Der Grund dürfte die grosse Abhängigkeit Mexikos von amerikanischen Maisimporten sein. Fast 96 Prozent des importierten Mais stammt aus dem nördlichen Nachbarland. Doch die Gewichte beginnen sich zu verschieben. Letztes Jahr haben sich die Maisimporte aus Brasilien gegenüber 2016 verzehnfacht. 2018 dürfte der Anteil weiter steigen. Laut dem Rabobank-Analysten Stefan Vogel wird es für Mexiko schwierig, alle US-Maisimporte zu ersetzen, «aber bis zu 30 Prozent können von Brasilien, Argentinien und anderen Ländern gekauft werden», sagte er zur FT.

Schweinefleisch

Während Mexiko mit Zöllen auf US-Mais noch zuwartet, greift das Land bei anderen Gütern durch. So verhängte es Einfuhrzölle von 20 Prozent auf Schweinefleisch aus den USA. Auch in China wird amerikanisches Schweinefleisch seit April mit Zöllen belastet. Die Folgen davon sind auf der anderen Seite des Atlantiks spürbar: in Deutschland.

Laut der mexikanischen Regierung wurde im Juni zum ersten Mal deutsches Schweinefleisch nach Mexiko geliefert. Gemäss Analysten gehen zudem die US-Lieferungen nach China zurück. China sei bei weitem der grösste Produzent, Konsument und Importeur von Schweinefleisch. Deutschland wiederum ist nach den USA der grösste Exporteur – der nun vom Handelsstreit profitieren könnte. (fko)

Erstellt: 05.07.2018, 15:38 Uhr

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