Zum Hauptinhalt springen

Das Wachstum ist nur auf den ersten Blick beruhigend

Die Schweizer Wirtschaft ist im dritten Quartal stärker als zuvor gewachsen. Mit Blick auf die Zahlen im Detail gibt es noch keinen Grund zur Euphorie.

Die Schweizer Wirtschaft wächst vor allem dank den Exporten der Pharmabranche. Foto: Keystone
Die Schweizer Wirtschaft wächst vor allem dank den Exporten der Pharmabranche. Foto: Keystone

Um 0,4 Prozent ist die Schweizer Wirtschaft im dritten Quartal des laufenden Jahres gewachsen. Das ist für sich gesehen eine überaus positive Botschaft. Gemessen an den vielen Anzeichen für eine aufkommende Krise, wie sie in den letzten Monaten debattiert wurden, ist die Zahl beruhigend. Immerhin liegt das Wachstum höher als im zweiten Quartal, als das Bruttoinlandprodukt der Schweiz 0,3 Prozent zugelegt hat.

Ein genauer Blick auf die Treiber der jüngsten Entwicklung mahnt hingegen zur Vorsicht bei der Interpretation. Zum einen verdankt sich das Wachstum vor allem den Exporten der Pharmabranche und einem historischen Rekord bei Energieausfuhren. Ohne diese beiden Effekte hätte die Schweizer Wirtschaft im dritten Quartal stagniert. Anders gesagt, ändern die 0,4 Prozent Wachstum im dritten Quartal nichts am Gesamtbild der deutlichen Abschwächung der Schweizer Konjunktur – die sich im Einklang mit den übrigen grossen Regionen in der Weltwirtschaft abspielt.

Inländische Nachfrage hinkt

Die heute vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) gelieferten Zahlen sind auch sonst nicht nur positiv: Denn unterdurchschnittlich entwickelt hat sich im dritten Quartal die inländische Nachfrage: Das betrifft den Konsum und die Dienstleistungen. Das sind ausgerechnet jene Bereiche, die bisher und auch für die weitere Zukunft als die entscheidenden Stützen der inländischen Konjunktur gelten.

Aus den jüngsten Daten zu viel lesen zu wollen, wäre aber voreilig. Dafür schwanken Zahlen zum Quartalswachstum zu stark und werden oft im Nachhinein revidiert. Dass zum Beispiel die Investitionen der Unternehmen überraschend deutlich zugelegt haben – sie entwickelten sich bisher eher schwach –, reicht ebenfalls nicht, um einen Trendwechsel zu verkünden.

Zurückhaltung wegen USA-China-Beziehung

Als wichtige Gründe für die Abschwächung der schweizerischen Wirtschaft und die Ängste vor einer schwereren Krise werden vor allem die gedämpfte Entwicklung in unseren wichtigsten Absatzregionen genannt und der Handelskrieg zwischen den USA und China, der sich auch auf Europa ausdehnen könnte.

Die Zahlen bestätigen einzig das Bild einer deutlichen Abschwächung der Wirtschaft.

Diese Gründe veranlassen die Unternehmen zur Zurückhaltung bei den Investitionen, und sie verstärken den Rückgang des Welthandels. Betroffen von beidem waren in der Schweiz und weltweit vor allem exportierende Industrieunternehmen. Für die Konsumlaune im Inland hatte das bisher kaum Folgen.

Die jüngsten Zahlen zur Schweizer Wirtschaft liefern keinen Grund, die bestehenden Sorgen in den Wind zu schlagen – aber auch keinen für die Erwartung einer Krise. Sie bestätigen einzig das Bild einer deutlichen Abschwächung der Wirtschaft. Und sie zeigen ebenfalls einmal mehr, dass Prognosen aktuell mit einer besonders grossen Unsicherheit verbunden sind.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch