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Der blinde Fleck in Trumps Aussenhandelsanalyse

Ziel des US-Präsidenten ist ein Ende der US-Defizite im Aussenhandel. Angesichts der Bedeutung des amerikanischen Kapitalmarkts wird er das nicht erreichen können.

Markus Diem Meier
Liefern sich einen erbitterten Handelskrieg: Chinas Staatschef Xi Jinping und Donald Trump bei einem Treffen in Peking. (Archivbild)
Liefern sich einen erbitterten Handelskrieg: Chinas Staatschef Xi Jinping und Donald Trump bei einem Treffen in Peking. (Archivbild)
AP Photo/Andy Wong, Keystone
Bei den von den Zöllen betroffenen Gütern geht es um Lebensmittel, Chemieprodukte oder Verbraucherprodukte von Hundefutter über Möbel bis hin zu Autoreifen, Baseball-Handschuhen und Kosmetik.
Bei den von den Zöllen betroffenen Gütern geht es um Lebensmittel, Chemieprodukte oder Verbraucherprodukte von Hundefutter über Möbel bis hin zu Autoreifen, Baseball-Handschuhen und Kosmetik.
Chinatopix via AP, Keystone
Trump schlug am Mittwoch vor, chinesische Einfuhren im Wert von 200 Milliarden Dollar mit einem Zollsatz von 25 Prozent zu belegen. Bislang war von zehn Prozent Zoll die Rede.
Trump schlug am Mittwoch vor, chinesische Einfuhren im Wert von 200 Milliarden Dollar mit einem Zollsatz von 25 Prozent zu belegen. Bislang war von zehn Prozent Zoll die Rede.
AFP
Da waren sie noch nett zueinander: Chinas Staatschef Xi Jinping (r.) und Donald Trump in Mar-a-Lago.
Da waren sie noch nett zueinander: Chinas Staatschef Xi Jinping (r.) und Donald Trump in Mar-a-Lago.
Alex Brandon/AP, Keystone
Seine Liste wird nun einem 30-tägigen Prüfprozess unterzogen: US-Handelsbeauftragter Robert Lighthizer (vorne). (Archivbild)
Seine Liste wird nun einem 30-tägigen Prüfprozess unterzogen: US-Handelsbeauftragter Robert Lighthizer (vorne). (Archivbild)
Evan Vucci, Keystone
Erster Schritt: Donald Trump nach der Unterzeichnung des Beschlusses von Importzöllen auf Aluminium und Stahl. (8. März 2018)
Erster Schritt: Donald Trump nach der Unterzeichnung des Beschlusses von Importzöllen auf Aluminium und Stahl. (8. März 2018)
Susan Walsh/AP, AFP
Als Reaktion hat auch die EU eine Liste mit US-Waren erstellt, die sie ihrerseits mit Aufschlägen belegen könnte. EU-Kommissarin Marianne Thyssen und EU-Kommissar für Wirtschaft und Finanzen Pierre Moscovici in Brüssel. (7. März 2018)
Als Reaktion hat auch die EU eine Liste mit US-Waren erstellt, die sie ihrerseits mit Aufschlägen belegen könnte. EU-Kommissarin Marianne Thyssen und EU-Kommissar für Wirtschaft und Finanzen Pierre Moscovici in Brüssel. (7. März 2018)
Aris Oikonomou, AFP
Darauf steht zum Beispiel Whiskey aus den USA. Ein Angestellter einer Destillerie in Lynchburg im US-Bundesstaat Tennessee rollt ein Fass in einem Whiskey-Lager. (Archivbild)
Darauf steht zum Beispiel Whiskey aus den USA. Ein Angestellter einer Destillerie in Lynchburg im US-Bundesstaat Tennessee rollt ein Fass in einem Whiskey-Lager. (Archivbild)
John Russell/AP, Keystone
Motorräder, wie die Maschinen von Harley-Davidson, schlagen mit 152 Millionen Euro zu Buche.
Motorräder, wie die Maschinen von Harley-Davidson, schlagen mit 152 Millionen Euro zu Buche.
Mohssen Assanimoghaddam, Keystone
Die US-Zölle betreffen 818 Produkte: Börsenhändler in Peking. (6. Juli 2018)
Die US-Zölle betreffen 818 Produkte: Börsenhändler in Peking. (6. Juli 2018)
Jason Lee, Reuters
Donald Trump hat angekündigt, schon nächste Woche Strafzölle für Stahl- und Aluminiumimporte zu verhängen.
Donald Trump hat angekündigt, schon nächste Woche Strafzölle für Stahl- und Aluminiumimporte zu verhängen.
Evan Vucci, AFP
Laut Jean-Claude Juncker lässt sich die EU Trumps Vorgehen nicht bieten. (1. März 2018)
Laut Jean-Claude Juncker lässt sich die EU Trumps Vorgehen nicht bieten. (1. März 2018)
Vassil Donev/EPA, Keystone
Deshalb bereitet die EU ihrerseits einen Gegenschlag vor. (Archiv)
Deshalb bereitet die EU ihrerseits einen Gegenschlag vor. (Archiv)
Elvis Barukcic, AFP
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Die Spirale im Handelskrieg dreht sich weiter. Erst gestern hat Donald Trump, wie schon früher angedroht, weitere Strafzölle von 25 Prozent auf chinesische Produkte im Umfang von 16 Milliarden Dollar auf den 23. August angekündigt. Die gesamten mit solchen Strafzöllen belegten Importe aus China in die USA betreffen dann 50 Milliarden Dollar. Trump hat bereits angedroht, höhere Zölle sogar auf sämtlichen Importen aus China im Wert von 500 Milliarden Dollar zu verhängen.

Trump stört sich besonders an den Handelsüberschüssen, die China gegenüber den USA aufweist. Für ihn sind sie Ausdruck eines unfairen Verhaltens der Chinesen, indem sie US- und andere westliche in China tätige Unternehmen benachteiligen: einerseits durch hohe Zölle, weitere Schikanen und vor allem auch, weil sie ihre geistigen Eigentumsrechte missachten. Das heisst, sie verlangen, dass die Unternehmen ihre technologischen Prozesse und Fähigkeiten faktisch der chinesischen Konkurrenz preisgeben.

Dieser Vorwurf trifft zu, er steht deutlich länger schon im Raum, als Donald Trump Präsident der USA ist. Auch die Europäer und Schweizer Unternehmen stören sich daran. Doch mit seinen Massnahmen gegen China wird Trump sein Ziel eines ausgeglichenen Aussenhandels nicht erreichen – auch wenn die Chinesen sich ab sofort wie Musterschüler an Fairness verhalten würden. Dasselbe gilt für die Aussenhandelsdefizite der USA gegenüber Europa.

Neue Eskalationsstufe: Washington verlangt Strafzölle auf chinesische Waren, China droht mit einem «Gegenangriff» – Handelsschiff in Qingdao.
Neue Eskalationsstufe: Washington verlangt Strafzölle auf chinesische Waren, China droht mit einem «Gegenangriff» – Handelsschiff in Qingdao.
AFP
Da waren sie noch nett zueinander: Chinas Staatschef Xi Jinping (r.) und Donald Trump in Mar-a-Lago.
Da waren sie noch nett zueinander: Chinas Staatschef Xi Jinping (r.) und Donald Trump in Mar-a-Lago.
Alex Brandon/AP, Keystone
Seine Liste wird nun einem 30-tägigen Prüfprozess unterzogen: US-Handelsbeauftragter Robert Lighthizer (vorne). (Archivbild)
Seine Liste wird nun einem 30-tägigen Prüfprozess unterzogen: US-Handelsbeauftragter Robert Lighthizer (vorne). (Archivbild)
Evan Vucci, Keystone
Gegenschlag: Wegen des Handelskonfliktes erhebt China Zölle auf amerikanische Waren mit einem Wert von bis zu drei Milliarden Dollar.
Gegenschlag: Wegen des Handelskonfliktes erhebt China Zölle auf amerikanische Waren mit einem Wert von bis zu drei Milliarden Dollar.
Chinatopix via AP, Keystone
Betroffen sind US-Produkte wie Schweinefleisch, Früchte und Wein.
Betroffen sind US-Produkte wie Schweinefleisch, Früchte und Wein.
Chinatopix via AP, Keystone
Erster Schritt: Donald Trump nach der Unterzeichnung des Beschlusses von Importzöllen auf Aluminium und Stahl. (8. März 2018)
Erster Schritt: Donald Trump nach der Unterzeichnung des Beschlusses von Importzöllen auf Aluminium und Stahl. (8. März 2018)
Susan Walsh/AP, AFP
Als Reaktion hat auch die EU eine Liste mit US-Waren erstellt, die sie ihrerseits mit Aufschlägen belegen könnte. EU-Kommissarin Marianne Thyssen und EU-Kommissar für Wirtschaft und Finanzen Pierre Moscovici in Brüssel. (7. März 2018)
Als Reaktion hat auch die EU eine Liste mit US-Waren erstellt, die sie ihrerseits mit Aufschlägen belegen könnte. EU-Kommissarin Marianne Thyssen und EU-Kommissar für Wirtschaft und Finanzen Pierre Moscovici in Brüssel. (7. März 2018)
Aris Oikonomou, AFP
Darauf steht zum Beispiel Whiskey aus den USA. Ein Angestellter einer Destillerie in Lynchburg im US-Bundesstaat Tennessee rollt ein Fass in einem Whiskey-Lager. (Archivbild)
Darauf steht zum Beispiel Whiskey aus den USA. Ein Angestellter einer Destillerie in Lynchburg im US-Bundesstaat Tennessee rollt ein Fass in einem Whiskey-Lager. (Archivbild)
John Russell/AP, Keystone
Motorräder, wie die Maschinen von Harley-Davidson, schlagen mit 152 Millionen Euro zu Buche.
Motorräder, wie die Maschinen von Harley-Davidson, schlagen mit 152 Millionen Euro zu Buche.
Mohssen Assanimoghaddam, Keystone
Donald Trump hat angekündigt, schon nächste Woche Strafzölle für Stahl- und Aluminiumimporte zu verhängen.
Donald Trump hat angekündigt, schon nächste Woche Strafzölle für Stahl- und Aluminiumimporte zu verhängen.
Evan Vucci, AFP
Laut Jean-Claude Juncker lässt sich die EU Trumps Vorgehen nicht bieten. (1. März 2018)
Laut Jean-Claude Juncker lässt sich die EU Trumps Vorgehen nicht bieten. (1. März 2018)
Vassil Donev/EPA, Keystone
Deshalb bereitet die EU ihrerseits einen Gegenschlag vor. (Archiv)
Deshalb bereitet die EU ihrerseits einen Gegenschlag vor. (Archiv)
Elvis Barukcic, AFP
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Die missachteten Kapitalbeziehungen

Der US-Präsident betrachtet nur die eine Seite der wirtschaftlichen Verflechtung mit dem Ausland: jene der Handelsbeziehungen mit Gütern und Dienstleistungen. Die andere, mindestens ebenso wichtige Seite ist jene der Kapitalbeziehungen. Eine nähere Betrachtung erklärt, warum diese Seite die grössere Bedeutung für die Aussenhandelsdefizite hat als Zölle und unfaires Verhalten von Handelspartnern.

Ein Handelsdefizit bedeutet, dass im Inland mehr verbraucht wird, als ein Land selbst herstellt. Ein solches Defizit kann daher nur entstehen, wenn andere Handelspartner entsprechende Überschüsse haben, also bei sich weniger verbrauchen, als sie herstellen.

Vonseiten der Kapitalseite der Aussenhandelsbilanz (Zahlungsbilanz) sieht das so aus: Das Land mit den Überschüssen spart mehr, als es investiert – wobei die Ersparnisse gesamtgesellschaftlich definiert sind als der Überschuss des Gesamtprodukts über dem Konsum. Das heisst, ein Nettoexportüberschuss ist nur möglich, wenn die Inländer nicht alles schon im Inland verbraucht haben, was hergestellt wurde. Anhaltende Überschüsse bedeuten aber auch, dass ein Teil der Einkommen aus dem im Inland hergestellten Gesamtprodukt im Ausland als Kapitalanlage verbleibt und nicht zur Finanzierung von entsprechenden Importen verwendet wird. Anhaltende Leistungsbilanzüberschüsse eines Landes gehen deshalb immer einher mit Kapitalexportüberschüssen.

Anlageparadies USA

Umgekehrt verhält es sich bei einem Land mit Aussenhandelsdefiziten wie den USA: Ein solches Land verbraucht mehr, als es selbst herstellt. Deshalb ist es auch auf einen Nettokapitalimport aus dem Ausland angewiesen, um den Konsum und die Investitionen im Inland zu bezahlen, weil dafür die im Inland erzielten Einkommen nicht ausreichen.

Der Kapitalverkehr ist aber nicht bloss die Folge der Handelsströme. Er kann auch ihre Ursache sein – und das ist zum Verständnis des US-Aussenhandelsdefizits zentral. Die USA haben den mit Abstand grössten und am weitesten entwickelten Kapitalmarkt der Welt – und mit dem Dollar auch noch die Leitwährung der Welt. Die Folge davon ist, dass die ganze Welt Kapitalanlagen in den USA tätigen will und auch tätigt – mehr als die USA an Kapital ins Ausland transferieren. Damit finanziert die Welt in den USA einen Verbrauch, der die dort erzielten Einkommen übersteigt und zum Aussenhandelsdefizit führt. Und andere Länder können wie gezeigt nur Kapitalüberschüsse gegenüber den USA erzielen, wenn sie auch Aussenhandelsüberschüsse erzielen.

Der Umstand, dass die USA der Sparhafen der Welt sind, ist auch gleichbedeutend damit, dass sich die USA gegenüber dem Ausland immer stärker verschulden; deshalb ist zum Beispiel China zum grössten Gläubiger der US-Regierung geworden. Wollen die USA einer höheren Verschuldung aus dem Weg gehen, müssten sie eine höhere Arbeitslosigkeit in Kauf nehmen. Der in Peking lehrende US-Ökonom Michael Pettis erklärt das so: «Ein Land ist entweder mit einer höheren Arbeitslosigkeit konfrontiert, oder es muss zulassen, dass die Verschuldung schnell genug ansteigt, um das Beschäftigungswachstum im Dienstleistungssektor und in den nicht handelbaren Sektoren der Wirtschaft zu finanzieren, um den Verlust von Arbeitsplätzen im verarbeitenden Gewerbe und bei den handelbaren Gütern angesichts der Konkurrenz durch ausländische Produkte auszugleichen.»

Fazit: Donald Trump hat recht, dass die anhaltenden Aussenhandelsdefizite für die USA ein Problem darstellen. Doch solange die ganze Welt mehr Kapital in die USA bringt, als sie von ihnen bezieht, wird sich daran nichts ändern. Um hier eine echte Änderung zu erreichen, brauchte es eine Form von internationaler Zusammenarbeit, die nicht existiert. Die andere Möglichkeit ist ein Rückgang der Globalisierung, der auch zu geringeren Kapitalströmen führen würde. Mit höheren Zöllen allein kann Trump so lange nichts ausrichten, wie die Amerikaner weiterhin mehr verbrauchen, als sie einnehmen, und solange die übrige Welt das mit Kapitalüberschüssen willig zu finanzieren bereit ist.

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