Der Kater als Börsenprofi

Regelmässig schlagen Tiere die ausgekochtesten Finanzprofis. Eine Studie erklärt nun, warum.

Ist am Ende alles Zufall? Passanten betrachten an der Zürcher Bahnhofstrasse die Aktienkurse. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Ist am Ende alles Zufall? Passanten betrachten an der Zürcher Bahnhofstrasse die Aktienkurse. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In einem berühmten Investmentwettbewerb liess die Zeitung «Observer» 2012 drei Teams gegen­einander antreten. Jedes erhielt 5000 Pfund als Startkapital. Das erste Team bestand aus professionellen Fondsmanagern. Das zweite Team aus Studenten. Das dritte Team aus Orlando: einem rot getigerten Kater. Jedes Team war berechtigt, alle drei Monate das Portfolio umzuschichten. Der Kater Orlando tat das, indem er seine Lieblingsspielzeugmaus auf ein Zahlenbrett warf.

Nach drei Monaten führten die Profis: mit 497 Pfund Profit vor Orlando mit 292 Pfund. Doch durch einen atemberaubenden Schlussspurt im vierten Quartal siegte am Jahresende der Kater mit 542 Pfund Gewinn vor den Profis mit 176. Die Studenten machten 160 Pfund Verlust.

Ein Kommentator schrieb, dieses Ergebnis zeige, dass entweder a) alles Zufall sei oder b) die Katzen bald alles Geld hätten und die Weltherrschaft übernehmen würden.

Eine neuere Studie jedoch legt nahe, dass c) das Ergebnis alles andere als überraschend war. Schon 1973 hatte der Princeton-Professor Burton Malkiel die These aufgestellt, Aktienkurse bewegten sich zufällig. Und dass ein Affe, der mit Dartpfeilen auf eine Liste mit Börsenkursen warf, jeden professionellen Händler schlage.

Das prüfte die Cass Business School in London nach. Sie liess eine Armee von Affen, also vom Computer zufällig ausgewählte Aktien, im 40-Jahres-Vergleich gegen die populärsten Indexe antreten. Die Ergebnisse waren, wie der Studienleiter schrieb, «schockierend». Hätte man von 1968 bis 2012 Jahren 1000 Dollar auf Indexe gesetzt, hätte man 48'000 Dollar gewonnen. Dagegen erzielten 75 Prozent der Affen 87'000 Dollar und mehr.

Begründet wurde das damit, dass Affen und Katzen weit besser diversifizierten als Menschen: Sie nehmen auch kleine oder schlecht laufende Aktien. Und vermeiden so die Herde.

Was tun? Die Hauskatze holen und an die Börse gehen? Der Haken ist: Ein genug grosses Depot mit 1000 Titeln würde etwa 1 Million Dollar kosten. Der Zufall bleibt der Diener der Reichen. Nur sie können ihn sich leisten.

Erstellt: 05.08.2016, 22:59 Uhr

Artikel zum Thema

Nationalrat will Tochterfirma der Börse verstaatlichen

Der Finanzdienstleister SIX hat ein erfolgreiches Grundbuchportal entwickelt. Dies, nachdem der Bund mit einem ähnlichen Projekt gescheitert ist. Mehr...

Britische Börse steckt Brexit-Schock weg

An der Londoner Aktienbörse stehen trotz schlechter Wirtschaftsprognosen die Aktienkurse schon wieder höher als vor dem Ja zum EU-Austritt. Was ist passiert? Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Wollen Sie einen echten Cyborg treffen?

Ihnen gehen Technik und Innovation unter die Haut? Gewinnen Sie 2x2 VIP-Tickets für die Volvo Art Session.

Kommentare

Blogs

Beruf + Berufung Wo digitale Nomaden der Einsamkeit entkommen

Geldblog PK-Vorbezug: Bedenken Sie die Folgen!

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...