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Der reichste Ire ist pleite

Der 64-jährige Sean Quinn war einst Irlands reichster Mann. Nun musste er Insolvenz anmelden. Eine Spekulation hatte ihm das Genick gebrochen.

Verstaatlicht: Eine Filiale der Anglo Irish Bank in Belfast im Jahr 2009. Heute nennt sich das Finanzinstitut Irish Bank Resolution Corporation.
Verstaatlicht: Eine Filiale der Anglo Irish Bank in Belfast im Jahr 2009. Heute nennt sich das Finanzinstitut Irish Bank Resolution Corporation.
Keystone

Der Ire Sean Quinn besass auf dem Höhepunkt seiner Karriere, in der Zeit des irischen Booms 2008, ein Vermögen über 4,7 Milliarden Euro. Aus einem Steinbruchunternehmen hatte der 64-Jährige einen global agierenden Versicherungs- und Immobilienkonzern gemacht. Über 5500 Mitarbeiter beschäftigte die Quinn Group in Irland, Nordirland und Russland.

Sean Quinn war der reichste Mann der Insel. Die Iren verehrten ihn, weil er Tausende von Arbeitsplätzen geschaffen hatte. Drei Jahre später hat er alles verloren. Der Unternehmer hat in Belfast Insolvenz angemeldet. «Ihm bleibt so gut wie nichts mehr», bestätigte sein Anwalt. Das Wirtschaftsmagazin «Forbes» hat Quinn als einen der grössten privaten Verlierer der Finanzkrise bezeichnet.

Das fatale Investment

Eine Beteiligung an der Anglo Irish Bank hatte dem 64-jährigen Sean Quinn das Genick gebrochen. Dabei investierte er gemäss «Forbes» massiv in die Bank, indem er gleichzeitig Geld von ihr lieh. Riskante Finanzinstrumente halfen ihm seinen Aktienanteil stark zu erhöhen.

Nur wenig später ging die Anglo Irish Bank an faulen Hauskrediten zugrunde. Die Bank hatte sich 2010 mit 17,6 Milliarden Euro den höchsten Fehlbetrag der irischen Wirtschaftsgeschichte eingebrockt. Irland musste in der Folge das Finanzinstitut für 30 Milliarden Euro verstaatlichen und die Hilfe des Euro-Rettungsschirms beanspruchen. Seit 2011 tätigt die Anglo Irish Bank ihre Geschäfte unter dem Namen Irish Bank Resolution Corporation (IBRC) ab.

Heute fordert die Bank von Quinn und seiner Familie 2,9 Milliarden Euro ein. «Er hat keine Möglichkeit, die Schulden zu bedienen», sagt Quinns Anwalt. «Ihm bleibt nur ein minimales Vermögen.» Schon vor einem halben Jahr wurde ihm die Leitung der Quinn Group entzogen, die selbst bei IBRC in der Kreide steht.

Rechtsstreit mit offenem Ausgang

Quinn hat sein Büro inzwischen in einer ausgedienten Pneu-Fabrik in Belturbet, nur unweit der nordirischen Grenze, wie der «Irish Independent» berichtet. Hier kämpft er gegen die Ansprüche der Irish Bank Resolution Corporation (IBRC) und damit des irischen Staates. Gemäss eigenen Aussagen schulde er der Bank keinen Milliardenbetrag. Er spricht von Verbindlichkeiten über 194 Millionen Euro.

Dem 64-Jährigen geht es auch darum, sich möglichst schadlos aus der Schlinge zu ziehen. So strebt er die Abwicklung der Insolvenz in Nordirland an. Denn hier könnte er gemäss der «Financial Times Deutschland» innerhalb eines Jahres wieder unternehmerisch tätig werden. In der Republik Irland hingegen wäre dies erst 12 Jahre nach einem Bankrott wieder möglich. Die IBRC will Sean Quinn unter allen Umständen in Irland zur Verantwortung ziehen.

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