Der SMI klettert erstmals über 10'000 Punkte

Der wichtigste Schweizer Börsenindex hat eine historische Rekordmarke erreicht. Die Gründe für den Boom.

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Der Rekord ist geknackt. Der Swiss-Market-Index (SMI) ist um exakt 16.30 Uhr erstmals über 10'000 Punkte geklettert. Dabei sah es vor wenigen Wochen noch nicht so aus, als ob neue Rekordniveaus an den Börsen bald in Reichweite wären. US-Präsident Donald Trump beendete per Tweet die Handelsgespräche mit China und schickte so die Märkte auf Talfahrt. Zudem droht sich die globale Konjunktur abzuschwächen.

Die Händler zeigen sich jedoch davon unbeeindruckt. Der Boom wird weiter von den Notenbanken angetrieben. Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank, schloss jüngst weitere Stimuli für die Wirtschaft nicht aus. Zudem heizt die Aussicht auf eine expansive Politik der US-Notenbank Fed die Börsenhausse an. Marktbeobachter glauben, dass sie die Zinsen in diesem Jahr senken könnte, um so der Wirtschaft unter die Arme zu greifen. Das führt dazu, dass fast alle Anlageklassen in diesem Jahr stark zugelegt haben.

Um exakt 16.30 Uhr ist der SMI erstmals auf über 10'000 Punkte gestiegen. Chart: Finanz und Wirtschaft

Für die Schweizer Wirtschaft sind die Aussichten zudem gut. Diesen Schluss lässt eine Umfrage der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich bei Schweizer Ökonomen zu. Sie gehen davon aus, dass die Wirtschaft stärker wächst als bislang angenommen und dass sich der Zuwachs im nächsten Jahr noch verstärken könnte. Von der guten Basis profitieren die Aktienmärkte. Gleichzeitig suchen die Schweizer Profianleger immer riskantere Anlagen, um noch eine Rendite zu erzielen, berichtet ein hochrangiger Banker. Dabei setzen sie zunehmend auf Private Equity, also auf ausserbörsliche Firmenbeteiligungen.

Ein Blick zurück zeigt: Der SMI steigt zwar langfristig, aber er ist auch heftigen Ausschlägen unterworfen. 1988 wurde der Börsenindex lanciert. Schon kurz darauf erlebte er seinen ersten Crash: Im Oktober 1989 litt die Schweizer Börse mit etwas Verspätung unter dem US-Börsenabsturz «Black Friday». Der SMI gab um mehr als 10 Prozent nach und erlebte gleich seinen grössten Tagesverlust. Einschneidend waren auch das Platzen der Dotcom-Blase und die Folgen der Finanzkrise. Damals erlitten die Börsen aber keine Rekordverluste an einem einzelnen Tag, stattdessen sackten die Bewertungen über Monate in den Keller.

Seither haben sich die Börsenkurse aber wieder deutlich erholt. Das grösste Tagesplus erzielte der SMI mitten in der Finanzkrise. Am 13. Oktober 2008 kündigte die US-Regierung an, die Banken zu stützen. Der Schweizer Leitindex legte in der Folge um mehr als 11 Prozent zu. Die Notenbanken haben seither eine expansive Geldpolitik verfolgt. So wurden die Auswirkungen der Finanzkrise eingedämmt und der Grundstein für die aktuelle Börseneuphorie gelegt.

Doch noch vor wenigen Monaten sah es nicht so aus, als ob der SMI bald neue Rekorde erreichen könnte. Ende Dezember 2018 sackte der SMI auf 8100 Punkte ab. Seither setzte eine Erholung ein. Die Experten werden aber wieder vorsichtiger. Die Analysten der Bank Mirabaud schreiben, dass die Händler derzeit eher auf die Hoffnung als auf die Realität setzen würden. Die Experten der Credit Suisse mahnen ebenfalls zur Vorsicht: «Allerdings veranlassen uns die Verlangsamung des globalen Wachstums und die durch die US-amerikanische Handelspolitik entstandenen Unsicherheiten dazu, das Risiko in unseren Portfolios zu reduzieren.» Das heisst, sie setzen auf Anlagen, die von einem möglichen Abschwung weniger stark betroffen wären.

Vor vier Jahren sagte der damalige Julius-Bär-Chefökonom Burkhard Varnholt voraus, dass der SMI auf 20'000 Punkte klettern könnte. Dies, weil die expansive Geldpolitik die Märkte antreiben würde. Zugegeben, bis dahin ist es noch ein weiter Weg, doch mit der 10'000-Punkte-Marke ist die nächste Etappe geschafft.

Erstellt: 18.06.2019, 16:30 Uhr

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