«Der Weg aus der Talsohle hat erst begonnen»

Der Geschäftslage der Schweizer Firmen hat im Oktober leichten Auftrieb erhalten. Bei den einzelnen Branchen gibt es aber massive Unterschiede.

In der Industrie hat sich die graduelle Erholung der Geschäftslage fortgesetzt: Ein Mitarbeiter schneidet Profile aus Verbundwerkstoffen zurecht. (20. November 2012)

In der Industrie hat sich die graduelle Erholung der Geschäftslage fortgesetzt: Ein Mitarbeiter schneidet Profile aus Verbundwerkstoffen zurecht. (20. November 2012) Bild: Stefan Deuber/Keystone

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Die Frankenstärke macht den Unternehmen zu schaffen. Zwar hat sich die Geschäftslage der Firmen in der Schweiz im Oktober verglichen mit dem Vormonat leicht verbessert. Sie ist aber immer noch deutlich weniger günstig als zur gleichen Zeit des Vorjahres.

Im Hinblick auf die kommenden sechs Monate ist in den Geschäftserwartungen der Unternehmen verhaltene Zuversicht zu erkennen, wie die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) vor den Medien in Zürich bekannt gab. Mit einer weiteren Verschlechterung der Geschäfte würden die Befragungsteilnehmer insgesamt nicht rechnen.

«Der Weg aus der Talsohle hat für die Schweizer Wirtschaft aber erst begonnen», schreibt die KOF. «Die Wirtschaft in der Schweiz leidet doch noch recht stark unter dem Frankenschock», sagte KOF-Ökonom Klaus Abberger. Die Lage habe sich in Zürich und in der Nordwestschweiz etwas verbessert. Dagegen habe sie sich in der Ostschweiz und im Mittelland im Oktober etwas verschlechtert.

Graduelle Erholung

In der Industrie habe sich die graduelle Erholung der Geschäftslage im Oktober fortgesetzt. Der Tiefpunkt in der Lagebeurteilung war bisher im Juni dieses Jahres. Seither habe sich der Pessimismus leicht reduziert. «Fast 30 Prozent sagten, die Lage sei schlecht. Man ist daran, sich herauszuarbeiten», sagte Abberger.

Die leichte Erholung komme aus der binnenorientierten Industrie. «Die Exportindustrie hat nach wie vor Probleme», sagte Abberger. Da würde eine etwas günstigere Weltwirtschaft helfen.

Die Entwicklung war im Oktober in den Branchen jedoch nicht einheitlich. Im Maschinen- und Fahrzeugbau verschlechterte sich die Situation zum ersten Mal seit vier Monaten wieder. Auch im Nahrungsmittelsektor ging es bergab.

Kein Stellenabbau

Dagegen berichten die Metallunternehmen sowie die Chemie- und Kunststoffbranche von einer Verbesserung der Lage im Oktober. Im Vergleich zur Situation vor der Aufhebung der Frankenuntergrenze im Januar beurteilen jedoch fast alle Branchen ihre Lage als schlechter. Die Kapazitätsauslastung sei unterdurchschnittlich, sagte Abberger. Deshalb sei die Bereitschaft zu neuen Investitionen geringer geworden.

Es dürfte zu einem weiteren Stellenabbau in der Industrie kommen. Ein Fünftel der Firmen sagte, die Personalzahlen würden sinken, lediglich 4 Prozent wollten Stellen aufbauen, sagte Abberger. Es sei aber mit keinem Kahlschlag zu rechnen.

Bauboom vorbei

Im Baugewerbe und Projektierungssektor habe sich die Geschäftslage im Oktober uneinheitlich entwickelt. Während sich die Lage bei den Projektierungsbüros etwas verbessert habe und überwiegend gut sei, habe sich die Situation im Baugewerbe spürbar abgekühlt.

Tendenziell würden die Baufirmen ihre Lage als befriedigend einschätzen, nachdem sie sie früher als gut bezeichnet hatten. «Die Lage ist nicht mehr so prächtig, wie sie mal war», sagte Abberger. Die vorhandenen Aufträge würden eher gestreckt.

Überraschung in der Gastronomie

Im Detailhandel ist die Geschäftslage weniger ungünstig als bis anhin. «Wir sind immer noch im Tal, aber der erste Schritt nach oben ist gemacht», sagte Abberger. Im Gastgewerbe habe sie sich aufgehellt. Das sei überraschend. Bei der Gastronomie habe es eine kräftige Erholung seit Januar gegeben im Gegensatz zu den Hoteliers, die weiter leiden würden.

Im Finanzsektor gebe es keinen sichtbaren Frankenschock, sagte Abberger. Bei Banken und Versicherungen seien Geschäftslage und Geschäftserwartungen positiv. Bei den Dienstleistungen zeige sich Licht am Ende des Tunnels. «Man ist aber noch im Tunnel drin.» Es dürften noch Stellen abgebaut werden. (dia/sda)

Erstellt: 03.11.2015, 13:35 Uhr

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