Zum Hauptinhalt springen

Die Anleger bleiben unbeeindruckt vom Stillstand in Washington

Die USA stehen nun ohne Budget da, der Weltwirtschaft droht Schaden. Dies lässt den Dollar in den Keller rasseln, der Franken gewinnt an Wert. An der Schweizer Börse sind Bankaktien und Roche gesucht.

Der Stillstand in weiten Teilen der amerikanischen Verwaltung hat die Schweizer Börse wenig beeindruckt. Die Anleger erwarten eine baldige Einigung zwischen Demokraten und Republikanern im US-Haushaltsstreit sowie eine weitere Anhebung der Schuldenobergrenze.

Der SMI notierte gegen 11.30 Uhr um 0,2 Prozent höher auf 8035 Punkten. Am Vortag hatte der Schwergewichteindex um 0,4 Prozent nachgegeben.

Gesucht waren an der Schweizer Börse vor allem die Aktien der Banken und der Genussschein des Pharmariesen Roche, der vor Investoren die Entwicklung bei Wirkstoffen informierte. Der «Roche-Bon» hatte zeitweise um 0,9 Prozent an Wert zugelegt.

Die Titel von Credit Suisse stiegen um 2,4 Prozent, während die Aktien der UBS um 1,1 Prozent zulegten. Die Anteilsscheine von Julius Bär gewannen 2,4 Prozent an Wert. Die Versicherungen tendierten mehrheitlich ebenfalls fester, hinkten den Bankaktien aber hinterher.

Stillstand erwartet

Der Stillstand in der US-Verwaltung als Folge des ungelösten Haushaltsstreits kommt für die Anleger nicht unerwartet. Laut der Analyse der Liechtensteiner VP Bank droht das eigentliche Ungemach Mitte Oktober. Zu diesem Zeitpunkt dürfte die gesetzlich festgelegte Schuldenobergrenze von 16,7 Billionen Dollar erreicht werden.

«Haben sich die zerstrittenen Lager bis dahin auf keine Anhebung geeinigt, droht die Zahlungsunfähigkeit der USA», schreibt die VP Bank. Da ein Zahlungsausfall der grössten Volkswirtschaft der Welt weder im Sinne der Republikaner noch im Sinne der Demokraten sein könne, dürfte in allerletzter Sekunde eine Einigung gefunden werden. «Von diesem Szenario gehen auch die Finanzmärkte aus.»

Blick auf Italien

Weitere Impulse dürften von der Entwicklung der Regierungskrise in Italien ausgehen. Dort stellt sich die Regierung Letta am Mittwoch einer Vertrauensabstimmung. Allerdings beschäftigen die Börsen eher die Unternehmen und weniger das politische Umfeld.

Der Titel von Novartis notierte unverändert. Dem Basler Pharmakonzern drohen Probleme im wichtigen japanischen Markt. Die Nestlé-Aktie büsste ein halbes Prozent ein. Der Nahrungsmittelkonzern hält ein Investorenseminar ab.

Dollar fällt unter 90 Rappen

Der Zwist im US-Kongress drückt den Wert des Dollars. Das spürt auch der Franken: Kurz vor neun Uhr erreichte die amerikanische Währung ihren tiefsten Stand zum Schweizer Franken seit dem Februar 2012. Der Dollar fiel bis auf 89.92 Rappen und damit unter die Schwelle von 90 Rappen. Danach erholte sich der Kurs wieder. Gegen 11 Uhr pendelte der Dollarkurs um 90.35 Rappen. Das historische Tief des Dollars wurde am 9. August 2011 bei 72 Rappen erreicht, kurz vor Einführung der Untergrenze zum Euro. Der Schweizer Franken wertete sich in den letzten Tagen auch gegenüber der europäischen Einheitswährung auf. Aktuell notiert der Euro bei 1.2224 Franken und damit so schwach wie seit Anfang Mai nicht mehr.

Weil sich Demokraten und Republikaner im Kongress nicht auf ein Übergangsbudget einigen konnten, sitzen grosse Teile der Bundesverwaltung ab heute auf dem Trockenen. Anleger rechnen damit, dass dies auch die Geldpolitik der US-Notenbank beeinflusst. «Die Märkte antizipieren, dass der Shutdown die Federal Reserve angesichts der Risiken für die US-Wirtschaft zur längeren Weiterführung ihrer lockeren Geldpolitik bewegen wird», sagt ein Währungsexperte zur Agentur Bloomberg. Der Dollar fiel auch gegenüber dem britischen Pfund und dem australischen Dollar. Der Wert des Euro stieg von 1.3520 auf 1.3570 Dollar.

Asiens Börsen im Plus

Um 6 Uhr früh war klar geworden, dass der US-Kongress keine Einigung in Sachen Budget finden wird. Wer erwartet hat, dass die Börsen Asiens danach in den Keller rasseln, lag falsch. Nach einem kurzen Taucher von einem Prozent kurz vor der Deadline, erholte sich der Nikkei 225 wieder. Am Ende notierte der japanische Leitindex 0,2 Prozent im Plus. Der breit gefasste MSCI-Index für asiatische Aktien ausserhalb Japans lag rund 0,4 Prozent im Plus. Der Handel in der Region fiel wegen eines Feiertags in China und Hongkong allerdings schwach aus.

Japans Anleger schauten auf weitere Stimuluspakete. Ausserdem gab es weitere Anzeichen für eine Erholung der japanischen Wirtschaft. Die Stimmung unter den Industriemanagern der drittgrössten Volkswirtschaft der Welt hat sich weiter deutlich verbessert. Im dritten Quartal in Folge stieg der von der Zentralbank ermittelte Stimmungsindex für die Grossindustrie, wie die Bank von Japan (BOJ) heute bekannt gab. Nach dem sogenannten Tankan-Bericht verbesserte sich der Index zwischen Juli und September von plus 4 Punkten auf plus 12 Punkte und damit noch stärker als erwartet. Ein positiver Index bedeutet, dass die Optimisten in der Mehrheit sind. Die Quartalsumfrage ist eine umfassende Mischung aus Konjunkturanalyse und Stimmungsbericht.

Steuererhöhung und Konjunkturpaket

Vor dem Hintergrund der verbesserten Wirtschaftslage hat Ministerpräsident Shinzo Abe in einem politisch riskanten Schritt eine Erhöhung der Mehrwertsteuer im April von 5 Prozent auf 8 Prozent angekündigt. Die Erhöhung um drei Prozentpunkte sei notwendig, um «ein nachhaltiges System der sozialen Sicherung an die nächste Generation übergeben zu können», sagte Abe vor Mitgliedern des Kabinetts und seiner Partei, wie die Nachrichtenagentur Jiji berichtete.

Abe kündigte auch ein Konjunkturpaket an, um die Auswirkungen der Steuer auf die Wirtschaft abzumildern. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer von fünf auf acht Prozent ist ein riskantes Manöver in einem Land, in dem ähnliche Steuererhöhungen für die Verantwortlichen meist das Ende der Karriere bedeuteten. Der Schritt gilt als essentiell zur Reduzierung der hohen Schuldenlast, doch befürchten Ökonomen, dass sie den zaghaften Aufschwung in der drittgrössten Volkswirtschaft der Welt erneut abwürgen könnte. Experten schätzen die Kosten für die Haushalte auf acht Billionen Yen (73 Milliarden Franken).

Es wird erwartet, dass das Konjunkturpaket der Regierung im Gesamtwert von rund 48 Milliarden Franken Massnahmen für Menschen mit geringem Einkommen und Anreize für Investitionen umfasst. Abe könnte auch die Abschaffung einer Sondersteuer für Unternehmen beschleunigen, die nach dem Erdbeben und dem Tsunami 2011 eingeführt worden war.

sda/AFP/rub/bru

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch