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Die Börsenparty pausiert

Die Champagnerlaune der Börsianer ist getrübt: Steigende Anleihen-Renditen versetzen den Aktienmärkten einen Dämpfer.

Steigende Renditen bei US-Staatsanleihen sorgen bei Börsenhändlern für Anspannung (unsere Aufnahme stammt von der New Yorker Börse).
Steigende Renditen bei US-Staatsanleihen sorgen bei Börsenhändlern für Anspannung (unsere Aufnahme stammt von der New Yorker Börse).
Brendan McDermid, Reuters

Die weltumspannende Hochstimmung der Anleger und der vorherrschende Konjunkturoptimismus bei Unternehmern und Ökonomen haben den Börsen zum besten Start in ein neues Jahr seit 1987 verholfen. Der Welt-Aktienindex des Anbieters FTSE verzeichnet seit Jahresbeginn einen Zuwachs um 6,5 Prozent, auch wenn er am Montag ein Minus von 0,6 Prozent hinnehmen musste.

So sehr sich die Börsianer über die dynamische Weltwirtschaft freuen, so steigt gleichzeitig auch ihre Skepsis wegen der damit verbundenen Begleiterscheinungen. Früher oder später, so ihre Erwartung, wird das sich derzeit noch beschleunigende Wachstum rund um den Globus die Inflationsraten steigen lassen.

Diese Einschätzung hat angesichts der beschlossenen Steuersenkungen in den USA zusätzliche Nahrung bekommen. Die bereits gut auf Touren gekommene und mit Vollbeschäftigung arbeitende Wirtschaft in Amerika erhält dadurch eine zusätzliche Stimulierung, die sie überhaupt nicht nötig hat. Vielmehr könnte der Steuerimpuls dazu führen, dass die US-Notenbank ihre Geldpolitik rascher und aggressiver straffen muss als bislang erwartet, um ein späteres Überschiessen der Teuerung zu verhindern. Das befürchtet eine wachsende Zahl von Analysten.

Bisher sieht der «Fahrplan» von Amerikas Währungshütern drei Zinserhöhungen im laufenden und zwei weitere im kommenden Jahr vor. Die Marktbeobachter werden denn auch die morgigen Verlautbarungen der Notenbank nach Abschluss ihrer ersten Sitzung in diesem Jahr vor allem darauf abklopfen, ob sie Hinweise auf eine geldpolitische Verschärfung enthalten.

Hält die Widerstandslinie oder nicht?

Ob und wie stark die Befürchtungen über steigende Inflationsraten und anziehende Zinsen unter den Marktakteuren verbreitet sind, lässt sich derzeit am besten bei amerikanischen Staatsanleihen beobachten. Nachdem die Rendite der zehnjährigen Papiere bereits seit Jahresbeginn einen leicht steigenden Trend verzeichnete, ist sie am Montag zeitweise über die Marke von 2,7 Prozent bis auf 2,73 Prozent geklettert – ein seit April 2014 nicht mehr gesehenes Niveau. Für die Marktbeobachter wird es nun spannend: Steigt die Rendite merklich über den aktuellen Stand und überwindet damit eine wichtige Widerstandslinie, wäre der Weg frei für eine weitere Aufwärtsentwicklung.

Sollte es tatsächlich so weit kommen, hätte dies weltweit zu spürende Folgen. Zum einen ist die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen so etwas wie das globale Fundament des Finanzsystems: Von diesem Zinssatz leitet sich ab, was Schuldner über Amerika hinaus – ob private Haushalte, Unternehmen und die öffentliche Hand – an Kreditkosten zu tragen haben.

Zum andern sind anziehende Renditen bei Staatspapieren der USA und anderswo Gift für die Aktienkurse, verlieren doch Aktien in diesem Fall im Vergleich zu Anleihen an Attraktivität für Anleger. Hinzu kommt: Steigende Zinsen bedeuten für die Unternehmen höhere Kosten und entsprechend geringere Gewinnmargen, insbesondere für solche mit hoher Verschuldung; auch das widerspiegelt sich in den Aktienkursen.

Dieses Wechselspiel von Aktien und Anleihen liess sich am Montag im Börsenhandel in Übersee beobachten. Parallel zum Anstieg der Rendite zehnjähriger US-Staatspapiere (was immer einhergeht mit fallenden Anleihenkursen) tendierten die Aktien schwächer. Bis zum Handelsschluss verlor der S & P 500, das wichtigste US-Börsenbarometer, 0,7 Prozent. Rückläufige Aktiennotierungen überwogen anschliessend auch in Japan, Hongkong und Südkorea. Während die Schweizer Börse gemessen am Swiss Market Index im heutigen Handel leicht schwächer tendierte, hat die New Yorker Börse heute Dienstag erneut knapp 1 Prozent verloren.

Die Notenbanker im Blick

Vor diesem Hintergrund verfolgen die Börsianer das Geschehen an den Anleihenmärkten derzeit mit besonderer Akribie. Stehen die Zeichen auf eine anhaltende Aufwärtsbewegung bei den Renditen, dürfte das Potenzial für weitere Kursverbesserungen bei Aktien begrenzt sein.

Für diese Entwicklung mag zum einen die robuste Weltkonjunktur sprechen, die ihrerseits die Inflationserwartungen an den Märkten nach oben tendieren lässt. Zum andern geben die wichtigsten Notenbanken in den USA, der Eurozone, Japans und Grossbritanniens ihre Neigung zu erkennen, die immer noch weit offenen Geldschleusen allmählich zu verengen.

Es kann selbstverständlich aber auch anders kommen. So verweisen Analysten auf die Renditeentwicklung 30-jähriger US-Staatsanleihen, die bislang vom Anstieg der 10-jährigen Schuldscheine nicht tangiert worden ist. Die 30-jährigen Papiere rentierten zuletzt mit 2,94 Prozent – und damit noch in einiger Distanz zum letztjährigen Höchststand von knapp 3,2 Prozent.

Ganz offenkundig rechnen die Investoren nicht mit einem langfristigen Wachstumstrend der US-Wirtschaft auf dem derzeitigen Niveau. Was immer die Gründe für diese Erwartung sein mögen – einig sind sich die Käufer der 30-jährigen Titel offenkundig darin, dass Amerikas Notenbanker wachsam bleiben und eine Überhitzung der weltgrössten Wirtschaft nicht zulassen werden.

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