Die EZB schürt die Inflation? Stimmt nicht, sagen Experten

Die Kritik an der Politik der Europäischen Zentralbank ist laut den Konjunkturforschern vom BAK nicht gerechtfertigt.

Die Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main.

Die Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main. Bild: Arne Dedert/Keystone

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Die Kritik an der Europäischen Zentralbank EZB wird nach Ansicht der BAK-Konjunkturforscher von den empirischen Fakten relativiert. Die Vorwürfe der zu expansiven Geldpolitik, der falschen Anreize und geschürten Inflation hätten sich nicht bestätigt, sagte BAK-Chefökonom Martin Eichler an der Herbstprognosetagung des Konjunkturforschungsinstituts in Basel.

«Wenn die Geldpolitik der EZB so falsch ist, wie oft behauptet wird, sollte sich das nach vier Jahren nun auch in den Zahlen niedergeschlagen haben», sagte Eichler. Das sei aber nicht passiert: Die Euroländer erholten sich und das Wachstum sei breit abgestützt. «Auch wenn Wachstum kein explizites Ziel der EZB ist und auch keine Kausalität vorausgesetzt werden kann: Zumindest hat die Geldpolitik das Wachstum nicht abgewürgt.»

Auch Anzeichen für die Auswirkungen falscher Anreize kann Eichler kaum ausmachen. Zwar sei der Verschuldungsdruck weiterhin hoch, in den meisten Euroländern seien aber die Defizite deutlich zurückgegangen.

Mit einem Blick auf die Inflationsraten erklärten sich zudem die EZB-Politik gut: Diese näherten sich nun langsam der eigentlichen Zielgrösse an. «Es bleiben Risiken und auch die ordnungspolitischen Überlegungen sind da», sagte der BAK-Chefökonom. «Aber wir wissen nicht, wie berechtigt diese Überlegungen noch sind.»

Negativzinsen bis 2020

Die BAK rechnet nun mit einer langsamen, aber stetigen Normalisierung der Geldpolitik. In Europa und in der Schweiz dürften die Zinsen aber noch bis 2020 negativ bleiben. In Europa sei nun noch mehr Vorsicht angesagt als in den USA, wo die Notenbank Fed mit der Erhöhung der Zinsen schon deutlich weiter sei. «Als Nachzügler hat die EZB ein höheres Risiko, internationale Verwerfungen auszulösen», sagte Eichler.

Die langfristigen Zinsen würden allerdings auch im Euroraum und der Schweiz bereits steigen. Hier dürfte sich die Schere zwischen den USA und Europa langsam wieder schliessen, erwartet Eichler.

Trotz Exportabschwächung keine Trendwende

Die Schweizer Exporte dürften der Wirtschaft weiterhin Schub geben. Trotz dem schwachen dritten Quartal erwartet das Konjunkturforschungsinstitut keine Trendwende bei den Ausfuhren.

Schon zu Beginn des dritten Quartals habe sich eine recht deutliche Abschwächung bei den Exporten gezeigt, dieser Trend habe sich nun im September nochmals verstärkt, sagte Macro-Research-Leiter Alexis Bill-Körber am Donnerstag an der Herbstprognosetagung des Konjunkturforschungsinstituts in Basel.

Die Exporte gingen im dritten Quartal gemäss den Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung um 2,9 Prozent zurück. Die Abschwächung habe sich im Einklang mit den BAK-Prognosen entwickelt. «Es gibt eine Abschwächung, aber keine Trendwende», sagte Bill-Körber.

«Franken hat sich gut gehalten»

Der Ökonom begründete dies einerseits mit dem Franken. Die Schweizer Währung habe sich relativ gut gehalten. Derzeit bewegt sich der Euro-Franken-Wechselkurs um 1,15 Franken. «Wir glauben, dass im Verlauf 2019 ein Kurs von um die 1,18 Franken möglich ist», sagte Bill-Körber.

Auch die Nachfrage aus dem Ausland dürfte weiterhin stark bleiben. Für 2018 rechnet BAK mit einem Wachstum der Güterexporte von 5,4 Prozent, für 2019 mit einem Plus von 4,1 Prozent.

Die BAK hatte ihre Prognosen für das laufende Jahr vor gut einem Monat nach oben geschraubt. Die Konjunkturforscher trauen der Schweizer Wirtschaft ein Wachstum von 3,0 Prozent zu Zuvor waren sie von 2,3 Prozent ausgegangen. Viele andere Institute, Grossbanken und auch der Bund haben ihre Schätzungen ebenfalls erhöht. 2019 soll sich das Tempo der Konjunktur etwas verlangsamen. Die BAK-Ökonomen rechnen dann noch mit einem Plus von 1,6 Prozent. (ij/sda)

Erstellt: 18.10.2018, 14:00 Uhr

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