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«Die Löhne soll man jetzt nicht antasten»

Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler lehnt Lohnkürzungen als Reaktion auf den starken Franken ab. Bürgerliche fordern derweil ein teures Rettungspaket für die Wirtschaft.

Von einer Lohnkürzung hält Peter Spuhler in der jetzigen Situation nichts nichts: Blick in die Produktion von Stadler Rail in Altenrhein. (15. April 2014)
Von einer Lohnkürzung hält Peter Spuhler in der jetzigen Situation nichts nichts: Blick in die Produktion von Stadler Rail in Altenrhein. (15. April 2014)
Steffen Schmidt, Keystone

Nach der Aufhebung des Euro-Mindestkurses fordern bürgerliche Politiker ein milliardenteures Entlastungsprogramm zur Unterstützung der Wirtschaft, wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet. BDP-Nationalrat Hans Grunder will in der Frühlingssession die Aufhebung der Mehrwertsteuer für Tourismus und Gastronomie fordern. Diese Massnahme würde für den Staat Steuerausfälle in der Höhe von 800 Millionen Franken bedeuten. Eingespart werden sollen die Steuerausfälle mit einer Plafonierung der Personalkosten in der öffentlichen Hand. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) signalisiert, dass auch im Rahmen der Unternehmenssteuerreform III weitere Entlastungsmassnahmen möglich sind. Zudem sollen Regulierungen abgebaut werden.

SVP-Präsident Toni Brunner fordert gar einen generellen Anstellungsstopp beim Staat. Zudem sollen «verzerrende Vorteile der öffentlichen Hand auf dem Arbeitsmarkt» wie Vaterschaftsurlaube, Ferien- und Freizeitregelungen, Pensionskassenleistungen abgebaut werden und auf Projekte wie die Lohnpolizei für die Lohngleichheit von Mann und Frau und die Frauenquote in Verwaltungsräten von börsenkotierten Unternehmen verzichtet werden. Auch Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann (FDP) lanciert eine weitere Idee zur Unterstützung der Wirtschaft. Er sorgt sich um den Einkaufstourismus. Ein Mittel dagegen könnten längere Ladenöffnungszeiten sein, sagt er zur «Schweiz am Sonntag»: «Damit setzen wir ein Signal an die Konsumenten, dass sie hierzulande einkaufen sollen.»

Keine Löhne kürzen

Im Kampf gegen die Auswirkungen des starken Frankens prüft der Schienenfahrzeughersteller Stadler Rail, die Wochenarbeitszeit um zwei Stunden anzuheben. Von einer Lohnkürzung hält Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler dagegen nichts. «Die Löhne soll man jetzt nicht antasten. Das schlägt auf die Stimmung im Betrieb», sagt Spuhler in einem Interview mit der «SonntagsZeitung». Auch volkswirtschaftlich gesehen sei es ein Fehler, jetzt die Kaufkraft zu reduzieren.

Eine intelligentere Lösung ist seiner Ansicht nach, die Wochenarbeitszeit anzuheben. Die Angestellten würden diesen Schritt auch mittragen, «wenn es eine temporäre Massnahme bleibt», sagt Spuhler. Zusätzliche Bundesgelder für Kurzarbeit würden zwar nicht unmittelbar helfen. In den letzten Krisen sei es aber «sehr sinnvoll» gewesen, weil etwa hochqualifizierte Mitarbeiter gehalten werden könnten und somit Know-how im Betrieb bleibe.

Auch Arbeitgeberpräsident Valentin Vogt lehnt Personal- und Lohnmassnahmen ab. Wenn schon, müssten diese zwingend Teil eines Pakets sein, das insgesamt die existenzielle Wettbewerbsfähigkeit einer Firma verbessere, hält Vogt gegenüber der «NZZ am Sonntag» fest. Aber: «Bei tiefen Löhnen gibt es kaum Spielraum.» Zahlreiche Unternehmer verlangen einen Abbau der Bürokratie. So fordert etwa UBS-Schweiz-Chef Lukas Gähwiler einen «schlankeren Staat». Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler würde es begrüssen, «wenn der Staat für tiefere Kosten sorgen würde.» Tiefere Steuern und Abgaben sowie die Vereinfachung von Verwaltungsprozessen würden die Wettbewerbsfähigkeit erhöhen.

UBS gegen Subventionen

Ins gleiche Horn stösst auch der CEO der Grossbank UBS. In einem Interview mit der «Schweiz am Sonntag» sagte Sergio Ermotti zum Thema Wettbewerbsfähigkeit: «Wir können zum Beispiel bei Steuern und der Infrastruktur ansetzen.» Er gehe davon aus, dass Massnahmen eingeleitet würden, noch bevor die Konsequenzen des SNB-Entscheids spürbar seien. Letzteres dürfte frühstens gegen Ende Jahr der Fall sein. Zudem forderte er wie auch Spuhler Klarheit in der Beziehung zu Europa, insbesondere was die Zuwanderung von Fachkräften betreffe. Subventionen erteilte der Ermotti derweil eine Absage.

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