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«Die Zentralbanken übernehmen die Rolle als letzte Retter»

Die grossen Notenbanken fluten die Finanzmärkte mit Dollars. Die Eurozone kaufe sich damit Zeit, sagen Ökonomen. Eine nachhaltige Wirkung könne jedoch nur auf politischer Ebene erreicht werden.

Unterstützt die Märkte mit viel Geld: Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Unterstützt die Märkte mit viel Geld: Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Keystone

Die konzertierte Aktion der Notenbanken verflüssigt den schon zäh gewordenen Geldstrom rund um den Globus. Vor allem aber kauft sie der Euro-Zone mehr Zeit zur Lösung ihrer weltweit folgenreichen Schuldenkrise.

Die Angst vor einer Kreditklemme hat sich zuletzt tief in die Wirtschaft hineingefressen - gibt die Bank kein Geld, weil sie wegen drohender Verluste auf Staatsanleihen und einer verschärften Regulierung mehr Kapital horten muss, kann auch die Industrie nicht mehr investieren und der Wachstumsmotor gerät ins Stottern wie zuletzt während der Finanzkrise. Schätzungen gehen davon aus, dass die Banken ihre Kreditvergabe bis Ende nächsten Jahres um bis zu drei Billionen Euro einschränken könnten.

Die Intervention der wichtigsten Zentralbanken der reichsten Länder dieser Welt - von den USA über Europa bis nach Japan - macht es für die Banken wieder billiger, sich im globalen Finanzgeschäft mit der Reservewährung Dollar zu versorgen.

Starkes Zeichen

Selbst wenn davon auszugehen ist, dass die Währungshüter einer weiteren Zuspitzung auf den Geldmärkten während der üblichen saisonalen Anspannung zum Jahresende zuvorkommen wollten: Die Aktion war ein starkes Zeichen dafür, dass die entscheidenden geldpolitischen Institutionen an einem Strang ziehen.

Selbst China tat das Seine: Das grösste Schwellenland lockerte erstmals seit drei Jahren die Geldpolitik, um die Abschwächung seines Wachstums sanfter zu gestalten. Die Schleusen stehen überall offen. Auch von der Europäischen Zentralbank wird in der kommenden Woche die zweite Zinssenkung binnen fünf Wochen erwartet.

Der mächtige Schritt macht jedoch zugleich den engen Zusammenhang zwischen der Euro-Krise und einem potenziellen Zusammenbruch des Finanzsystems offensichtlich: Das wäre ein fataler Doppelschlag für das weltweite Wachstum. Die Börsen reagierten folglich mehr als erleichtert. Die dunklen Wolken schienen plötzlich vertrieben, alle sogen begeistert die frische Luft ein. «Herrliche Nachrichten», «wunderbar», schallte es von den Handelsplätzen diesseits und jenseits des Atlantiks. Aber taugt die Aktion auch dazu, die Risikobereitschaft an den Märkten langfristig wieder abzusichern?

Ein Versuch, die Abwärtsspirale zu brechen

Technisch betrachtet wird es durch die neuen Konditionen billiger für Banken ausserhalb der USA, ihre nationalen Notenbanken für Dollars anzuzapfen. Die Reservewährung war zuletzt schon knapp geworden und auf den offenen Märkten teuer, weil die Institute einander wegen der potenziellen Verluste durch die Schuldenkrise nicht mehr über den Weg trauen. «Es zeigte sich seit einiger Zeit, dass der Dollar-Markt dabei war, auszutrocknen», sagt Richard Batty von Standard Life Investments in Edinburgh. «Da ist es hilfreich, wenn diese Geschäfte billiger werden und insgesamt mehr Liquidität zur Verfügung steht.» Aber: «Das Problem der Solvenz bleibt.»

Das beste Barometer für die derzeitige Anspannung ist die Währungstausch-Rate für Euro und Dollar die seit August auf ein Niveau gestiegen ist, das sie zuletzt beim Zusammenbruch von Lehman Brothers vor drei Jahren erreicht hat. Nach der Intervention der Notenbanken ging sie am Mittwoch leicht zurück.

Erleichterung bei Experten

Da die Schuldenkrise die Anleger weltweit jedoch auf eine zermürbende Geduldsprobe stellt und kein Ende abzusehen ist, herrschte jedoch vor allem darüber Erleichterung, dass endlich wenigstens jemand einen kraftvollen Versuch unternimmt, die Spirale zu stoppen: «Das verschafft den Banken Liquidität, die Zentralbanken übernehmen die Rolle als letzte Retter», sagt Jan Poser, Chef-Ökonom beim Vermögensverwalter Sarasin. «Das ist nicht die Lösung. Aber nach dieser Aktion muss man nicht mehr unmittelbar den Zusammenbruch einer Bank befürchten und die Angst vor einer Rezession verflüchtigt sich.»

So sieht es auch Max Holzer von Union Investment: «Die Notenbank- Aktion ist ein notwendiger, aber nicht hinreichender Baustein zur Lösung der Schuldenkrise», sagt er. «Der Markt wartet weiter auf eine politische Lösung. Es ist aber gut, dass man die Probleme auf dem Geldmarkt jetzt angeht - da hatte sich die Lage zuletzt enorm zugespitzt. Das Signal kommt jetzt genau zur richtigen Zeit.»

SDA/miw

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