Dow-Jones-Index auf Talfahrt

Der US-Börsenindex verlor zwischenzeitlich fast 1600 Punkte. Grund dafür ist die Furcht vor steigender Inflation und höheren Zinsen.

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Auf einen Tweet von Donald Trump wartete man am Montagabend vergebens. Monatelang hatte sich der US-Präsident im Kurznachrichtendienst Twitter dafür gefeiert, dass es seit seiner Wahl an den US-Börsen nur eine Richtung zu geben schien: bergauf. An diesem Montag jedoch, als der Dow-Jones-Index zeitweise um fast 1600 Punkte in die Tiefe rauschte und sich am Ende mit dem grössten Tagesverlust seit sechseinhalb Jahren aus dem Handel verabschiedete, blieb das Handy des selbsternannten Börsengurus stumm.

Das Schweigen ist kein Wunder, denn dem Präsidenten droht bei einer Fortsetzung der Talfahrt nicht nur der Spott seiner zahlreichen Kritiker, sondern auch eine Beschädigung seines Images: Die gesamte Reputation der Marke Trump beruht auf dem Versprechen, dass der einstige Immobilienunternehmer seinen privaten wirtschaftlichen Erfolg auf die politische Bühne übertragen kann und die einfachen Bürger daran teilhaben lässt. Sollte sich diese Zusage als haltlos erweisen, könnte sich ein Teil seiner Wählerschaft von ihm abwenden. Unabhängig davon hatten sich frühere Präsidenten auch ganz generell jedes Hurra-Geschrei über Börsengewinne verkniffen: Sie wussten ganz genau, dass sie anderenfalls auch für die früher oder später unvermeidlichen Kursverluste in Haftung genommen würden.

Der Kursrutsch an der Wall Street hatte bereits in der vergangenen Woche begonnen. Grund waren ausgerechnet gute Konjunkturnachrichten gewesen, die an den Aktienmärkten die Sorge auslösten, die US-Notenbank Fed werde die Leitzinsen womöglich viel schneller anheben als bisher gedacht, um eine wirtschaftliche Überhitzung zu vermeiden und die Inflation einzudämmen. Dies würde auch Kredite an Firmen und Verbraucher verteuern und hätte mittelfristig negative Auswirkungen auf die Konjunkturentwicklung.

Furcht der Händler vor Verlusten

Nach einem schwachen Start am Montag hatten sich die Kurse zunächst wieder etwas erholt, bevor sie gegen 15 Uhr Ortszeit plötzlich wie Senkblei in die Tiefe stürzten. Es schien, als hätten die Händler nur darauf gewartet, dass einer den ersten Schritt tut. Wenig später schnellte der Dow Jones wieder in die Höhe – ein Zeichen dafür, dass nicht die Fundamentaldaten die Kauf- und Verkaufsentscheidungen bestimmten, sondern die reine Furcht der Händler davor, hohe Verluste zu machen oder den rechtzeitigen Wiedereinstieg in einen steigenden Markt zu verpassen. Der Cboe-Volatilitätsindex, der die Schwankungen am Markt misst, schlug so wild aus wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr.

Am Ende ging der Dow Jones mit 24 346 Punkten aus dem Handel, das entsprach einem Verlust von 1175 Punkten oder 4,6 Prozent. Weder Trumps überraschende Wahl vor gut einem Jahr noch die EU-Austrittsentscheidung der Briten hatte so gravierende Marktreaktionen verursacht. «Ich glaube, die Stimmung war zu optimistisch», sagte Brad MacMillan vom Finanzhaus Commonwealth Financial Network. «Es waren nicht die Fundamentaldaten, die den Markt im Januar so stark nach oben getrieben haben, es war übertriebene Zuversicht.» Auch andere Indizes wie der Nasdaq Composite und der S&P 500 rauschten in die Tiefe. Damit sind alle Gewinne, die in diesem Jahr an den Börsen erzielt wurden, rein rechnerisch wieder vernichtet worden.

Erstellt: 06.02.2018, 06:13 Uhr

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