Draghis Worte lassen Euro zum Franken steigen

Der Leitzins bleibt auf Rekordtief, EZB-Chef Mario Draghi will auch nichts von einem Ende der Wertpapierkäufe wissen. An den Aktien- und Anleihenmärkten steigen die Kurse.

Fährt Geldpolitik unverändert fort: EZB-Chef Mario Draghi.

Fährt Geldpolitik unverändert fort: EZB-Chef Mario Draghi. Bild: Michael Probst/Keystone

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Europas Währungshüter halten zunächst unverändert Kurs – ungeachtet drängender Forderungen nach einem Ende der Geldflut. Die Europäische Zentralbank (EZB) belässt den Leitzins im Euroraum weiterhin auf dem Rekordtief von null Prozent.

Für das Geldparken knöpft die EZB Geschäftsbanken nach wie vor 0,4 Prozent Strafzinsen ab. Zudem steckt die Notenbank noch bis mindestens Ende Dezember 2017 Monat für Monat 60 Milliarden Euro in den Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen. Diesen Kurs bekräftigte der EZB-Rat bei seiner heutigen Sitzung in Frankfurt.

An der Medienkonferenz wollte EZB-Chef Mario Draghi auch kein Jota von seinen vorherigen Formulierungen zum Kaufprogramm und seinem möglichen Ende abweichen. Das liess den Kurs des Euro gegenüber den wichtigsten Währungen steigen. Zum Franken legte die Einheitswährung bis um 15.30 Uhr etwas mehr als einen halben Rappen auf 1.106 zu.

Von 1.10 auf 1.106: Euro in Franken. (Grafik Bloomberg)

An den Anleihenmärkten sanken die Renditen, was die Kurse der Wertpapiere in die Höhe trieb.

Auch an den Aktienmärkten reagierten die Investoren nach anfänglichen Verkäufen mit Zukäufen. Der Euro Stoxx 50 stieg um 0,6 Prozent, der SMI, der Leitindex der Schweizer Börse, um 0,25 Prozent.

EZB will Konjunktur auf die Sprünge helfen

Im Vorfeld gab es Spekulationen, dass Notenbank-Präsident Mario Draghi am Nachmittag zumindest Andeutungen zu einem Einstieg in den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik machen würde. Anfang Juni hatte die EZB erste vorsichtige Hinweise gegeben: Die Wachstumsrisiken für den Euroraum seien «weitgehend ausgeglichen» statt «abwärtsgerichtet», erklärte Draghi vor sechs Wochen. Zudem strich die EZB die Passage zu möglichen weiteren Zinssenkungen.

Heute wollte Draghi aber noch nichts an seiner Politik ändern und bat um Geduld. Man wolle zuwarten und beobachten, wie sich die wichtigsten Wirtschaftsindikatoren weiter entwickeln. Draghi sagte, der 25-köpfige EZB-Rat habe darin übereingestimmt, kein genaues Datum festzulegen, wann über Änderungen diskutiert werden soll. Änderungen würden im Herbst zum Thema werden, sagte er.

Teuerung weiterhin zu tief für EZB

Mit viel billigem Geld versucht die EZB seit Jahren, der Konjunktur auf die Sprünge zu helfen und die Teuerung anzuheizen. Letzteres ist für die EZB noch zu wenig der Fall. Ausserdem bekundeten einige Länder nach wie vor Problembe, auch wenn sich die Eurozone als Ganzes erhole.

Angestrebt wird Preisstabilität bei einer Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent – weit genug entfernt von der Nullmarke. Weil die Zeiten einer Inflationsrate nahe null vorerst vorbei sind und die Konjunktur im Euroraum wieder besser läuft, wächst der Druck auf die Währungshüter, ihren Anti-Krisen-Kurs zu beenden. Konkrete Schritte erwarten Ökonomen frühestens in der Septembersitzung des EZB-Rates. Dann liegen den Währungshütern die neuesten Prognosen der Notenbank zur Entwicklung der Konjunktur und der Teuerungsrate im Euroraum vor. (woz/rub/sda)

Erstellt: 20.07.2017, 14:16 Uhr

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