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Zins-Knacknuss: Einfacher beschlossen als umgesetzt

Wie senkt man den Leitzins? Zumal die Banken auf 2500 Milliarden Dollar sitzen. Da funktioniert einiges nicht mehr.

Sieben Jahre nach der Finanzkrise von 2008 ist die Herausforderung gross, eine Erhöhung des Leitzinses, der Federal Funds Rate, praktisch durchzusetzen. Diesen Zinssatz kann die US-Notenbank nicht per Dekret festlegen, sondern nur indirekt beeinflussen. Es handelt sich um den Zinssatz, den sich Banken untereinander für Ausleihungen von einem Tag (Overnight) in Dollar berechnen.

In gewöhnlichen Zeiten sind die Banken auf Gelder des Fed angewiesen, etwa wenn sie ansonsten die erforderlichen Mindestreserven bei der Notenbank nicht mehr decken können. Das Fed befriedigt die Nachfrage nach dem von ihm geschaffenen Geld durch sogenannte Repo-Kredite: Es leiht den Banken Geld und verlangt dafür zur Sicherheit Staatsanleihen. Mit dem Repo-Satz – dem Zinssatz für die Repo-Kredite – steuert sie indirekt den Leitzins. Wenn die Kosten für das Notenbankgeld zum Beispiel steigen, verlangen die Banken auch untereinander für Ausleihungen einen höheren Zinssatz, also eine höhere Federal Funds Rate.

Doch seit der Finanzkrise sind die gewöhnlichen Zeiten vorbei. Die Banken schwimmen im Geld und sind nicht mehr auf Geldspritzen der Notenbank angewiesen. Das ist eine Folge der Entwicklung der Geldpolitik seit 2008. Denn seither hat das Fed über eine Vielzahl von aussergewöhnlichen Massnahmen die Banken und das übrige Finanzsystem mit Geld geflutet. Insgesamt ist so die Bilanzsumme des Fed von rund 900 Milliarden Dollar im Dezember 2008 auf aktuell 4500 Milliarden Dollar angewachsen. Allein die Guthaben der Banken auf den Konten der Notenbank belaufen sich jetzt auf rund 2500 Milliarden Dollar. Vor der Krise schwankten diese Reserven zwischen 5 und 20 Milliarden Dollar.

Zinsen für die Geldenthaltung

Will das Fed jetzt den Leitzins erhöhen, kann es den Banken Notenbankgeld nicht einfach teurer ausleihen. Jene haben bereits mehr als genug davon. Das Fed plant nun, seinen früheren Mechanismus auf den Kopf zu stellen: Statt dass es den Banken für frisches Geld einen Zinssatz abverlangt, werden diese vom Fed dafür bezahlt, wenn sie dem Wirtschaftskreislauf Geld entziehen. Das wichtigste Instrument zur Steuerung des Leitzinses wird deshalb künftig der Zinssatz sein, den die Notenbank den Banken auf deren Reserveeinlagen bezahlt. Es wäre für die Finanzinstitute ein schlechtes Geschäft, sich gegenseitig Geld zu einer Federal Funds Rate auszuleihen, wenn sie auf dem Konto der Notenbank einen höheren Zinssatz dafür bekommen können.

Allerdings bleiben davon alle Finanzinstitute ausgeschlossen, die kein Konto bei der Notenbank unterhalten, das Zinsniveau aber ebenfalls beeinflussen. Deshalb setzt das Fed zusätzlich auf sogenannte Reverse-Repo-Kredite. Faktisch nimmt damit das Fed mit Staatsanleihen gesicherte Kredite auch bei Schattenbanken wie Geldmarktfonds auf und bezahlt auch dafür einen Zins.

Wie gut die neuen Massnahmen funktionieren, um den Leitzins im gewünschten Ausmass anzuheben, ist umstritten, und die Massnahmen sind mit Risiken verbunden. Besonders im Zusammenhang mit den Reverse Repos debattieren Ökonomen bereits intensiv, ob diese Massnahme in einer neuen Krisensituation die Gefahr einer Geldknappheit auf den Märkten verschärfen würde, weil Finanzinstitutionen es dann bevorzugen würden, ihr Geld auf die Notenbank zu bringen, statt es auszuleihen. Deshalb will das Fed die Maximalsumme für Reverse-Repo-Kredite beschränken.

Der Umstand, dass die Notenbank den Banken erneut Geld dafür bezahlen wird, um ihre Zinspolitik umzusetzen, kommt nicht überall gut an. Die Finanzbranche war schliesslich wesentlich mitverantwortlich für die Krise und die bis heute anhaltenden Schwierigkeiten.

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